Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.12.2014

13:41 Uhr

Manager vor Gericht

Die Angst der Banker vor dem Staatsanwalt

Nach dem Prozess gegen Middelhoff wächst die Angst in den Vorstandsetagen. Die Gerichte fassen Top-Manager längst nicht mehr mit Samthandschuhen an. Die Spitzenkräfte suchen nach Wegen, sich abzusichern.

Gerichte fassen Top-Manager längst nicht mehr mit Samthandschuhen an – so droht bei schweren Vergehen nicht selten eine Haftstrafe. Getty Images

Gerichte fassen Top-Manager längst nicht mehr mit Samthandschuhen an – so droht bei schweren Vergehen nicht selten eine Haftstrafe.

FrankfurtUli Hoeneß sitzt als Steuersünder im Knast, Thomas Middelhoff wegen umstrittener Reisen ebenfalls. Viele Banker dagegen bleiben trotz Milliardenschäden in der Finanzkrise auf freiem Fuß. 2014 endeten mehrere spektakuläre Prozesse gegen deutsche Finanzmanager ohne Verurteilungen. Das sorgt bei Steuerzahlern für Empörung, schließlich musste der Staat eine ganze Reihe von Geldhäusern nach Fehlspekulationen vor dem Aus retten.

Doch der Eindruck, dass die deutsche Justiz Banker generell mit Samthandschuhen anfasst, täuscht. Das zeigen etwa die Ermittlungen gegen Hoeneß' Schweizer Finanzberater, der mit internationalem Haftbefehl gesucht wird, und der Fall des Ex-BayernLB-Vorstands Gerhard Gribkowsky, der wegen dunkler Geschäfte mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone zu achteinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde.

Hinter den Katastrophen der Finanzkrise allerdings steckt nur selten kriminelle Energie, wie Martin Hellmich von der Frankfurt School of Finance sagt: „Die meisten Verluste, so schmerzlich sie auch sind, entstanden aufgrund von formal korrekten Entscheidungen.“ Ex-Vorstände der HSH Nordbank wurden deshalb vom Vorwurf der Untreue freigesprochen, Prozesse gegen ehemalige Manager der LBBW und der BayernLB gegen Geldauflagen eingestellt. „Es gab keine Riege von massenhaft kriminellen Bankvorständen“, lautet Hellmichs Fazit. „Von dieser Vorstellung muss man sich verabschieden.“

Bankenregulierung: Die übertriebene Angst der Banker

Bankenregulierung

Die übertriebene Angst der Banker

Mit strengeren Regeln will die Politik künftige Krisen verhindern. Die Banker fühlen sich von den neuen Vorgaben drangsaliert. Dabei haben sie persönlich nur selten etwas zu befürchten.

Dennoch haben die Prozesse, in denen Banker oft monatelang auf der Anklagebank sitzen, eine abschreckende Wirkung. Denn Zweifel an der Ehrlichkeit sind Gift für die Karriere, selbst wenn sie sich im Nachhinein als unbegründet erweisen. „Das kommt einem Berufsverbot gleich“, erbitterte sich im BayernLB-Verfahren einer der Ex-Vorstände über die Anklage, von der schließlich nach Überzeugung des Gerichts kaum etwas übrig blieb. „Das größte Kapital, das Sie als Banker haben, ist Ihre Integrität.“

Deshalb versuchen Spitzenmanager heute öfter denn je, sich vor größeren Entscheidungen abzusichern. „Vorstände holen sich im Zweifel lieber ein 'Angst-Gutachten' mehr, damit sie auf der sicheren Seite sind“, erzählt ein hochrangiger Banker. Das treffe für Großbanken genauso zu wie für Sparkassen. „Das heutige Managementverhalten der Banker kann man getrost als hoch risikoavers und extrem vorsichtig bezeichnen“, sagt auch HypoVereinsbank-Chef Theodor Weimer.

Welche Management-Fehler fatal für Firmen sein können

Fehler eins

Frühwarnsignale, z.B. für Markt- oder technologische Veränderungen, werden nicht wahrgenommen oder sogar aktiv verdrängt.

Fehler zwei

Regulatorische und politische Einflüsse auf die künftige Unternehmensentwicklung werden systematisch unterschätzt.

Fehler drei

Markt- und Kundenveränderungen werden im Vorstand nicht (hinreichend) analysiert und diskutiert.

Fehler vier

Geschäftsmodelle werden nicht kritisch reflektiert.

Fehler fünf

Man hält zu lange an traditionellen (und bislang erfolgreichen) Vorgehensweisen fest.

Fehler sechs

Es mangelt an Mut, gegen die herrschende Meinung zu argumentieren.

Fehler sieben

Bei spürbaren Veränderungen wird zu zögerlich gehandelt, man ergeht sich in Aktionismus und Effekthascherei "auf der Bühne" ohne konkrete Maßnahmen.

Fehler acht

Es fehlt eine klar und überzeugend kommunizierte Veränderungsvision und Strategie.

Quelle

Umfrage unter Partnern von Roland Berger Strategy Partners. Zitiert in „Gute Führung“ von Burkhard Schwenker und Mario Müller-Dofel. Erschienen 2012 bei BrunoMedia Verlag.

Dass viele Bosse Entscheidungen heute sorgfältiger prüfen als vor der Finanzkrise, sehen Aufseher und Experten positiv. Doch die Vorsicht hat auch eine Kehrseite: „Das führt dazu, dass sich Vorstände vor strategischen Entscheidungen drücken, um keine Risiken mehr einzugehen“, gibt selbst ein Anwalt zu bedenken, der an den Mandaten mehrerer deutscher Top-Manager gut verdient.

Bei einigen Beobachtern wächst die Sorge darüber, dass in der Wirtschaft immer öfter Rechtsberater den Ton angeben. „Es ist erschütternd anzusehen, wie selbst Spitzenkräfte hasenfüßig werden“, kritisiert etwa die „Süddeutsche Zeitung“.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Eugen Schmidt

03.12.2014, 14:06 Uhr

„Das größte Kapital, das Sie als Banker haben, ist Ihre Integrität.“
Wie wär's mal weniger hochtrabend mit etwas Anstand? Wenn große Banken Rückstellungen in Milliarden € und $ machen müssen für Rechtsanwälte und Strafzahlungen, dann ist das ja wohl ein klares Zeichen, dass das System Banken von der Spitze bis weit in die Filialen krank und kaputt ist. Man wünscht es ja Keinem, aber wenn man sich ansieht welche Vorgaben einfache Bankangestellte morgens bekommen welche Verträge sie an einem Tag "kosten was es wolle" verkaufen müssen, dann kann man sich doch leicht vorstellen was da oben los ist.

Account gelöscht!

03.12.2014, 15:00 Uhr

Die Besonderheit im Falle Middelhoff lag darin, daß in einem Insolvenzverfahren der von Gericht eingesetzte Insolvenzverwalter sich strafbar machte, sollte er all diese "kleinen Unregelmäßigkeiten", die sonst fast überall üblich sind, durchgehen lassen. Zudem schauen ihm die Gläubiger auf die Finger.

Daher wird der Richter in jenem Verfahren zutreffend mit der Feststellung zitiert, daß es dieses Verfahren nicht gäbe ohne die Kleinkariertheit des Insolvenzverwalters.

Es ist keinesfalls so, daß Staatsanwälte oder gar Richter sich um solche eher Belanglosigkeiten gerne kümmerten - allein das Gesetz verpflichtet sie, allerdings nach der Devise: wo kein Kläger, da kein Richter. Letzteres ist gottseidank der Regelfall, sonst könnten alle Unternehmen im Lande ihre Tore schließen.

Herr Gerhard Achter

03.12.2014, 15:01 Uhr

ich hätte da einen der in den Knast gehört, den Inder von der Deutschen Bank.
Er sollte einsitzen bis der Aktienkurs der Deutschen Bank wieder bei 60 Euro ist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×