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12.03.2012

10:40 Uhr

Management

Kräftiges Gehaltsplus für Führungskräfte

VonGero Brandenburg

An der Spitze der Gehaltspyramide stehen Dax-Vorstände mit ihren Millionengehältern. Doch auch andere Arbeitnehmer dürften 2012 höhere Einkommen beziehen. Wie viel das sein könnte, erklärt Gehaltsexperte Tim Böger.

Gute Aussichten für Führungskräfte: 7,6 Prozent mehr Gehalt gibt es durchschnittlich in diesem Jahr. dpa-tmn

Gute Aussichten für Führungskräfte: 7,6 Prozent mehr Gehalt gibt es durchschnittlich in diesem Jahr.

Herr Böger, Sie beobachten die Entwicklung der Gehälter in Deutschland seit vielen Jahren. Wie sieht Ihre Prognose für 2012 aus?

Wir gehen von Zuwächsen aus, die aber sehr unterschiedlich ausfallen. Bei Führungskräften, also angestellten Managern mit disziplinarischer Verantwortung, sehen wir inklusive aller Zusatzzahlungen (Total Cash) ein Plus von durchschnittlich 7,6 Prozent, bei den akademischen Spezialisten 1,8 Prozent mehr und bei nicht-akademischen Fachkräften eine Steigerung von 2,5 Prozent.

Was ist, wenn sich die Konjunktur weiter abschwächt?

In unserer Studie zur Gehaltsentwicklung aus dem Oktober 2011haben wir bereits eine weltweite Konjunkturabschwächung zugrunde gelegt. Für Deutschland gingen wir auf das ganze Jahr gesehen  noch von einem Nullwachstum aus , die Chancen auf ein höheres Wachstum sehen heute schon besser aus.Löhne und Gehälter folgen der Konjunktur aber immer mit einer zeitlichen Verzögerung. Deshalb sind im ersten Halbjahr  sehr sicher noch kräftige Gehältszuwächse zu erwarten,  aber auch im zweiten Halbjahr  kann es  noch weiter bergauf gehen  - je nach realisiertem BIP-Wachstum.

Wie viel Jahresgehalt kann eine Führungskraft denn konkret erwarten?

Das ist natürlich abhängig von verschiedenen Faktoren wie Berufserfahrung, Branche und Region. Unsere Ergebnisse basieren auf der Auswertung unserer Datenbank mit 1,5 Millionen Gehaltsdaten der letzten zwölf Jahre und ganz aktueller Zahlen. Danach verdient eine Führungskraft im laufenden Jahr durchschnittlich 92.300 Euro, 2011 waren es 85.800 Euro jährlich - also ein Plus von 7,6 Prozent. Der Spezialist verdiente 2011 noch 53.937 Euro, im laufenden Jahr werden es durchschnittlich 54.908 Euro sein (plus 1,8 Prozent). Die Fachkräfte kamen zuletzt auf 36.570 Euro und und in diesem Jahr auf 37.480 Euro (plus 2,5 Prozent).

Sie sprechen es selber an: Wie sehr bestimmen Faktoren wie Firmengröße, Branche, (Studien-)abschluss und Region das Gehalt?

Besonders deutlich ist es bei der Firmengröße, wo es für zumindest ähnliche Jobs in den großen Konzernen mit über 20.000 Mitarbeitern schon mal das Doppelte gibt – im Vergleich zu einem 10 Mann-Betrieb vergleicht. Natürlich können die Jobs nicht genau gleich sein, weil der Mitarbeiter im Konzern ganz andere Rahmenbedingungen (Reportings, Berichtslinien etc.) beachten muss und der Mitarbeiter im Kleinunternehmen eher denken und arbeiten kann, wie er es zur jeweiligen Situation für richtig hält. Allerdings: mehr fachliches Wissen und Know-how muss der Konzernmitarbeiter nicht unbedingt haben für das doppelte Geld.

Bei den Führungskräften fällt das Plus am deutlichsten aus. Wieso?

Der Fairness halber muss man etwas weiter zurückblicken. In der Folge der Wirtschaftskrise 2009/2010 sind die Total-Cash-Gehälter der Führungskräfte stark eingebrochen, um 9 Prozent durchschnittlich. Bei den Spezialisten hingegen gab es  kaum Einbußen, bei den Fachkräften waren es nur 1,2 Prozent. Das Gehalt von Führungskräften reagiert mit seinen varibalen Bezügen viel stärker auf konjunkturelle Schwankungen. Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers ging es deshalb auch mal in die andere Richtung. Im Grunde werden derzeit die Einbußen nach 2009 wieder wettgemacht.

Die Einkommensschere hat sich dennoch vergrößert.

Das stimmt. Der aktuelle hohe Zuwachs hat zwar einen besonderen Grund, das darf aber generell nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass wir über die letzten zehn Jahre hinweg einen großen Unterschied bei den Gehaltsentwicklungen zwischen Führungskräften, den Spezialisten und Fachkräften hatten. Auch wenn man die Wirtschaftskrise 2009/2010 berücksichtigt, haben die Gehälter der Führungskräfte mit der Konjunktur weitgehend Schritt gehalten. Das Wirtschaftswachstum lag von 2000 bis 2011 bei circa 13 Prozent, entsprechend war es bei den Gehältern. Und zwar inflationsbereinigt. In derselben Zeit zum Beispiel sind die Gehälter der Fachkräfte durchschnittlich um zehn Prozent runtergerauscht.

Die Lohnzurückhaltung hat Deutschland aber auch wettbewerbsfähiger gemacht.

Ja. In den vergangenen zwölf Jahren haben wir erlebt, was es zuvor in der Bundesrepublik nicht gab. Nämlich, dass Gehälter wieder fallen können. Seit 1999 gibt es einen mörderischen Konkurrenzkampf auf den Märkten, angeheizt durch Internet und Globalisierung, den wir früher gar nicht kannten. Die Unternehmen gerieten unter Druck, mussten überleben. Die Lohnzurückhaltung hat die Produktivität pro Euro gesteigert, deutsche Unternehmen sind deutlich wettbewerbsfähiger geworden.

Die Früchte des Erfolgs ernten aber nur die Führungskräfte?

Ich würde sagen, die Führungskräfte werden angemessen beteiligt und die Früchte ernten die Eigentümer. Spezialisten und Fachkräfte haben in punkto Gehalt zu wenig davon profitiert.

Ist dieser Trend umkehrbar?

Die Gewerkschaften haben sich ja für die diesjährige Gehaltsrunde auf die Fahnen geschrieben, zumindest einen Teil des Lohns zu holen. Aber eines ist klar: Nicht alle Unternehmen sind über einen Kamm zu scheren und auch der öffentliche Dienst hat ja nur bedingt gefüllte Kassen für große Lohnsteigerungen. 

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