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26.04.2012

18:02 Uhr

Manfred Schneider

Zwangspause nur für Aufsichtsratsvorsitzende

VonDieter Fockenbrock

ExklusivUm in den Aufsichtsrat ihres Unternehmens wechseln zu können, müssen Vorstände eine Zwangspause von zwei Jahren einlegen. Zuviel, meint RWE-Chefaufseher Manfred Schneider.

Bayer-Aufsichtsratschef Manfred Schneider. ap

Bayer-Aufsichtsratschef Manfred Schneider.

DüsseldorfManfred Schneider, einer der einflussreichsten Aufsichtsräte der Republik, plädiert nach einem Bericht des Handelsblatts (Freitagsausgabe) für eine Reduzierung der Sperrfristen beim Wechsel von Vorständen in den Aufsichtsrat. Schneider, der Chefkontrolleur bei den Dax-Konzernen Bayer, Linde und RWE ist, hält es zwar für angemessen, „dass Vorstandsvorsitzende nicht direkt in den Vorsitz des Aufsichtsrats wechseln. Aber gegen ein Mandat als einfaches Mitglied spricht aus seiner Sicht nichts. Darüber sollte der Gesetzgeber noch einmal nachdenken“, sagte Schneider dem Handelsblatt.
Am morgigen Freitag leitet Schneider nach 46 Berufsjahren bei Bayer zum letzten Mal die Hauptversammlung. Im Herbst will er sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender des Chemie- und Pharmakonzerns an Werner Wenning übergeben. Wenning hat dann zwei Jahre pausiert seit seinem Abschied vom Chefsessel des Konzerns. Das Aktienrecht schreibt bislang diese zweijährige Cooling-off-Periode generell für alle Vorstände vor, die in den Aufsichtsrat ihres Unternehmens wechseln wollen. Schneider hält die Begründung für „Unsinn, ein ehemaliger Vorstand könne an Fehlentscheidungen festhalten, nur weil es seine eigenen waren.“ Das würden die anderen Aufsichtsräte verhindern, sagte er.
Schneider kritisierte auch Forderungen nach gesetzlichen Frauenquoten für Vorstände oder Aufsichtsräte. In den Ministerien sehe es nicht viel besser aus als in der Industrie, wie jüngste Statistiken zeigten. „Ich finde, das ist ein tolles Feld für Frau von der Leyen, um sich zu profilieren“, sagte Schneider. Die Politik sollte vorbildlich sein und Zeichen setzen, „bevor sie Forderungen an andere richtet.“ Der scheidende Bayer-Chefkontrolleur ist allerdings skeptisch, dass es zurzeit genügend weibliche Führungskräfte gibt. „Wir haben das Potenzial bislang womöglich vernachlässigt. Aber ich verlange von Aufsichtsräten lange Erfahrung in der Leitung eines Unternehmens.“ Das könne nicht per Gesetz verordnet werden.

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