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28.04.2016

13:22 Uhr

Lufthansa-Hauptversammlung

Der traurige Kranich

VonJens Koenen

Der Druck auf Lufthansa-Chef Carsten Spohr wächst, sich endlich mit dem fliegenden Personal zu einigen. Der Streit mit den Piloten wird auch auf der Hauptversammlung der Fluggesellschaft kontrovers diskutiert.

Die Lufthansa streitet weiterhin mit den eigenen Piloten. Das ärgert die Aktionäre. dpa

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Die Lufthansa streitet weiterhin mit den eigenen Piloten. Das ärgert die Aktionäre.

FrankfurtAuch mehr als ein Jahr nach dem vom Copiloten absichtlich herbeigeführten Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen ist das Unglück im Lufthansa-Konzern immer noch präsent. Auch bei der Hauptversammlung. Vor dem Congress Center in Hamburg wehen wie im Vorjahr dunkle Lufthansa-Flaggen, nicht die üblichen gelben. Und drinnen gibt es kaum einen Redner, der nicht mit dem schrecklichen Ereignis, das 150 Menschenleben kostete, in seine Ausführungen einsteigt.

„Wie kann man ein Jahr einordnen, das so unendlich traurig war?“, fragte Lufthansa-Chef Carsten Spohr in die Runde der Aktionäre. Einmal mehr sei der Lufthansa schmerzlich vor Augen geführt worden, „wie hoch die Verantwortung ist, die wir tagtäglich für 300.000 Passagiere und Crews tragen“.

Doch trotz der kaum vorstellbaren Katastrophe hatten die anreisenden Aktionäre auch zahlreiche Fragen zum täglichen Geschäft von Europas größter Fluggesellschaft mit nach Hamburg gebracht. Ein zentrales Thema: der mittlerweile seit vier Jahren tobende Tarifkonflikt mit dem fliegenden Personal über eine Reform der Altersversorgung. „Eine Lösung des Konflikts ist für Lufthansa sehr wichtig, Herr Spohr“, schrieb Dirk Unrau von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) dem Vorstandschef ins Stammbuch.

Der Umbau von Germanwings zu Eurowings

Germanwings

Germanwings war mit seiner Basis am Flughafen Köln/Bonn einst die drittgrößte Fluggesellschaft Deutschlands.

Quelle: dpa

Umbau

Auf Sicht wird die Marke allerdings in den kommenden Jahren von den Rollfeldern verschwinden, weil der Lufthansa-Konzern sein komplettes Billigflugangebot mittlerweile über die Plattform Eurowings organisiert.

Konkurrenzkampf

So will sich der Konzern im Kampf gegen Konkurrenten wie Easyjet und Ryanair behaupten.

Kein Markenauftritt

Die Marke Germanwings, die 2002 gegründet und 2013 neu gestaltet wurde, hat seinen eigenständigen Markenauftritt bereits ebenso verloren wie seine Präsenz im Internet und im Vertrieb.

Jets

Die Germanwings-Jets werden in den kommenden Jahren umgestaltet.

Germanwings-Absturz

Der Name Germanwings wird noch lange mit dem wohl vom Co-Piloten herbeigeführten Absturz des Flugs 4U9525 verbunden werden, bei dem im März 2015 alle 150 Menschen im Flugzeug ums Leben kamen.

Verzögerter Markenwechsel

Der Markenwechsel hin zu Eurowings war aus unternehmensstrategischen Gründen aber schon vor der Katastrophe beschlossene Sache - die Tragödie hat den Umbau eher verzögert als beschleunigt.

Der versprach, neue Tarifverträge mit Piloten und den Flugbegleitern noch in diesem Jahr erreichen zu wollen. unter Dach und Fach bringen. Aber er stellte sich auch klar hinter das Streikrecht. „Arbeitnehmerrechte und damit auch das Streikrecht sind Teil unseres demokratischen Systems. Darauf sind wir hier in Deutschland zu Recht sehr stolz“, sagte Spohr: „Und unsere Mitarbeiter sind und bleiben dabei Teil der Lösung und nicht Teil des Problems.“

Während die Gespräche mit dem Kabinenpersonal über eine Neuregelung der Altersversorgung derzeit wie geplant laufen, hatte es in der Auseinandersetzung mit den Piloten zuletzt wieder nach Eskalation aus-gesehen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte einen Vorschlag des Managements brüsk abgelehnt und mit Streiks gedroht. Doch aktuell spricht man wieder. „Es sind weitere Termine im Mai vereinbart“, sagte Spohr. „Bleiben Sie hart, Herr Spohr. Wer im knallharten globalen Wettbewerb der Luftfahrt auf dem Status quo beharrt, hat schon verloren“, forderte Ingo Speich, Portfoliomanager von Union Investment.

Das gilt für Markus Neumann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) umso mehr, als Lufthansa seiner Meinung nach bei zentralen Themen nicht wirklich vorangekommen ist. „Strukturell haben so viel noch nicht getan“, mahnte er mit Blick auf Sondereffekte wie der niedrige Treibstoffpreis, die das gute Ergebnis der „Hansa“ im letzten Jahr stark getrieben haben. Ohne diese Effekte waren die Stückkosten 2015 sogar gestiegen statt zu sinken. „Die Erlösqualität kann sich nächsten Jahr schon wieder gegen uns wenden“, so Neumann. „Wir erwarten im laufenden Jahr sinkende Stückkosten – ohne Währung- und Kerosineffekt“, versprach Spohr.

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