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15.06.2017

18:12 Uhr

Mark Zuckerberg

Die dunkle Seite des Milliardärs

VonMatthias Hohensee
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der fünfreichste Mann des Planeten, will Grenzen überwinden und die Menschheit retten. Seine privaten Geschäfte aber entzaubern den Gutmenschen-Gestus als Fassade.

Der Facebook-Gründer predigt Transparenz, Fairness und Offenheit. Für sein privates Reich gilt das nicht. dpa

Mark Zuckerberg

Der Facebook-Gründer predigt Transparenz, Fairness und Offenheit. Für sein privates Reich gilt das nicht.

Die Entzauberung des größten Stars der Internetwirtschaft beginnt an einem Junimorgen des vergangenen Jahres. An einem Ort, 3800 Kilometer entfernt vom Silicon Valley mitten im Pazifik. Es ist wie immer heiß in Lihue, der Hauptstadt der zu Hawaii gehörenden Insel Kauai, als bei Bill Buley das Telefon klingelt. Buley ist Chefredakteur der Inselzeitung „The Garden Island“, ein weißhaariger Mann Ende 50, der gerne Shorts und T-Shirt zur Arbeit trägt. Als er dem Anrufer an jenem Tag zuhört, ahnt er bald, dass er die beste Geschichte seines Lebens in der Leitung hat.

Der Mann beschwert sich über den Bau einer zwei Meter hohen Mauer an der Koolau Road im Nordosten der Insel. Der werde rücksichtlos vorangetrieben. Einheimische würden vom Strand ausgesperrt, geschützte Tiere bedroht. Bullige Wachleute benähmen sich rücksichtslos.

So weit, so alltäglich. Schließlich gibt es in der Gegend seit Jahren Ärger über Ortsfremde, die sich strandnahe Grundstücke kaufen und die Einheimischen verdrängen. Doch Buleys Pulsschlag steigt schlagartig, als er den Namen des Mauerbauherrn erfährt: Mark Zuckerberg. „Ich wusste sofort, das wird Schlagzeilen in den ganzen USA machen“, sagt er, und seine Augen blitzen.

300 Hektar privates Paradies

Der Chefredakteur täuschte sich. Die Story sollte sich nicht nur in den USA verbreiten, sondern in der ganzen Welt. Denn hier ging es nicht mehr nur um ein laut Anwohnern „monströses Bauwerk“, um Repressalien, Furcht vor aggressiven Anwälten und Ärger über schwer zugängliche Traumstrände. Was schließlich sogar Kamerateams von CBS und BBC nach Kauai brachte, war der offensichtliche Widerspruch zwischen dem Mark Zuckerberg, den sie auf Hawaii kennengelernt hatten, und dem, der sich fast täglich als Wohltäter zelebriert.

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Der Facebook-Deutschland-Chef sieht das soziale Netzwerk im Kampf gegen Hass auf dem richtigen Weg – und fordert die Politik zum Handeln auf. Im Interview spricht er zudem über junge Nutzer und das nächste große Ding.

Zuckerberg, der 33-jährige Gründer und Chef des sozialen Netzwerks Facebook, ist mit einem Vermögen von 62 Milliarden Dollar der fünftreichste Mensch des Planeten. Er hat sich seit 2014 auf Kauai für rund 100 Millionen Dollar ein 300 Hektar großes Paradies zusammengekauft, umgeben von Stränden, bewachsen mit Palmen, rundum tummeln sich Albatrosse, Mönchsrobben und Meeresschildkröten. Aber umgeben ist es von einer zwei Meter hohen Steinmauer, es drohen weit sichtbare Verbotsschilder in den Facebook-Farben blau und weiß und Wächter in Geländefahrzeugen.

Ausgerechnet der Mann, der Offenheit und Transparenz zulasten von Privatsphäre fordert, denn „die Wahrheit muss sich nicht verbergen“. Ein Unternehmer, der mit seinem sozialen Netzwerk die ganze Menschheit digital vernetzen will. Und Zuckerberg hat in den vergangenen Monaten einiges getan, um diese Botschaft zu verbreiten. Im Februar veröffentlichte er einen Brief, in dem er den Beginn einer neuen Zeit ausrief. Bisher habe sich Facebook darauf konzentriert, den Austausch innerhalb von persönlichen Netzwerken zu verbessern. Jetzt gehe es um etwas Größeres: „Unser Job bei Facebook ist es, den Menschen zu helfen, den größtmöglichen positiven Einfluss auf die Welt auszuüben.“ Er und seine Frau Priscilla gingen medienwirksam voraus und versprachen, 99 Prozent ihres Vermögens für gute Zwecke zu verwenden.

Welche Facebook-Dienste die Deutschen nutzen

Mehr als „Gefällt mir”

Facebook ist nicht nur eine Internetseite oder eine App. Das soziale Netzwerk wurde in den vergangenen Jahren kräftig erweitert. Die bekanntesten Teile sind der Facebook Messenger, Instagram und Whatsapp. Das Statistik-Portal Statista hat die Deutschen gefragt, welche Dienste und Produkte sie mindestens gelegentlich nutzen.

Facebook allgemein

72 Prozent nutzen das Social Media Portal. Dabei ist der Unterschied zwischen Männern (73 Prozent) und Frauen (71 Prozent) gering.

Facebook Messenger

Den Facebook-Nachrichtendienst nutzen 43 Prozent der Befragten – Männer wie Frauen.

Instagram

Den Online-Dienst Instagram zum Teilen von Fotos und Videos nutzen 26 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen.

Whatsapp

Den Instant-Messaging-Dienst, der seit dem Jahr 2014 zu Facebook gehört, wird 70 Prozent der Befragten genutzt. Mit 71 Prozent männlichen und 70 Prozent weiblichen Nutzern sind die Unterschiede bei den Geschlechtern gering.

Seitdem tourt Zuckerberg quer durch die USA, um den echten Menschen zuzuhören. An der Universität Harvard warb er mit großer Geste für Frieden auf der Welt und ein bedingungsloses Grundeinkommen. Zuckerbergs Eintreten für das Hehre und Gute ging so weit, dass nicht wenige in seiner Heimat Kalifornien ihm politische Ambitionen unterstellten. Dabei galt er lange Zeit als eher an Geschäften denn an Menschen interessiert. Und so drängt sich die Frage auf, ob es womöglich mit den Geschäften nicht mehr so gut läuft, wenn er sich plötzlich so intensiv für Menschen interessiert.

Tatsächlich fällt die Charmeoffensive in eine Zeit, in der es kriselt. Facebook ist unter Druck geraten, zwar noch nicht ökonomisch, wohl aber politisch und gesellschaftlich. Seit die Plattform zunehmend Hassreden und Gewaltvideos anzieht, stellen Politiker und Bürger weltweit die Frage nach der Verantwortung. In Deutschland ist ein strenges Haftungsgesetz in Vorbereitung. Zudem fragen Regulatoren und Wettbewerbshüter: Ist es wirklich wünschenswert, dass der Zuckerberg-Konzern nach Käufen des Fotodienstes Instagram und des Kurznachrichtenservice WhatsApp Social-Media-Monopolist ist? Will Zuckerberg wirklich nur unser Bestes, wenn er künftig die Gedanken seiner Nutzer lesen oder das menschliche Bewusstsein im Netz zusammenschalten möchte?

Kommentare (5)

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Herr Moritz J. Mueller

15.06.2017, 19:15 Uhr

Was hat uns da, in der jüngsten Zeit, der liebe Herrgott blos für Witzfiguren vor die Nase gesetzt (Zuckerberg, Musk, Trump nur um einige zu nennen...)?! Selbstherrliche, selbstgerechte und größenwahnsinnige Heuchler, die im Gewand von Gutmenschen daher kommen. Na denn....

Herr Alessandro Grande

16.06.2017, 09:56 Uhr

Facebook, Apple, google oder Unternehmen wie Rocket sind nicht wie eine, sondern sind eine Seuche, gaukeln uns allen Vorteile vor und schaffen nur eines, Arbeitslosigkeit und die Wiederauferstehung der Sklaverei des 21. Jahrhunderts, wo 98% gar nichts haben und 2% alles und man entweder von der Hand in den Mund leben oder gar keinen Job haben wird.

Die Zuckerbergs & Co. predigen Wasser und trinken feinsten Champagner, schotten sich in den von ihnen geschaffenen privaten Traumwelten für Milliarden USD ab, von Geld, was ihnen eigentlich gar nicht zusteht, weil ihre Firmen weniger wahre Werte schaffen, als offiziell der Fall und vor allem auf perverser Blasenbildung basieren.

Gegen solchen Abschaum muss man vorgehen, denn diesen substanzlosen Scheissdreck (mit Ausnahme von Apple) braucht wahrlich keine Sau, weshalb diese Firmen auch kein Geld für ihre Werbeplattformen erhalten sollten.

Herr Lothar Bitschnau

16.06.2017, 10:19 Uhr

Facebook, Apple, google und co.
Unsere Gesellschaft hat begonnen, hunderte Milliarden Stunden an Lebenszeit zu verschenken und frönt die neuen Götzen. Ein moderner Götzendienst mit Preisgabe unserer intimer Lebensbereiche an Maschinen die nicht mehr vergessen.

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