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08.01.2010

11:19 Uhr

Marco Fuchs

Der mutige Sternenfänger von Bremen

VonMarkus Fasse

Der Bremer Mittelständler OHB Technology darf die Satelliten für das europäische Navigationssystems Galileo bauen - und sticht damit den großen Rivalen EADS aus. Der Familienbetrieb um Firmenchef Marco Fuchs profitiert vom arroganten Geschäftsgebaren der Konkurrenz und guten Kontakten in die Politik.

OHB-Chef Marco Fuchs (Mitte), Vater Manfred Fuchs (rechts) und Technologie-Vorstand Ulrich Schulz freuen sich über den Galileo-Auftrag. PuschPR

OHB-Chef Marco Fuchs (Mitte), Vater Manfred Fuchs (rechts) und Technologie-Vorstand Ulrich Schulz freuen sich über den Galileo-Auftrag.

MÜNCHEN. Mehrfach wurde die Entscheidung vertagt. Doch seit gestern Mittag 12.29 Uhr wurde ist es amtlich. Die "Orbital und Hydrotechnik Bremen", wie OHB Technology offiziell heißt, hat den großen Rivalen EADS-Astrium ausgebootet. Für 566 Mio. Euro werden die Bremer 14 der 22 Positionssatelliten des geplanten europäischen Navigationssystems Galileo bauen. In der kleinen, aber schicken Firmenzentrale auf dem Bremer Unigelände knallten gestern die Korken.

Es ist der Erfolg einer Unternehmerfamilie. Obwohl die OHB börsennotiert ist, hält die Familie Fuchs immer noch zwei Drittel der Stimmrechte am ehemaligen Neue-Markt-Wert. Und familiär geht es auch in der Unternehmensspitze zu: Firmengründer Manfred Fuchs ist immer noch im Vorstand für das Raumfahrtgeschäft zuständig, Mutter Christa ist Vorsitzende des Aufsichtsrates. Firmenchef ist aber seit neun Jahren Sohn Marco. Alle drei sitzen in der Bremer Firmenzentrale Tür an Tür. "Die kurzen Wege helfen uns", sagt Marco Fuchs.

Der groß gewachsene, jovial wirkende Manager hat erst einmal einen Bogen um die Technologieschmiede des Vaters gemacht. Manfred Fuchs, ein ehemaliger Raumfahrtingenieur des EADS-Vorläufers MBB, hatte sich Anfang der achtziger Jahre mit seiner Frau selbstständig gemacht. Die ehemalige Reparaturwerkstatt "Otto Hydraulik Bremen" wird zur Hülle für den Traum eines eigenen Ingenieurbüros. Und während Vater Fuchs erste Aufträge für Telematik-Geräte an Land zieht, ist Marco in der weiten Welt unterwegs. Nach dem Jurastudium steigt er bei der Kanzlei Jones, Day, Reavis & Poque in New York ein. Bei den Übernahmeprofis lernt er das große Denken: Wo Risiken liegen, da lauern auch Chancen.

In der Luft- und Raumfahrt sieht zu Beginn des Jahrtausends alles nach Risiko aus. Mit EADS hat sich ein europäischer Gigant der Branche entwickelt, der allen anderen Konkurrenten die Luft abzudrücken droht. "Wir sind doch der David gegen den Riesen Goliath", pflegt Marco Fuchs zu kokettieren. Mit einem Umsatz von rund 300 Mio. Euro ist OHB heute noch ein Winzling gegen EADS, die alleine in ihrer Satellitensparte Astrium zehnmal mehr einnimmt.

Doch das David-Prinzip zieht bei öffentlichen Auftraggebern, vor allem in Deutschland. Die sind mit dem Riesen EADS zunehmend unzufrieden. Immer häufiger gibt es nationale Querelen. Der Konzern agiert behäbig, bisweilen arrogant. Wichtige Projekte wie Galileo, der Eurofighter oder zuletzt die A400M stocken oder werden teurer als geplant. Die kleine OHB nutzt die Situation geschickt aus:"Die Kontakte von Familie Fuchs in die Politik sind einzigartig", sagt ein Branchenmanager.

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