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18.02.2013

15:20 Uhr

Management-Legende

Metro-Mitgründer Otto Beisheim ist tot

Milliardär und Metro-Mitgründer Otto Beisheim ist tot in seinem Haus in Rottach-Egern am Tegernsee aufgefunden worden. Der 89-Jährige hatte an einer unheilbaren Krankheit gelitten – an der er aber nicht gestorben ist.

Metro-Gründer Otto Beisheim. dpa

Metro-Gründer Otto Beisheim.

DüsseldorfDer Mitbegründer des größten deutschen Handelskonzerns sei am Montagmorgen leblos entdeckt worden, teilte die Agentur Brunswick als Vertreter des Familienbüros der Otto Beisheim Gruppe mit. „Er litt an einer nicht heilbaren Krankheit und ist aufgrund der Hoffnungslosigkeit seiner gesundheitlichen Lage aus dem Leben geschieden“, hieß es in der Pressemitteilung vielsagend. Zuvor hatte die Bild-Zeitung von einem Selbstmord Beisheims berichtet.

Beisheim hielt zuletzt noch zehn Prozent an der Metro. Seinen Anteil hatte er im Oktober 2009 von 18,5 Prozent reduziert. Zum Metro-Konzern gehören unter anderem die Supermarktkette Real, die Elektronikmärkte Media Markt und Saturn sowie die Kaufhauskette Galeria Kaufhof. Beisheims Beteiligung an der Metro-Gruppe belief sich zuletzt auf knapp zehn Prozent.

Das Leben von Otto Beisheim

Sohn eines Gutsverwalters

Otto Beisheim wird am 3. Jan. 1924 als Sohn eines Gutsverwalters in Vossnacken bei Essen geboren.

(Quelle: Munziger.de)

Ausbildung und Waffen-SS

Er galt als ausgesprochen guter Schüler, doch fehlten der Familie die Mittel für den Besuch eines Gymnasiums. Wie die Beisheim-Stiftung 2006 bekannt gab, gehörte er während des Krieges als Gefreiter einer Division der Waffen-SS an. Danach war Beisheim in britischer Kriegsgefangenschaft. Nähere Angaben machte er nicht. Seine kaufmännische Ausbildung absolvierte er in der Lederindustrie.

Das Prinzip Cash & Carry

Um 1960 lernte Beisheim in den USA den Großhandel nach dem Prinzip Cash-and-Carry (C&C) kennen, eine Handelsform, bei der Einzelhändler ihre Waren nicht mehr per Rechnung geliefert bekommen, sondern selbst abholen und sofort bezahlen.

Der erste Metro-C&C-Markt

1964 machte Beisheim sich selbstständig und gründete in Mülheim/Ruhr unter der Marke Metro den ersten deutschen C&C-Markt. Das Konzept erwies sich als eine der wenigen Innovationen im Großhandel und eröffnete dem Pionier enorme Chancen, zumal er sich als glänzender Organisator erwies. Er konzipierte seine Märkte so, dass diese auf über 10.000 qm Verkaufsfläche - getrennt in Lebensmittel- und Non-Food-Bereich - bei Öffnungszeiten bis 21 Uhr ein Sortiment für unterschiedliche Wiederverkäufer anboten.

Expansion

1971 expandierte die Metro Zweitmarke Makro nach Frankreich und Österreich sowie später nach Dänemark und Italien. 1970 erzielte Metro Umsätze von rund 1 Mrd. DM, 1975 von 3 Mrd. DM.

Führungsstil

Kennzeichnend für Beisheims Führungsstil wurde, dass er sich kaum in das operative Geschäft seiner Tochter- und Beteiligungsfirmen einmischte und den Direktoren weitgehend freie Hand ließ. 1985 setzten 68 Metro- und 34 Makro-Märkte 18 Mrd. DM um.

Internet-Aktivitäten

Als weniger erfolgreich hatten sich Beisheims Internet-Aktivitäten erwiesen. So hatte er über Metro-Tochterfirmen ab 1995 diverse Online-Projekte zur Verbesserung von Logistik und Vertrieb lanciert und auch an Vertriebsformen über das Internet gearbeitet. Diese Aktivitäten bündelte Beisheim 2000 in der Metro Online AG. Allerdings gab Körber 2002 das Online-Endkundengeschäft mit Verkauf der Primus-Online auf.

Die Pelikan AG

Beisheim selbst hatte sich seit den 80er Jahren weitere unternehmerische Ziele über die Metro hinaus gesteckt. Basis hierfür bildete die Beisheim Holding GmbH. So erwarb diese 1983 die Mehrheit am existenziell bedrohten Büro- und Schreibmaschinenhersteller Pelikan AG. Nach der Sanierung folgte 1986 ein Teilbörsengang, und nach dem Verkauf des Hardcopy-Geschäfts gab Beisheim 1996 die verbliebenen 70 % an der Pelikan Holding für 80 Mio. sfr an die malaiische Goodace Sdn Bhd. ab.

Leo Kirch

Den mit ihm gut bekannten Medienunternehmer Leo Kirch befreite er 1990 aus finanzieller Bedrängnis, indem er über die Metro-Tochter Medien-Handels AG 2.500 Filme erwarb, die er an andere TV-Sender weiterverkaufte. Beisheim unterstützte Kirch 1991 auch, als dieser über seine Privat-Fernseh-Gruppe Pro Sieben den Sender Kabel 1 gründete. Beisheim hielt an Kabel 1 anfangs 45 % und gab diese Anteile nach Stabilisierung des Senders an Pro Sieben ab.

Vermögen

1999 bezifferte Forbes Beisheim Vermögen auf umgerechnet 6,8 Mrd. US-Dollar, laut Manager Magazin waren es 2006 rund 3,4 Mrd. Euro. Das Privatvermögen Beisheims ist für Stiftungen bestimmt. Seit den 80er Jahren trat Beisheim häufig als Mäzen hervor. So erhöhte er 1993 das Stiftungskapital der privaten Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) bei Koblenz um 50 Mio. DM, weshalb diese den Zweitnamen Otto Beisheim School of Management annahm.

Soziales Engagement

Zudem finanzierte er neben Universitätsorchestern und Golfclubs insbesondere im Raum seines Zweitwohnsitzes am Tegernsee Kindergärten, Schulprojekte und Spielplätze. Allerdings zerschlugen sich dort auch einige ehrgeizige kulturelle und sportliche Projekte. Für Aufsehen sorgte 2006, dass Beisheim die Stiftung für ein Gymnasium zurückzog. Hintergrund bildete Kritik, die an der Schule hinsichtlich einer Umbenennung und hinsichtlich der Rolle Beisheims vor 1945 laut geworden war.

Auszeichnungen

Auszeichnungen: Ehrendoktor der Technischen Universität Dresden (93), Bundesverdienstkreuz (94), Bayerischer Verdienstorden (00), Ehrensenator der WHU (04), Ehrenbürger des Tegernseer Tals. Für den von Beisheim geführten Titel Professor ist die verleihende Hochschule nicht bekannt.

Familie

Beisheim und seine Frau Inge, die bis um 1970 die Schmuckabteilung der Düsseldorfer Metro geleitet hatte, waren fast 50 Jahre kinderlos verheiratet. Sie verstarb 1999. Beisheim unterhält Wohnsitze in Lugano, Paris, Rottach-Egern, in Kalifornien sowie in Baar und schätzt Rudern und Golfen. Beisheim, der 1988 Schweizer Staatsbürger wurde, war über Jahrzehnte öffentlich kaum bekannt und nahm oft unerkannt an den Hauptversammlungen seiner Firmen teil. Mit der Zahl der Stiftungen unter seinem Namen stieg seine Bekanntheit, auch wenn er die Medien weiter mied.

Beisheim war Mitgründer der Metro AG und hatte den Handel in Deutschland mit der Einführung des Cash & Carry-Konzepts im Jahre 1964 mit geprägt. Die Idee hatte er aus den USA mit nach Deutschland gebracht – die Einzelhändler erhalten dabei Waren nicht vom Großhändler geliefert, sondern holen sie selbst in den Filialen ab.

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

18.02.2013, 16:28 Uhr

Da muss man nicht traurig sein.
"Zwischen 1941 und 1945 war Beisheim SS-Scharführer und Angehöriger der Leibstandarte Adolf Hitler."

Jochen

18.02.2013, 16:37 Uhr

...also kein Komunist.

kraehendienst

18.02.2013, 16:44 Uhr

Hochinteressant..."Also kein Kommunist"...Vielleicht Marx lesen...Danke für die sehr interessante und wichtige Ergänzung!

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