Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.03.2006

08:00 Uhr

Machtkampf um Degussa

Die Chemie stimmt nicht

VonSiegfried Grass und Markus Hennes

Im Machtkampf um Degussa hat Vorstandschef Utz-Hellmuth Felcht resigniert. Sein Verhältnis zum Aufsichtsratsvorsitzenden und RAG-Chef Werner Müller ist zerrüttet. Die Suche nach einem Nachfolger hat begonnen.

Degussa-Chef Utz-Hellmuth Felcht wird den Spezialchemie-Konzern verlassen. Foto: dpa

Degussa-Chef Utz-Hellmuth Felcht wird den Spezialchemie-Konzern verlassen. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Wenn die Chemie zwischen zwei selbstbewussten Managern nicht stimmt, dann zeigt sich das auch in Kleinigkeiten. So berichten Teilnehmer über ungewöhnliche Verrenkungen auf Vorstandssitzungen der Essener RAG. Konzernchef Werner Müller und Utz-Hellmuth Felcht, Boss der RAG-Tochter Degussa, rauchen beide gern und bevorzugen dieselbe Zigarillo-Marke: Petit Nobel. Nur: Müller schmecken die Dominicans im gelben Karton am besten, Felcht hingegen die grünen Sumatras.

Ob Zufall oder nicht: Auf dem großen ovalen Konferenztisch vor den beiden Herren lagen bis jetzt immer die falschen Zigarillos. Vor Müller die grünen und vor Felcht die gelben. Deshalb mussten sich beide notgedrungen halb über den Tisch legen, um an die richtigen Glimmstängel zu kommen. Dass der eine dem anderen half, kam nicht in Frage.

Müller und Felcht, das ist wie Feuer und Wasser. Müller, der promovierte Sprachwissenschaftler und ehemalige Bundeswirtschaftsminister, ist jemand, der niemals brachial vorgeht und es versteht, Menschen für sich einzunehmen. Chemiker Felcht hingegen gilt als eckiger und spröder Typ, der aber gleichwohl weiß, was er will und welcher Weg ihn am schnellsten dorthin führt. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es zum Bruch kommen würde.

Am 29. Mai werden sich die Wege von Müller und Felcht trennen. Nach der außerordentlichen Hauptversammlung der Degussa scheidet Felcht, 59, vorzeitig aus dem Amt aus, heißt es in Aufsichtsratskreisen. Sein Vertrag wäre noch bis 2008 gelaufen. Offiziell gibt sich die RAG zugeknöpft: „Personalspekulationen kommentieren wir nicht.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×