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20.04.2011

09:38 Uhr

Manager-Vorbild

Warren Buffetts beste Ratschläge

VonThorsten Giersch

Warren Buffett ist nicht nur ein begnadeter Investor, sondern auch Chef von Berkshire Hathaway – und als solcher eben auch von weltweit 233.000 Beschäftigten. Von seinen Führungsmethoden kann man viel lernen.

Warren Buffett gibt Tipps für erfolgreiches Management. Quelle: Reuters

Warren Buffett gibt Tipps für erfolgreiches Management.

Düsseldorf Warren Buffett ist als Investor eine Legende. Wenn er ein Unternehmen empfiehlt – oder besser noch dessen Aktien kauft – kommt das einem Ritterschlag gleich. Dabei wird leicht vergessen, dass Buffett auch der Manager eines komplexen Unternehmens ist.

Und diese Seite haben die Erfolgsautoren Mary Buffett und David Clark in ihrem Buch „Die Macht der Ehrlichkeit. Warren Buffettts Management-Kompass“ untersucht. Die beiden Autoren haben mit „Das Tao des Warren Buffett“ und „Buffettology“ und weiteren Büchern bereits einige Bestseller über den „großen Meister“ geschrieben. Aber auch „Die Macht der Ehrlichkeit“ hat einen Schönheitsfehler: Eine objektive Herangehensweise sollte der Leser bei Mary Buffett und David Clarke nicht erwarten.

Schließlich ist Mary Buffett die ehemalige Schwiegertochter des Investors und David Clark seit 30 Jahren mit ihm befreundet. Ein gutes Stück Verherrlichung ist da natürlich dabei. Nicht zuletzt muss man dem an sich dünnen Buch anlasten, dass es die 200 Seiten nur mit Mühe voll bekommt und der Preis mir 23 Euro recht happig ausfällt.

Dessen ungeachtet bietet die Ratschläge Buffetts bei aller Idealisierung tatsächlich einen nachahmungswürdigen Leitfaden. Wenn alle Manager die Prinzipien angewendet hätten, hätte es sicherlich keine Finanzkrise gegeben. Im Folgenden werden die Grundzüge gekürzt dargestellt:

 

Erster Schritt: Das richtige Unternehmen finden

Egal ob als Chef, als Arbeiter oder als Investor: Zunächst einmal muss man sich laut Warren Buffett für das richtige Unternehmen entschieden. Er hat eine Reihe von Merkmalen identifiziert:

Buffetts Zitat

„Es herrscht ein himmelweiter Unterschied zwischen einem Geschäft, dessen Wachstum jede Menge Kapital erfordert, und einem Geschäft, dessen Wachstum kein Kapital erfordert.“

Keine hohen Investitionen

Warren Buffett mag Unternehmen, deren Produkte kaum je einer Änderung bedürfen. Ein solches Beispiel ist Coca-Cola. Oder eben Firmen mit Dienstleistungen, die so unerlässlich sind, dass man die Preise quasi diktieren kann. Ein Beispiel hierfür ist die Ratingagentur Moody’s. Solche Unternehmen haben mehr Raum für Expansion.

Schnelltest, um den idealen Arbeitgeber zu finden

Buffett hat drei Schnellteste, um einen geeigneten Arbeitgeber zu identifizieren: Der Ergebnis-je-Aktie-Test, der Schuldentest und der des Bruttoertrages. Zwar sei es möglich, dass ein Top-Unternehmen mal abgleitet. Aber aus mittelmäßigen Firmen würde allzu selten eine richtig gute Adresse werden.

Zweiter Schritt: Verantwortung delegieren und die passenden Manager finden

Buffett selbst musste mit der wachsenden Größe von Berkshire Hathaway lernen, Verantwortung zu delegieren – immerhin besitzt er inzwischen 88 Unternehmen. Dabei nimmt Buffett Veränderungen nur vor, wenn sie unbedingt sein müssen. Denn Top-Posten neu zu besetzen kostet Zeit und ist – wie er selbst sagt – auch mit Schmerz verbunden.

Buffetts Zitat

„Wir delegieren so weit es nur geht, ohne gleich ganz abzudanken. Wie in einer Ehe sind Veränderungen im Management schmerzhaft, zeitraubend und riskant.“

Basis-Regeln für das Delegieren von Verantwortung

Jede Unternehmenskultur ist einmalig und braucht einen passenden, kompetenten Chef. Buffett lässt diese so weit wie möglich in Ruhe arbeiten. Sie sollen ihr Unternehmen tatsächlich auch als ihr eigenes betrachten. Umso wichtiger ist die Integrität der Führungskräfte.

Nachfolge ist geregelt

Buffett verlangt von Schlüsselmanagern, dass sie ihm Jahr für Jahr aufs Neue schriftlich mitteilen, wer ihre Nachfolge antreten sollte. So geht im schlimmsten Fall keine Zeit mit der Suche verloren.

Externe Mitarbeiten suchen

Buffett sucht nur wenn es nötig ist nach externen Leuten. Und wenn, dann spricht er über Kandidaten mit ehemaligen Mitarbeitern, also Menschen, die er kennt und denen er vertraut.

Das Geheimrezept

Buffett hat sein Geheimrezept mal so umschrieben: „Wären Sie lieber der beste Liebhaber der Welt, den alle für den schlechtesten halten? Oder wären Sie lieber der schlechteste Liebhaber der Welt, den alle für den besten halten?“ Buffett hat sich stets gern gegen die öffentliche Meinung gestellt. Er hasst Leute, die ihr Fähnchen in den Wind hängen und hat einen Instinkt entwickelt, solche Manager zu entlarven.

Den Traumjob annehmen

Buffetts goldene Regel lautet: Sie sollen ihre Arbeit lieben. Ganz nach seinem Motto: „Sie wären verrückt, Jobs anzunehmen, die Sie gar nicht mögen, nur weil Sie denken, sie würden sich gut in Ihrem Lebenslauf machen. Ist das nicht ein bisschen, als würde man sich den Sex fürs Alter aufsparen?“

Ein Vertriebsteam aufbauen

Buffett war frühzeitig klar, dass gute Vertriebler zwingend an ihre Produkte glauben müssen. Dementsprechend müssen auch die Führungskräfte blind an ihre Produkte glauben und sie aus dem Effeff kennen.

Obsession

In Warren Buffetts Welt ist der perfekte Manager einer, der schon morgens beim Aufstehen an sein Geschäft denkt und auch nachts noch davon träumt. Oder wie er selbst sagt: „Obsession ist der Preis der Perfektion.“ Es ist nicht so wichtig, wie klug ein Manager ist, sondern wie obsessiv er ist.

Fehler offen einräumen

Man muss seine Fehler nicht nur vor sich selbst einräumen, sondern auch gegenüber anderen zugeben können. Davon ist Warren Buffett fest überzeugt. Denn wer andere täuscht, täuscht irgendwann auch sich selbst. Ehrlichkeit ist die Basis von allem.

Die Kosten drücken

Gewinn stellt das Herzblut eines Unternehmers dar. Er versucht, den Vertrieb zu animieren, so viele Produkte wie möglich zu verkaufen. Und auf der anderen Seite Produktion und Einkauf dazu zu bringen, die Kosten zu senken. Letzteres ist Buffett besonders wichtig. Er achtet bei der Auswahl von Managern darauf, wer Kostenbewusstsein wirklich verinnerlicht hat und nicht erst entwickeln muss.

Langfristig planen

Mangelnde Geduld kann man Buffett zweifellos nicht vorwerfen – er denkt langfristig. Auch wenn die Börse Quartalsergebnisse erwartet, setzt Buffett lieber auf die lange Sicht. Auch wenn es bedeutet, sich durchaus mal mit den anderen Aktionären eines Unternehmens anzulegen.

Angemessene Gehälter zahlen

Richtig gute Manager sind laut Buffett schwer zu finden, also gilt sein Grundsatz: „Wenn Sie einen guten Manager haben, sollen Sie ihn fürstlich bezahlen.“ Aber die Höhe des Gehaltes soll sich nicht nach aktuellen Gewinnzahlen richten, sondern an der langfristigen Verbesserung des Unternehmens.

Dritter Schritt: Die Belegschaft motivieren

Ist der „perfekte“ Manager gefunden, ist noch nichts gewonnen. Der dem muss es auch gelingen, die Belegschaft zu motivieren. Buffett lernte so manche Lektion von Dale Carnergie, einem Großmeister dieses Faches.

 

Buffetts Zitat

„Wir alle haben ein tiefes und aufrichtiges Bedürfnis nach Anerkennung.“

Magie des ersten Eindrucks

Buffett glaubt auch im Unternehmensleben an Liebe auf den ersten Blick: „Wenn Sie Jemand zum ersten Mal treffen, sorgen Sie dafür, dass die Begegnung einen freundlichen Anfang nimmt.“

Die Macht des Lobes

Jeder Mensch hat das Bedürfnis, etwas wert und wichtig zu sein. Für Buffett tötet nichts den Ehrgeiz eines Menschen schneller als Kritik von Vorgesetzten.

Guter Ruf verpflichtet

Mitarbeiter, die ein hohes Ansehen genießen, fühlen sich verpflichtet, dieses Ansehen nicht zu beschädigen. An das Gewissen zu appellieren, hält Buffett dagegen für Unnütz. Denn Schuldgefühle empfinden die Menschen als lästig und gehen ihnen lieber aus dem Weg.

Kritik ist gefährlich

Buffett ist ein großer Kritiker des Kritisierens: „Mit Kritik motivieren zu wollen ist sinnlos, denn sie drängt die Menschen in die Defensive, verletzt ihren Stolz, der doch so wertvoll ist, kränkt ihr Selbstwertgefühl und weckt Verdruss.“ Wenn überhaupt, ist Kritik nicht an Einzelne, sondern an die Gruppe zu richten.

Konflikte meistern

Buffett meistert Konflikte am besten dadurch, dass er sie gar nicht erst entstehen lässt. Dazu gehört vor allem, Sensibilität zu zeigen. Man soll dem Gegenüber zuhören und seine Beweggründe kennen.

Eigeninitiative fördern

Neu eingestellte Arbeiter bekommen bei Buffett in der Regel keine Anweisungen. Sie sollen ihre Ziele und Normen zunächst einmal selbst festlegen. Einen Menschen selbst auf die beste Lösung kommen zu lassen sei motivierender, als die Lösung zu präsentieren. Eine Hilfe ist dabei, Fragen zu stellen statt Anweisungen zu geben.

Vierter Schritt: Fallgruben, Herausforderungen und Lehrstücke für Manager

Im letzten Kapitel des Buches geht um Buffetts Einstellung zu den Schwierigen Momenten des Unternehmerdaseins. Also wenn Mitarbeiter sich Fehltritte leisten, Chancen verpasst wurden oder die Zahlen nicht stimmen Zudem gibt Buffett auch Tipps für das Einbinden des Privatlebens.

Buffetts Zitat

„Die Wege, die man im Geschäftsleben geht, sind mit Schlaglöchern übersät. Allein schon die Vorgabe, allen auszuweichen, beschwört die Katastrophe herauf.“

Gefahren des fremdfinanzierten Geschäfts

Wer sich woanders Geld leiht, um sein Geschäft zu finanzieren, steht unter dem großem Druck, dass nicht besonders viel schief gehen darf. Doch die Konjunktur macht eben, was sie will. Für Buffett ist Fremdkapital allzu verführerisch, bringt aber nur Ärger. Berkshire hat es lange zu vermeiden gewusst, Geld aufzunehmen. Der Gewinn sollte nicht mithilfe von Schulden gesteigert werden.

Was halten gute Ideen?

Buffett hat von seinem ehemaligen Lehrer Benjamin Graham folgenden Satz gelernt: „Gute Ideen können für erheblich mehr Kopfzerbrechen sorgen als schlechte.“ Damit ist gemeint, dass man gern die potenziellen Gefahren außer Acht gelassen werden, wenn die Idee allzu vielversprechend klingt. Die Finanzkrise hat dies deutlich gezeigt.

Wenn Mitarbeiter kriminell werden

Warren Buffett sagt: „In der Mitte des Spielfelds ist jede Menge Geld zu verdienen. Es gibt keinen Grund, an seinem Rand zu spielen.“ Und wer es doch tut? An dieser Stelle bleiben die Autoren erstaunlich nichtssagend. Gerade angesichts der aktuellen Vorgänge um Buffetts vermeintlichen Kronprinzen Sokol eine interessante Frage.

Aus Fehlern lernen

Es ist die Amerikanische Sicht der Dinge, die uns Deutschen manchmal fremd ist: Fehler nicht von sich schieben, sondern offen zugeben und aus ihnen lernen. Dann aber auch nicht darauf herumreiten, sondern abhaken und nicht mehr darüber brüten. Buffett empfiehlt kaum eine Sache mehr als diesen typisch amerikanischen Umgang mit Fehlern.

Ja-Sager sind schädlich

Auch Chefs wollen geliebt werden, keine Frage. Aber deshalb dürfen die Mitarbeiter noch lange nicht zu allem Ja und Amen sagen, was ihr Vorgesetzter von sich gibt. Buffett umgibt sich mit wenigen Leuten, die seine Handlungen bewerten. Aber dann hört er auch auf ihr offenes Urteil.

Aufsteigen im Leben

Als Jugendlicher verbrachte Buffett viel Zeit auf der Pferderennbahn. Doch er verfiel nicht dem Wettspiel, sondern lernte, Chancen zu kalkulieren. Er hatte auf die richtigen Menschen dort gehört. Man soll eben den Umgang mit Menschen pflegen, die einem überlegen sind. Von ihnen färbe stets etwas ab.

Das Cover des Buches "Die Macht der Ehrlichkeit" von Mary Buffett und David Clark.

Das Cover des Buches "Die Macht der Ehrlichkeit" von Mary Buffett und David Clark.

Bibliografie:

Mary Buffett, David Clark

Die Macht der Ehrlichkeit. Warren Buffettts Management-Kompass

Ambition Verlag, Berlin 2011

200 Seiten, 22,99 Euro

Kommentare (2)

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KFR

20.04.2011, 10:37 Uhr

Durch die Angabe von Bezug und Preis eindeutige Werbung ohne Trennung vom redaktionellen Teil, Verstoss gegen den "Pressekodex" des deutschen Presserat !

WBJ

20.04.2011, 22:33 Uhr

Dann lesen Sie doch einen solchen Artikel nicht, wenn es Sie stört.
Der Hinweis auf das Buch ist sehr gut und mit aller Wahrscheinlichkeit (Schmunzel),lediglich aus dem Grund gemacht worden, dass alle unfähigen Führungskräfte die Deutschlands Firmen bevölkern sich dieses Buch kaufen, auf dass ein Umdenken in der Mitarbeiterführung erfolgt.Schließlich haben die Firmen in Deutschland bald ein Arbeitskräftemangelproblem und da sollten die wenigen, fleißigen,eigenständig Denkenden,fähigen Arbeitskräfte,welche die Unternehmen erfolgreich am laufen halten, zumindest erwarten können vernünftig behandelt zu werden.In vielen Unternehmen ist es doch heute so, das die Arbeitnehmer für ihre Leistungen (auch unentgeltliche)überhaupt keine Annerkennung bekommen.Eigeninitiativen und eigenständiges Denken wird unterdrückt,der Druck wird immer mehr erhöht.Eine Arbeit die vor 10Jahren drei Mitarbeiter gemacht haben, macht heutzutage ein Mitarbeiter.Der Kostendruck und der schnelle Erfolg steht den Führungskräften im Nacken, die Mitarbeiter sind nur eine Zahl und werden als Individuum überhaupt nicht wahrgenommen.Die vielen Nieten in Nadelstreifen führen, ja sie führen, sie führen die Angestellten zur inneren Kündigung.

Ich, Führungskraft der alten Schule sage, Motivation und ein paar freundliche Worte, aber auch das hineindenken in die Bedürfnisse und Probleme der Angestellten, kurzum dass sich wahrgenommen fühlen jedes Einzelnen bringt Leistungen hervor die man auf keinem anderen der heute üblichen Wege bekommt. Unternehmen mit solchen Führungsqualitäten sind auch am Markt die Erfolgreichen.

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