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08.01.2007

10:42 Uhr

Machtkampf entschieden

Stefan Lübbe wird Alleinherrscher

VonHans-Peter Siebenhaar

Der größte Buchverlag Nordrhein-Westfalens hat mit Stefan Lübbe einen neuen, alleinigen Besitzer. Dieser konnte sich im Machtkampf um das Erbe von Gustav Lübbe letztendlich gegen seine Schwester Cornelia Lübbe-Roggen durchsetzen. Der Verlag gilt als Bestseller-Lieferant.

KÖLN. Zum neuen Jahr feierte Stefan Lübbe ausgiebig. Für den Verleger aus Bergisch Gladbach bei Köln ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. „Ich bin jetzt ein 100-Prozenter“, freut sich der 49-Jährige. Sprich: Er besitzt die Verlagsgruppe Lübbe ganz allein. Seine Schwester Cornelia Lübbe-Roggen gab sich im jahrelangen Machtkampf um den größten Buchverlag Nordrhein-Westfalens geschlagen: Sie verkaufte ihren Anteil von 40 Prozent an ihren Bruder.

„Das Verhältnis ist kaputt“, sagt Stefan Lübbe über die Beziehung zu seiner fünf Jahre jüngeren Schwester. Kurz vor Weihnachten wurden die Verträge beim Notar unterzeichnet. Wie viele Millionen er selbst, Spitzname „Rambo“, seiner Schwester für die vollständige Kontrolle des Verlages mit zuletzt 75 Millionen Euro Umsatz überweist, ist unklar. Beide haben darüber Stillschweigen vereinbart.

Mit dem Rückzug von Cornelia Lübbe-Roggen ist ein jahrelanger Kleinkrieg beendet. Als der legendäre Verlagsgründer Gustav Lübbe 1995 starb, erbten seine beiden Kinder, Cornelia und Stefan, jeweils 40 Prozent. Die restlichen 20 Prozent hielt Gustav Lübbes Ehefrau Birgit.

Doch die Umsetzung des Erbes erwies sich als schwieriges, am Ende gar unmögliches Unterfangen. Mutter Birgit entschied den Konflikt zu Gunsten ihres Sohnes Stefan: Bereits 2001 übergab sie elf Prozent der Anteile an ihn. Ein Jahr später überschrieb sie ihm weitere neun Prozent. Daraufhin gab Peter Roggen, Ehemann von Cornelia Lübbe-Roggen, seine Position als Geschäftsführer bei der 1953 gründeten Verlagsgruppe auf. Die wirtschaftliche Situation war damals prekär. „Vor fünf Jahren waren wir kurz vor dem Antrag auf Insolvenz“, erinnert sich der Verleger heute.

Lübbe baute das Familienunternehmen komplett um. Zusammen mit seinem Vertrauten, dem früheren Kirch-Manager Karlheinz Jungbeck, hat er die Kosten drastisch gesenkt. Die Zahl der Mitarbeiter schrumpfte um mehr als die Hälfte auf knapp 200 Angestellte.

Die Zeiten, als der Verlag mit billigen Romanheften am Kiosk das große Geld verdiente, sind schon lange, sehr lange vorbei. Heute hat sich das Haus als Bestseller-Lieferant im Markt etabliert.

Im vergangenen Jahr landeten die Rheinländer mit „Sakrileg“ von Dan Brown den Jahresbeststeller unter den Taschenbuch-Romanen. Für dieses Geschäftsjahr erwartet der kreative Buchliebhaber ein leichtes Plus. Er sieht sich als Chief Creative Officer. „Stefan Lübbe ist neugierig und aufgeschlossen“, lobte bereits der frühere Börsenvereins-Chef Dieter Schormann. Einen neuen Dan Brown zu finden wird aber wohl nicht einfach.

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