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14.03.2012

10:58 Uhr

Management

Kräftiges Gehaltsplus für Führungskräfte

VonGero Brandenburg

An der Spitze der Gehaltspyramide stehen Dax-Vorstände mit ihren Millionengehältern. Doch auch andere Arbeitnehmer dürften 2012 höhere Einkommen beziehen. Wie viel das sein könnte, erklärt Gehaltsexperte Tim Böger.

Gute Aussichten für Führungskräfte: 7,6 Prozent mehr Gehalt gibt es durchschnittlich in diesem Jahr. dpa-tmn

Gute Aussichten für Führungskräfte: 7,6 Prozent mehr Gehalt gibt es durchschnittlich in diesem Jahr.

Herr Böger, Sie beobachten die Entwicklung der Gehälter in Deutschland seit vielen Jahren. Wie sieht Ihre Prognose für 2012 aus?

Wir gehen von Zuwächsen aus, die aber sehr unterschiedlich ausfallen. Bei Führungskräften, also angestellten Managern mit disziplinarischer Verantwortung, sehen wir inklusive aller Zusatzzahlungen (Total Cash) ein Plus von durchschnittlich 7,6 Prozent, bei den akademischen Spezialisten 1,8 Prozent mehr und bei nicht-akademischen Fachkräften eine Steigerung von 2,5 Prozent.

Was ist, wenn sich die Konjunktur weiter abschwächt?

In unserer Studie zur Gehaltsentwicklung aus dem Oktober 2011haben wir bereits eine weltweite Konjunkturabschwächung zugrunde gelegt. Für Deutschland gingen wir auf das ganze Jahr gesehen noch von einem Nullwachstum aus, die Chancen auf ein höheres Wachstum sehen heute schon besser aus. Löhne und Gehälter folgen der Konjunktur aber immer mit einer zeitlichen Verzögerung. Deshalb sind im ersten Halbjahr  sehr sicher noch kräftige Gehaltszuwächse zu erwarten,  aber auch im zweiten Halbjahr  kann es  noch weiter bergauf gehen  - je nach realisiertem BIP-Wachstum.

Wie viel Jahresgehalt kann eine Führungskraft denn konkret erwarten?

Das ist natürlich abhängig von verschiedenen Faktoren wie Berufserfahrung, Branche und Region. Unsere Ergebnisse basieren auf der Auswertung unserer Datenbank mit 1,5 Millionen Gehaltsdaten der letzten zwölf Jahre und ganz aktueller Zahlen. Danach verdient eine Führungskraft im laufenden Jahr durchschnittlich 92.300 Euro, 2011 waren es 85.800 Euro jährlich - also ein Plus von 7,6 Prozent. Der Spezialist verdiente 2011 noch 53.937 Euro, im laufenden Jahr werden es durchschnittlich 54.908 Euro sein (plus 1,8 Prozent). Die Fachkräfte kamen zuletzt auf 36.570 Euro und werden 2012 voraussichtlich 37.480 Euro (plus 2,5 Prozent) erhalten.

Wie sehr bestimmen Faktoren wie Firmengröße und Region das Gehalt?

Besonders deutlich ist es bei der Firmengröße, wo es für zumindest ähnliche Jobs bei großen Konzernen mit über 20.000 Mitarbeitern schon mal das Doppelte gibt – im Vergleich zu einem 10-Mann-Betrieb. Natürlich können die Jobs nicht genau gleich sein, weil der Mitarbeiter im Konzern ganz andere Rahmenbedingungen (Reportings, Berichtslinien etc.) beachten muss und der Mitarbeiter im Kleinunternehmen eher denken und arbeiten kann, wie er es in der jeweiligen Situation für richtig hält. Allerdings muss der Konzernmitarbeiter nicht unbedingt mehr fachliches Wissen und Know-how haben für das doppelte Geld. 

Besonders deutlich werden die Gehaltsunterschiede auch, wenn der Mitarbeiter im Kleinbetrieb in einer Region mit deutlich unterdurchschnittlichem Gehaltsniveau arbeitet, etwa in Cottbus oder Frankfurt an der Oder und noch dazu in einer Branche, die nicht die höchsten Gehälter zahlt. So kommt ein E-Technikingenieur in einem Ingenieurbüro in Cottbus auf 31.000 Euro. Der Kollege im Konzern in München erhält 62.000 Euro. Bei Führungskräften sind die Unterschiede übrigens deutlich geringer, weil es häufiger vorkommt, dass die gewünschte Führungskraft am sonst regional benachteiligten Ort nicht zu finden ist. Dann muss ein Aufschlag auf das ortsübliche Gehaltsniveau angeboten werden, um die Stelle besetzen zu können.

Tipps für die Gehaltsverhandlung

Argumente, die beim Chef wirken

Gute Karten hat, wer nachweisen kann, dass er seit dem letzten Gehaltsgespräch mehr Verantwortung im Unternehmen übernommen, Fortbildungen besucht oder der Firma zusätzliche Einnahmen gebracht hat. Am besten, Sie legen vorher eine Leistungsmappe an. Schreiben Sie sich detailliert auf, was Sie geleistet haben und nehmen die Liste mit ins Gespräch beim Chef. So haben Sie alle Argumente vor sich auf dem Blatt Papier und können sich an dem Leitfaden entlang arbeiten. Und auch Ihr Chef hat etwas in der Hand, wenn er Ihre Ansprüche seinem eigenen Vorgesetzten darlegen muss.

Gute Vorbereitung

Man bereitet sich über einen längeren Zeitraum vor. Man könnte auch sagen: Vor der Gehaltsverhandlung ist nach der Gehaltsverhandlung. Direkt nach einem Gespräch sollte man die persönliche Leistung wieder weiter ausbauen und das auch schriftlich festhalten. Nur rhetorisch lassen sich Gehaltsverhandlungen in der heutigen Zeit kaum mehr gewinnen. Sie brauchen ein solides Fundament an Leistungen.

Die richtige Taktik im Gespräch

Gehen Sie vor, wie in der Werbung. Da wird auch erst gezeigt, wie gut das Waschmittel reinigt. Gezahlt wird später an der Kasse. Sagen Sie dem Chef im Vorfeld, dass Sie mit ihm über ihre Perspektiven in der Firma reden wollen. Führen Sie dann im Gespräch zunächst ihre Vorzüge auf, zeigen Sie, was Sie der Firma Gutes getan haben und wie Sie ihren Chef in seinen Zielen vorangebracht haben. Erst wenn Sie sich, also das Produkt, vorgestellt haben, sollten Sie auf das Gehalt zu sprechen kommen. Seien Sie aber sparsam mit den Worten „Gehalt“ oder „Gehaltsforderung“. Auf manchen Chef wirkt das wie ein rotes Tuch.

Gehälter mit Kollegen abstimmen?

Was halten Sie davon, sich vorab mit anderen Kollegen abzustimmen? Karriere-Coach Martin Wehrle hat dazu eine klare Meinung: „Das halte ich für sehr schlecht. Firmen hassen es, wenn Mitarbeiter sich über Gehälter austauschen. In vielen Arbeitsverträgen steht auch, dass das Gehalt vertraulich zu behandeln ist. Wenn der Chef solche Gespräche mitbekommt, wittert er oft revolutionäre Umtriebe unter den Arbeitnehmern und er macht die Luken dicht.“

Todsünden im Gespräch

Was sollte ich in der Verhandlung unbedingt vermeiden? Karriere-Coach Martin Wehrle sagt: „Eine Todsünde ist es, mehr Gehalt zu fordern und das mit dem Einkommen eines Kollegen zu begründen. Das ist keine Aussage über die eigene Leistung und weist - aus der Sicht des Chefs - auf eine Indiskretion hin. Das bringt den Chef gegen mich auf und ich will ihn ja für mich einnehmen. Auch der Hinweis auf gestiegene Benzinpreise und die Kosten für das Eigenheim verbieten sich. Der Chef denkt dann, dass man mit Geld privat nicht umgehen kann und die Firma jetzt dafür einspringen soll. Sie sollten den Vorgesetzten auch nicht plötzlich mit der Forderung überfallen, etwa im Treppenhaus oder wenn man beim Bier zusammensitzt. Für ein solches Gespräch muss man einen Termin vereinbaren.“

Quelle: karriere.de

Bei den Führungskräften fällt das von Ihnen prognostizierte Gehaltsplus wieder am deutlichsten aus. Wieso?

Der Fairness halber muss man etwas weiter zurückblicken. In der Folge der Wirtschaftskrise 2009/2010 sind die Total-Cash-Gehälter der Führungskräfte stark eingebrochen, um 9 Prozent durchschnittlich. Bei den Spezialisten hingegen gab es kaum Einbußen, bei den Fachkräften waren es nur 1,2 Prozent. Das Gehalt von Führungskräften reagiert mit seinen variablen Bezügen viel stärker auf konjunkturelle Schwankungen. Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers ging es deshalb auch mal in die andere Richtung. Im Grunde werden derzeit die Einbußen nach 2009 wieder wettgemacht.

Die Einkommensschere hat sich dennoch vergrößert.

Das stimmt. Der aktuelle hohe Zuwachs hat zwar einen besonderen Grund, das darf aber generell nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass wir über die letzten zehn Jahre hinweg einen großen Unterschied bei den Gehaltsentwicklungen zwischen Führungskräften, den Spezialisten und Fachkräften hatten. Auch wenn man die Wirtschaftskrise 2009/2010 berücksichtigt, haben die Gehälter der Führungskräfte mit der Konjunktur weitgehend Schritt gehalten. Das Wirtschaftswachstum lag von 2000 bis 2011 bei circa 13 Prozent, entsprechend war es bei den Gehältern. Und zwar inflationsbereinigt. In derselben Zeit zum Beispiel sind die Gehälter der Fachkräfte durchschnittlich um zehn Prozent runtergerauscht.

Die Lohnzurückhaltung hat Deutschland aber auch wettbewerbsfähiger gemacht.

Ja. In den vergangenen zwölf Jahren haben wir erlebt, was es zuvor in der Bundesrepublik nicht gab. Nämlich, dass Gehälter wieder fallen können. Seit 1999 gibt es einen mörderischen Konkurrenzkampf auf den Märkten, angeheizt durch Internet und Globalisierung, den wir früher gar nicht kannten. Die Unternehmen gerieten unter Druck, mussten überleben. Die Lohnzurückhaltung hat die Produktivität pro Euro gesteigert, deutsche Unternehmen sind deutlich wettbewerbsfähiger geworden.

Tim Böger ist Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Vergütungsberatung Personalmarkt.

Tim Böger ist Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Vergütungsberatung Personalmarkt.

Die Früchte des Erfolgs ernten aber nur die Führungskräfte?

Ich würde sagen, die Führungskräfte werden angemessen beteiligt und die Früchte ernten die Eigentümer. Spezialisten und Fachkräfte haben in punkto Gehalt zu wenig davon profitiert.

Ist dieser Trend umkehrbar?

Die Gewerkschaften haben sich ja für die diesjährige Gehaltsrunde auf die Fahnen geschrieben, zumindest einen Teil des Lohns zurückzuholen. Aber eines ist klar: Nicht alle Unternehmen sind über einen Kamm zu scheren und auch der öffentliche Dienst hat nur bedingt gefüllte Kassen für große Lohnsteigerungen. 

Kommentare (1)

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aruba

14.03.2012, 11:19 Uhr

Guten Tag,... Was in drei Teufels Namen ist ein " Gehaltsexperte. Fassen Sie sich mal an die Birne. Besten Dank

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