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16.09.2016

07:19 Uhr

Management

Warum Chefs unangenehme Entscheidungen abwälzen

VonDaniel Rettig
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Eine neue Studie belegt, warum Menschen so gerne unangenehme Entscheidungen an andere weitergeben: Sie haben große Angst, etwas falsch zu machen – die Konsequenzen soll nämlich lieber jemand anderes tragen.

Menschen geben gerne Entscheidungen an andere weiter, weil Sie Angst haben, Fehler zu machen. Managern geht es genauso. Fotolia.com

Den Kopf in den Sand stecken

Menschen geben gerne Entscheidungen an andere weiter, weil Sie Angst haben, Fehler zu machen. Managern geht es genauso.

Macht kann ziemlich anstrengend sein. Etwa wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen. Einerseits schätzen Menschen zwar das Gefühl, überhaupt eine Auswahl treffen zu können. Dutzende von Studien konnten in der Vergangenheit zeigen: Droht man damit, ihnen die Wahlfreiheit zu entziehen, wehrt sich die Mehrheit vehement dagegen. Den meisten ist es nun mal lieber, die Hände am Lenkrad zu haben, als untätig auf der Rückbank zu sitzen – selbst wenn andere Insassen in Wahrheit besser fahren.

Andererseits wird es im Berufsalltag für Manager immer schwieriger, konsequent kluge Entscheidungen zu treffen. Digitalisierung und Globalisierung erhöhen die Komplexität und die Geschwindigkeit, die Corporate-Governance-Struktur führt zu Risikoaversion und Kontrollzwang.

Was gute Führung ausmacht

Flexibilität und Diversität

Laut einer Umfrage der "Initiative Neue Qualität der Arbeit" unter 400 Führungskräften sind Flexibilität und Diversität sind weitgehend akzeptierte Erfolgsfaktoren. Das Arbeiten in beweglichen Führungsstrukturen, mit individueller Zeiteinteilung und in wechselnden Teamkonstellationen ist aus Sicht der meisten Führungskräfte bereits auf einem guten Weg. Die Idee der Förderung von Unterschiedlichkeit ist demnach in den Unternehmen angekommen und wird umgesetzt. Die Beiträge zur Führungskultur gerade aus weiblichen Erfahrungswelten werden äußerst positiv bewertet.

Prozesskompetenz

Prozesskompetenz ist für alle das aktuell wichtigste Entwicklungsziel. 100 Prozent der interviewten Führungskräfte halten die Fähigkeit zur professionellen Gestaltung ergebnisoffener Prozesse für eine Schlüsselkompetenz. Angesichts instabiler Marktdynamik, abnehmender Vorhersagbarkeit und überraschender Hypes erscheint ein schrittweises Vortasten Erfolg versprechender als die Ausrichtung des Handelns an Planungen, deren Verfallsdatum ungewiss ist.

Netzwerke

Selbst organisierende Netzwerke sind das favorisierte Zukunftsmodell. Die meisten Führungskräfte sind sich sicher, dass die Organisation in Netzwerkstrukturen am besten geeignet ist, um die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt zu bewältigen. Mit der kollektiven Intelligenz selbst organisierender Netzwerke verbinden diese Führungskräfte die Hoffnung auf mehr kreative Impulse, höhere Innovationskraft, Beschleunigung der Prozesse und Verringerung von Komplexität.

Ende der Hierarchie

Hierarchisch steuerndem Management wird mehrheitlich eine Absage erteilt. Die meisten Führungskräfte stimmen darin überein, dass Steuerung und Regelung angesichts der Komplexität und Dynamik der zukünftigen Arbeitswelt nicht mehr angemessen sind. Zunehmende Volatilität und abnehmende Planbarkeit verringern die Tauglichkeit ergebnissichernder Managementwerkzeuge wie Zielemanagement und Controlling. Überwiegend wird die klassische Linienhierarchie klar abgelehnt und geradezu zum Gegenentwurf von „guter Führung“ stilisiert.

Kooperationsfähigkeit

Kooperationsfähigkeit hat Vorrang vor alleiniger Renditefixierung. Über die Hälfte der interviewten Führungskräfte geht davon aus, dass traditionelle Wettbewerbsstrategien die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit erreicht haben und das Prinzip Kooperation weiter an Bedeutung gewinnt. Nur noch 29,25 Prozent der Führungskräfte präferieren ein effizienzorientiertes und auf die Maximierung von Profiten ausgerichtetes Management als ihr persönliches Idealmodell von Führung.

Persönliches Coaching

Persönliches Coaching ist ein unverzichtbares Werkzeug für Führung. Mit dem Übergang zur Netzwerkorganisation schwindet der selbstverständliche Schonraum hierarchischer Strukturen. Die Durchsetzung eigener Vorstellungen über Anweisung werde immer schwieriger oder sei gar nicht mehr möglich. Mächtig ist nur, was auf Resonanz trifft. Einfühlungsvermögen und Einsichtsfähigkeit werden dadurch immer wichtiger. Alle Akteure, ob nun Führungskraft oder geführte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bräuchten im Unternehmen mehr Reflexion und intensive Entwicklungsbegleitung.

Selbstbestimmung und Wertschätzung

Motivation wird an Selbstbestimmung und Wertschätzung gekoppelt. Die Führungskräfte gehen davon aus, dass die motivierende Wirkung von Gehalt und anderen materiellen Anreizen tendenziell abnimmt. Persönliches Engagement wird mehr mit Wertschätzung, Entscheidungsfreiräumen und Eigenverantwortung assoziiert. Autonomie werde wichtiger als Statussymbole und der wahrgenommene Sinnzusammenhang einer Tätigkeit bestimme den Grad der Einsatzbereitschaft.

Soziale Verantwortung

Gesellschaftliche Themen rücken in den Fokus der Aufmerksamkeit. In der intuitiven Schwerpunktsetzung der Führungskräfte nimmt die Stakeholder-Perspektive des Ausgleichs der Ansprüche und Interessen von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen einen wachsenden Raum ein. Über 15 Prozent aller frei genannten Beschreibungen im Führungskontext beschäftigen sich mit Fragen der gesellschaftlichen Solidarität und der sozialen Verantwortung von Unternehmen.

Das Internet wiederum verschafft Führungskräften zwar Zugang zu einer Unmenge an Informationen. Doch anstatt aufgrund der besseren Datenlage auch bessere Entscheidungen zu treffen, sind viele schlichtweg überfordert. Dann treffen die einen eben nicht mehr die beste Wahl, sondern allenfalls die zweitbeste – die sie selbst schützt, falls etwas schiefgeht. Die anderen schieben einen Entschluss lieber erst mal auf – oder sie delegieren die Aufgabe weiter.

Alle wissen's – keiner macht's

Die Folge bezeichnen Wissenschaftler als Verantwortungsdiffusion. Vereinfacht formuliert: Alle wissen Bescheid, niemand kümmert sich. Aber gibt es Situationen, in denen Menschen besonders ungern Entscheidungen treffen?

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Oben wird entschieden, unten ausgeführt: Mit dieser Strategie kommen Unternehmen nicht mehr weit, starre Hierarchien haben ausgedient. Wie Firmen ohne Chef auskommen – und warum Uber und Walmart an ihre Grenzen stoßen.

Diesen Fragen widmete sich jetzt Mary Steffel, Assistenzprofessorin an der Northeastern-Universität im US-Bundesstaat Massachusetts. Für ihre Studie, die kürzlich im Fachjournal „Organizational Behavior and Human Decision Processes“ erschien, konzipierte sie sieben verschiedene Experimente.

In einem Versuch teilte Steffel mehr als 200 Freiwillige in Zweierpärchen auf. Die eine Hälfte erfuhr, dass sie nun eine Aufgabe lösen sollte – der anderen Hälfte sagte Steffel, dass ihr Spielpartner an der Reihe sei.

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