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25.04.2013

06:34 Uhr

Macht der Betriebsräte

Wer sind die neben Osterloh?

VonTobias Döring

Bei Volkswagen macht Betriebsratschef Bernd Osterloh selbst Chefaufseher Piëch Beine – und mischt auch mal im Tagesgeschäft kräftig mit. Die obersten Arbeitnehmervertreter der Republik sind längst zu Co-Managern mutiert.

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh (2.v.r.) mit Vorstandschef Martin Winterkorn (r.) sowie Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und Ehefrau Ursula. dpa

VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh (2.v.r.) mit Vorstandschef Martin Winterkorn (r.) sowie Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und Ehefrau Ursula.

DüsseldorfHeute sitzen sie wieder gemeinsam auf dem Podium. Bei der Volkswagen-Hauptversammlung in Hannover spielt Firmen-Patriarch und Aufsichtsratsvorsitzender Ferdinand Piëch die Hauptrolle. Ein anderer Aufseher des Autokonzerns hält sich im Hintergrund: Bernd Osterloh. Dabei hat der Betriebsratschef bei VW sonst viel zu sagen – und mächtig Einfluss auf die Führung um Konzernchef Martin Winterkorn und Piëch.

Bestes Beispiel dafür ist die Personalie Gunnar Kilian. Der 38-Jährige war mehrere Jahre lang Osterlohs Sprecher im Betriebsratsbüro. Im vergangenen Sommer dann wechselte der gelernte Journalist die Stelle innerhalb des Volkswagen-Konzerns – und arbeitete fortan im Salzburger Büro für Piëch. In der vergangenen Woche schließlich holte Osterloh ihn zurück, Kilian wird Generalsekretär und Geschäftsführer des Betriebsrats. Gegenüber den „Wolfsburger Nachrichten“ sprach er von einer „spannenden und lehrreichen Zeit mit Herrn und Frau Piëch, für die ich sehr dankbar bin“.

Die Bande zwischen dem VW-Betriebsratschef und dem Patriarchen – sie sind eng geknüpft. Als oberster Arbeitnehmervertreter gilt Osterloh bei Volkswagen längst als inoffizielles Mitglied der Führungsebene. Die starke Stellung der Arbeitnehmerseite ist beim Autobauer historisch gewachsen und durch das VW-Gesetz manifestiert. Doch auch in anderen deutschen Konzernen haben Betriebsräte an Einfluss gewonnen. Die Außendarstellung ist von kaum noch zu trennen von der Präsenz der Vorstände. „Der Betriebsratschef ist heute häufig ein Co-Manager“, sagt der Gewerkschaftsforscher Claus Schnabel von der Universität Erlangen-Nürnberg.

Die Arbeitnehmer trauen sich auch selbst mehr zu: Zuletzt überraschten sie im Aufsichtsrat von Daimler, als sie die Vertragsverlängerung für Vorstandschef Dieter Zetsche um fünf Jahre ablehnten. Sie erzwangen schließlich einen internen Tausch von Vorstandsposten und stimmten im Gegenzug einem neuen Dreijahresvertrag zu. „Ich war (...) völlig überrascht, von den Arbeitnehmervertretern zu erfahren, dass sie eine Verlängerung um fünf Jahre infrage stellen würden“, sagte Daimler-Chefkontrolleur Manfred Bischoff nach dem Kräftemessen im Aufsichtsrat dem Handelsblatt.

Vorgeprescht sind die Arbeitnehmervertreter auch beim angeschlagenen Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp: Im Januar forderten sie den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen gleich bis zum Jahr 2020 – und das in einer der größten Krisen des Unternehmens.

Die zehn größten Autohersteller Europas 2012

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,42 Millionen (-6,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,5 Millionen (-3,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,63 Millionen (-3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,77 Millionen (-1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,78 Millionen (-16,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,91 Millionen (-13,2 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,98 Millionen (-13,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 1,03 Millionen (-19,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,43 Millionen (-12,9 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,98 Millionen (-1,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

Manchmal werden Betriebsräte auch vom Co-Manager zum Voll-Manager: Beim Energiekonzern RWE wechselte Uwe Tigges im Januar vom Posten des Konzernbetriebsratschefs auf den des Personalvorstands. Was manche als Seitenwechsel titulieren, halten andere schlicht und einfach für eine Ausweitung des Machtbereichs der Arbeitnehmerseite.

Kommentare (2)

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tesaro

25.04.2013, 09:29 Uhr

da steht ja links auch ein feiner Herr, der Briefkastenfirmen auf den Cayman Inseln hat.

Ob er seine Steuern ehrlich bezahlt?

keeper

25.04.2013, 10:02 Uhr

wer soviel Geld kassiert, wie "die da oben",
der sitzt auch im selben Boot, wie "die da oben".

Auf betrieblicher Ebene ist allerdings auch kein Blumentopf zu gewinnen: mehr, als zu Bremsen, Sand ins Getriebe streuen und der Firma im internationalen Wettbewerb Schaden zuzufügen - aber eben nur so viel, daß es noch tragbar ist, können die Herren Betriebsräte eben nicht.

Die Unternehmen werden virtuell - der Standort beliebig.
Die aufkommende Generation organisiert sich "im Netz".
Weltweit.

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