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17.08.2011

09:29 Uhr

Maria-Elisabeth Schaeffler

Eine Kämpferin ist wieder da

Die Schattenseiten des Lebens kennt Maria-Elisabeth Schaeffler. Zu ihrem 70. Geburtstag ist die Unternehmerin wieder oben auf. Für sie ist der Tag keine Zäsur und so will sie keinesfalls kürzer treten.

Maria-Elisabeth Schaeffler bei der Hauptversammlung von Conti. Quelle: dpa

Maria-Elisabeth Schaeffler bei der Hauptversammlung von Conti.

HamburgDen Glauben hat die bekennende Katholikin Maria-Elisabeth Schaeffler nie verloren. Alles Irdische allerdings, wofür ihr verstorbener Mann seit dem Jahr 1946 gearbeitet hatte, stand auf dem Spiel.

Nach der Übernahme des deutlich größeren Autozulieferers Continental Anfang 2009 (Deckname: „Paul kauft Emma“) sah es so aus, als würden gut elf Milliarden Euro an Schulden das Imperium der Familie – den bis dahin starken Wälzlagerkonzern – erdrücken. Denn die bei der Akquisition willfährigen Kreditinstitute, allen voran die Commerzbank, bürdeten Schaeffler Risikozinsen von 17 Prozent auf.

Maria-Elisabeth Schaefflers Leben

Heute wird Maria-Elisabeth Schaeffler 70 Jahre alt. Sie hat ein bewegtes Leben hinter sich. hier die Details im schnellen Überblick.

Geburt

Maria-Elisabeth Schaeffler kam am 17. August 1941 in einer katholischen Familie in Prag unter ihrem Mädchennamen Kurssa zur Welt.

Familie

Die Familie Kurssa flüchtete 1945 aus der Tschechoslowakei, wo sie enteignet worden war nach Wien. Maria-Elisabeths Vater arbeitete dort als Finanzberater.

Ein Urgroßvater war in einem Vorgängerkonzern von Skoda bereits im Automobilsektor tätig.

Kindheit

Maria-Elisabeth lebte seit ihrem vierten Lebensjahr in Wien. Bei ihrer Erziehung legten die Eltern besondern Wert auf katholische Werte.

Studium

1960 begann die junge Kurssa ein Medizinstudium, dass sie nach dem Physikum aber wieder abbrach. Später studierte sie kurzzeitig BWL in Nürnberg-Erlangen.

Heirat

Der Unternehmer Georg Schaeffler (1917-1996), den sie 1963 heiratete, war nicht nur 26 Jahre älter als die spätere Milliardärin – die beiden hatten sich vor der Hochzeit auch nur dreimal getroffen.

BWL-Crashkurs beim Ehemann

Nach der Heirat zog Maria-Elisabeth Schaeffler an den Firmensitz ihres Mannes im fränkischen Herzogenaurach. Dort wuchs sie nach und nach in dessen Unternehmen INA Schaeffler KG hinein.

Die INA Schaeffler KG

Georg Schaeffler stieg 1942 in das Unternehmen seines Bruders Wilhelm ein, das auch Rüstungsgüter produzierte und während des Krieges Zwangsarbeiter beschäftigte. 1946 wurde INA Schaeffler gewissermaßen neu gegründet. Ab 1949 war die Firma, etwa als Zulieferer für den „VW Käfer“, zunehmend erfolgreich. Bald galt INA Schaeffler als Spezialist für Autoteile wie Wälz- und Gleitlager.

Firmenübernahme nach Tod des Mannes

1996 starb Georg Schaeffler. Maria-Elisabeth, die schon über 30 Jahre im Unternehmen arbeitete, wurde gemeinsam mit ihrem Sohn Georg F.W. Schaeffler Alleingesellschafterin der INA Schaeffler KG.

Die Söhne

Die Schaefflers hatten zwei Söhne. Der Jüngere kam als Kind bei einem tragischen Unfall ums Leben. Der Ältere, Georg F.W. Schaeffler, erhielt nach dem Tod des Vaters 80 Prozent der Firmenanteile, entschied sich aber gegen eine Arbeit im Familienunternehmen. Er ging als Wirtschaftsanwalt nach Texas.

Wechsel der Geschäftsführung

1998 holte Schaeffler den Manager Jürgen Geißinger aus den USA als Vorsitzenden der Geschäftsleitung nach Herzogenaurach. Schaeffler prägte als Vorsitzende des Firmenbeirats die Geschicke des Unternehmens weiterhin maßgeblich.

Die Schaeffler-Gruppe

Unter Schaefflers Schirmherrschaft steigerte sich der Umsatz des Unternehmens stetig. Hauptgrund war die Übernahme der Mitbewerber LuK 1999 und FAG 2001, die 2003 in der Schaeffler-Gruppe gebündelt wurden.

Die Conti-Übernahme

Mitte Juli 2008 gab die Schaeffler-Gruppe bekannt, den mehr als doppelt so umsatzstarken Reifenspezialisten Continental übernehmen zu wollen. Die Übernahme stieß bei Conti jedoch auf Ablehnung. Die Schaeffler-Gruppe willigte schließlich ein, bis 2012 nicht mehr als 49,9 Prozent der Conti-Aktien zu halten. Der direkte Anteil von 49,9 Prozent am Reifenhersteller wurde Ende März 2011 auch erreicht.

Das Geschäftsjahr 2010

Nach einem Verlust von 1,2 Milliarden Euro in 2009 konnte der Zulieferer Schaeffler 2010 einen Gewinn von 63 Millionen verbuchen. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 29 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro.

Reich wie nie?

6,6 Milliarden Euro – mit diesem Vermögen zählten Schaeffler und ihr Sohn Georg 2008 zu den zehn reichsten Deutschen. Im Oktober 2009 hatte sich ihr Vermögen, vor allem aufgrund der Conti-Übernahme und der Wirtschaftskrise, auf weniger als ein Zehntel verkleinert. Das „Manager Magazin“ schrieb von 92,4 Prozent Vermögensverlust. Laut Forbes-Liste 2011 (mit Daten vom Februar) konnten Schaeffler und ihr Sohn diesen Verlust inzwischen wettmachen und über 6,8 Milliarden Euro ihr Eigen nennen.

Privatleben

Maria-Elisabeth Schaeffler liebt Opern und Golf. Sie gilt als Hundefan und Kunstliebhaberin, ist Katholikin und besitzt einen deutschen und einen österreichischen Pass.

Die Lage spitzte sich dramatisch zu – für die Firma wie für sie selbst. Kurz nachdem herausgekommen war, dass Schaeffler im Hintergrund die Möglichkeit von Staatshilfe sondiert hatte, wurde die Milliardärin in Kitzbühel bei einer Veranstaltung des Kunden Audi mit Pelz abgelichtet. Die Boulevardpresse schrie auf. „Die listige Witwe“, wie der „Spiegel“ die Unternehmerin etikettierte, schien sich verkalkuliert zu haben.

Zu ihrem 70. Geburtstag am Mittwoch ist die Kämpferin zurück. Egal, ob in der Firma im heimischen Herzogenaurach, mit Bundespräsident Christian Wulf im Schaeffler-Werk in Mexiko oder mit Journalisten in Tokio – die drahtige Dame zeigt sich wieder.

Das gilt gleichsam für Termine der gebürtigen Pragerin im Business-Outfit wie auf der Hauptversammlung von Continental Ende April in Hannover als auch für Auftritte im rustikalen Dirndl wie zuletzt bei den Salzburger Festspielen. Dort traf die in Österreich aufgewachsene Klassik-Liebhaberin auf wohlhabende Weggefährten wie Wolfgang Porsche. Der Chefaufseher des Sportwagenherstellers schätzt die Unternehmerin. „Dass Top-Führungspositionen keine Männerdomäne sein müssen, beweist Maria-Elisabeth Schaeffler. Und zwar nicht erst seit gestern“, sagte Porsche dem Handelsblatt. „Wir brauchen keine Quote, sondern wünschen uns Frauen wie sie“, sagt der Enkel von Ferdinand Porsche. Die Jubilarin selbst sieht den runden Geburtstag nicht als Zäsur, will keinesfalls kürzer treten. Am Mittwoch feiert sie mit Familie und Freunden in Tirol.

Das Geschäft brummt dank des bislang anhaltenden Autobooms. Im ersten Quartal steigerten die Franken den Umsatz um ein Viertel auf 2,7 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern legte um 41 Prozent auf 472 Millionen Euro zu.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

17.08.2011, 12:04 Uhr

an so jemanden sollten sich die ganzen deutschen jammerlappen in diversen foren mal ein beispiel nehmen.
und für ihr alter, sieht sie mal auch echt noch top aus.

Sukowsky

17.08.2011, 12:43 Uhr

Tja, die Frau hat es den Superschlauen wieder mal gezeigt.
Schon tot gesagt und nun Die Renditen sind gut. Wollten die Banken die Frau kaputtmachen?

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