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22.01.2010

07:27 Uhr

Marijn Dekkers

Sanfter Revolutionär erobert Bayer

VonSiegfried Hofmann

Marijn Dekkers hatte seinen ersten großen Auftritt. Und der künftige Chef des Chemiekonzerns Bayer gab sich diplomatisch: Einen Kulturschock soll es nicht geben. Aus seinen Ambitionen macht er aber keinen Hehl.

Marijn Dekkers wird im Oktober neuer Bayer-Chef. Quelle: dpa

Marijn Dekkers wird im Oktober neuer Bayer-Chef.

FRANKFURT. Vor drei Monaten war er noch der große Unbekannte. Doch seit zwei Wochen steht Marijn Dekkers in Diensten von Bayer und bereitet sich als Interims-Chef der Gesundheitssparte auf die Übernahme des Vorstandsvorsitzes am 1. Oktober vor. Noch ist es also zu früh, um über konkrete Pläne für den Chemie- und Pharmakonzern zu reden. Aber immerhin so viel macht der Niederländer klar, als er sich am Mittwochabend erstmals den deutschen Medien stellt: Einen Umbruch oder gar Kulturschock soll es in Leverkusen nicht geben. „Ich bin nicht gekommen, um hier alles um 180 Grad herumzudrehen.“ Bayer sei ja schließlich kein Sanierungsfall, sondern ein faszinierender Konzern, „ein weltweites Top-Unternehmen, bestens geführt, durchweg wettbewerbsfähig, mit klasse Mitarbeitern, einem Fokus auf Innovation und einer sehr starken Marke“.

Dekkers wirkt entspannt und locker, als er mit leiser Stimme und unverkennbar niederländischem Akzent seine Laufbahn und Ansichten erläutert. Der promovierte Chemiker und Chemieingenieur wird der erste Bayer-Chef, der nicht aus den eigenen Reihen kommt. Und er wird der erste Ausländer an der Spitze des Traditionsunternehmens sein. Auch wenn er mehr als anderthalb Jahrzehnte im Topmanagement von großen US-Firmen verbracht hat – der Leverkusener Konzern ist ihm nicht so fremd, wie man es auf den ersten Blick vermuten könnte. Das Kunststoffgeschäft kennt er aus der Zeit bei GE. Die Pharmabranche, darunter Bayer, war wichtigster Kunde seines bisherigen Arbeitgebers, des US-Laborgeräteherstellers Thermo Fisher. Am wenigsten kenne er sich beim Pflanzenschutzgeschäft aus, gesteht er.

Dass seine Ambitionen über den heutigen Zuschnitt des Leverkusener Konzerns weit hinausreichen, lässt Dekkers allenfalls zwischen den Zeilen erkennen. Er habe ja vermutlich zehn Jahre Zeit, etwas Interessantes aus Bayer zu machen, deutet er an. Und erinnert an eine Lehre seines früheren Tennis-Trainers: „Meister wird nur, wer auch gegen schwere Gegner gewinnt.“ Dekkers besserte damals als Spitzenspieler bei Rot-Weiss Emmerich seine Studentenkasse auf. Die Botschaft hat er nicht vergessen.

Den Kampfeswillen ergänzt inzwischen seine Erfahrung aus langen Jahren im US-Management. Dekkers erinnert unter anderem an seine zehn Jahre bei General Electric, in einer Phase, als Managerlegende Jack Welch den US-Konzern mit harter Hand zur globalen Vorzeigefirma formte. „Dort habe ich gelernt, wie ein Großunternehmen tickt, plant und Maßnahmen erfolgreich umsetzt.“ Dennoch, versichert der künftige Bayer-Chef: Er komme keineswegs mit einer rein amerikanischen Management-Philosophie nach Leverkusen. „Mein Ziel ist dasselbe wie das meiner Vorgänger. Wir alle wollen das Beste für Bayer und seine Stakeholder.“

Allerdings könne man durchaus manches von den Amerikanern lernen, räumt er ein. „Die Europäer sind gut im Analysieren, aber die Amerikaner sind schneller darin, Ideen umzusetzen.“ Dass er selbst diese Lektion gelernt hat, bewies er bei Thermo Fisher.

Einen Umbau, wie ihn Bayer-Chef Werner Wenning vollzog, setzte Dekkers dort sozusagen in der Hochdosis-Variante durch. Zwei Jahre benötigte er als COO für die Sanierung und Reorganisation. In den sieben Jahren an der Firmenspitze investierte er anschließend rund 13 Mrd. Dollar in Zukäufe, gut sechsmal so viel, wie das Unternehmen 2002 bei Dekkers' Antritt als CEO an Umsatz und Eigenkapital ausgewiesen hatte. Übertragen auf Bayer würde das in etwa der Übernahme von Novartis und einer Reihe kleinerer Biotechfirmen entsprechen.

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