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19.09.2015

10:17 Uhr

Magere Zwischenbilanz

Auf der Suche nach den Middelhoff-Millionen

Insolvenzverwalter Fuest sucht nach dem Vermögen von Ex-Arcandor-Chef Middelhof. Nach drei Monaten hatte er 600 Euro zusammen. Inzwischen ist es zwar deutlich mehr geworden. Aber immer noch nicht genug.

Thomas Middelhoff, der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Arcandor: „Die liquide Insolvenzmasse beläuft sich derzeit auf wenige hunderttausend Euro.“ dpa

Millionenforderungen

Thomas Middelhoff, der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Arcandor: „Die liquide Insolvenzmasse beläuft sich derzeit auf wenige hunderttausend Euro.“

BielefeldSeit Monaten sucht Insolvenzverwalter Thorsten Fuest nach den Resten des Vermögens von Thomas Middelhoff. Nun will Fuest am Montag in Bielefeld eine Zwischenbilanz vorlegen. Es geht darum, was geblieben ist vom Reich des einstigen Star-Managers, aber auf der anderen Seite auch darum, welche der oft millionenschweren Forderungen seiner Gläubiger tatsächlich berechtigt sind.

Früher hat Thomas Middelhoff selbst Millionen verdient: Erst als Bertelsmann-Vorstandsvorsitzender, dann als Investmentbanker und letztendlich als Chef des schließlich Pleite gegangenen Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor. Doch diese Zeiten sind vorbei. Ende März musste der ehemalige Top-Manager Privatinsolvenz anmelden.

„Das Verfahren ist mit allen Zutaten versehen, die eine hohe Komplexität erwarten lassen“, hatte Fuest bereits vorsorglich nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens betont. Er erwarte eine „äußerst aufwendige Ermittlungsarbeit“.

Die Suche nach den Middelhoff-Millionen ist tatsächlich ebenso langwierig wie mühsam. Fuest hatte dazu angekündigt, die Zahlungsflüsse bis zurück zum Jahr 2009 unter die Lupe nehmen zu wollen.

Der Middelhoff-Prozess von A bis Z Teil I

A wie Arcandor

Die Pleite des Arcandor-Konzerns (Karstadt, Quelle, Thomas Cook) im Jahr 2009 war einer der spektakulärsten Firmenzusammenbrüche der Nachkriegszeit. Thomas Middelhoff leitete das Unternehmen bis wenige Monate vor dessen Ende. Im Essener Prozess ging es aber nicht um die Pleite selbst, sondern „nur“ um den Verdacht, dass der Manager Arcandor Kosten in Höhe von 1,1 Millionen Euro zu Unrecht in Rechnung gestellt haben soll - vor allem für teure Flüge in Privatjets. Middelhoff weist diese Vorwürfe entschieden zurück.

B wie Bombendrohung

Auslöser für die umfangreiche Nutzung von Privatjets war Middelhoff zufolge eine Bombendrohung gegen ein Linienflugzeug, in dem er gesessen hatte. Danach sei er aus Sicherheitsgründen auf Charterjets umgestiegen. Insgesamt nutzte Middelhoff in seiner Zeit bei Arcandor nach eigenen Angaben 610 Mal Privatjets. Er selbst habe 210 Flüge bezahlt, die übrigen 400 seien Arcandor in Rechnung gestellt worden. Im Prozess geht es allerdings nur um 48 dieser Flüge, bei denen die Staatsanwaltschaft die dienstliche Veranlassung bezweifelt. Deren Gesamtkosten beziffert die Anklage auf 945 000 Euro.

C wie Cornelie

Thomas Middelhoffs sonst eher öffentlichkeitsscheue Ehefrau Cornelie erinnerte sich als Zeugin im Essener Prozess vor allem an die hohe Arbeitsbelastung ihres Mannes in der Arcandor-Zeit: „Er hat eigentlich immer gearbeitet, immer, immer.“

D wie Dauerstau

Dauerstau auf dem Weg zur Arbeit ist für viele Pendler ein Ärgernis - nicht aber für Middelhoff. Als eine Baustelle am Kamener Kreuz die Fahrt zwischen seinem Wohnsitz in Bielefeld und der Konzernzentrale in Essen zur stundenlangen Quälerei machte, stieg er auf Hubschrauber um. Die Rechnung ging an Arcandor. Zu Recht, findet Middelhoff: Er habe so nämlich effizienter arbeiten können. Zu Unrecht, findet die Anklage: Die Kosten für den Arbeitsweg seien Sache des Arbeitnehmers.

F wie Festschrift

Ein weiterer Vorwurf der Anklage: 180 000 Euro habe Arcandor auf Veranlassung Middelhoffs für eine Festschrift zu Ehren des ehemaligen Bertelsmann-Chefs Mark Wössner spendiert. Für die Staatsanwaltschaft ist das Buch ein „persönliches Geschenk“ Middelhoffs an seinen früheren Mentor. Der Manager hätte demnach für das teure Präsent selbst zahlen müssen. Nach Middelhoffs Worten diente die Festschrift dagegen der Verbesserung des Arcandor-Images und der Netzwerkpflege.

G wie Gerichtsvollzieher

Für Middelhoff wurden nach eigener Aussage vor allem die Besuche der Gerichtsvollzieher im Gerichtssaal zur Belastung. Sie nutzten die Gelegenheit, um den im südfranzösischen Saint-Tropez lebenden Manager mit Millionenforderungen seiner Gläubiger zu konfrontieren. In einem Fall pfändete ein Gerichtsvollzieher sogar eine wertvolle Armbanduhr. Die Pfändungsversuche seien demütigend, sagte Middelhoff selbst am Rande des Verfahrens: „Das ist wie ein apokalyptischer Traum.“

H wie Haftbefehl

Zeitweise wurde das Verfahren in Essen von einem drohenden Haftbefehl gegen Middelhoff überschattet. Eine Gerichtsvollzieherin hatte diesen laut einem „Spiegel“-Bericht beantragt, um den Manager im Zusammenhang mit Zahlungsforderungen des Arcandor-Insolvenzverwalters zur Offenlegung seiner Vermögensverhältnisse zu zwingen. Das Thema erledigte sich nach Angaben der Middelhoff-Anwälte aber von selbst, als dessen Managerversicherung eine Haftungsgarantie für 3,4 Millionen Euro übernahm.

„Eine meiner Kernaufgaben besteht darin, Vermögenstransaktionen rückabzuwickeln, die im Vorfeld der Insolvenz in anfechtbarer Weise stattgefunden haben“, berichtete er. „Ich führe alle Verhandlungen konsensorientiert. Wie lange das dauert, ist nicht seriös zu beurteilen, das wäre ein Blick in die Glaskugel“.

Eine erste Zwischenbilanz des Insolvenzverwalters zum aktuellen Kontostand nach drei Monaten war Anfang Juli noch ziemlich mager ausgefallen: „Rund 600 Euro“ habe er bislang auf dem eigens eingerichteten Treuhandkonto zusammengetragen, rechnete Fuest damals vor.

Das Konto hat sich mittlerweile etwas angefüllt. „Die liquide Insolvenzmasse beläuft sich derzeit auf wenige hunderttausend Euro“, berichtete Fuest. Noch auf der Liste des Insolvenzverwalters steht die vorwiegend zu Büro- und Repräsentationszwecken genutzte sogenannte Oetker-Villa, die im Einvernehmen mit einer Gläubigerbank demnächst vermarktet werden soll. Das eigentliche Wohnhaus sei dagegen nicht betroffen. „Seine Gläubiger haben große Teile des Middelhoff-Vermögens im Vorfeld der Insolvenz mit vollstreckungsrechtlichen Maßnahmen gesichert“, so Fuest.

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