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05.01.2007

13:41 Uhr

Marketing-Gag

Chief Beer Officer dringend gesucht

VonThomas Knüwer

Lokomotivführer, Astronaut, „Playboy“-Chefredakteur, Agent im Auftrag ihrer Majestät – diese Liste der Traumberufe vieler Männer dürfte wohl bald um einen Posten reicher sein: Chief Beer Officer bei der Hotelkette Four Points, einer Tochter der Sheraton-Gruppe, die ihrerseits zum Starwood-Konzern gehört. Doch es gibt einen Haken an der Sache.

DÜSSELDORF. Fast 6 000 Bewerbungen sollen schon eingegangen sein für den Posten, der in verschiedenen amerikanischen Job-Börsen ausgeschrieben worden war. „Um ehrlich zu sein, mit dieser Resonanz haben wir nicht gerechnet. Es ist ein wenig überwältigend“, gestand Hoyt Harper, Senior-Vize-Präsident für Markenmanagement dem „Wall Street Journal“. Bewerbungen als CBO werden noch bis zum 12. Januar angenommen.

Offensichtlich stört die Gerstensaftfanatiker nicht der Haken an der Sache: Eine Bezahlung gibt es für den Chief Beer Officer dann doch nicht. Dafür locken reichlich Vergünstigungen rund ums Bier. So sind Dienstreisen zu Branchenereignissen wie dem Münchener Oktoberfest und dem Great American Beer Festival in Denver selbstverständlich; ebenso ausführliche Besuche kleiner Brauereien mit Qualitätsanspruch, um sich von der Güte der Produkte zu überzeugen. Außerdem gibt es reichlich Punkte im Gäste-Bonusprogramm von Starwood, die für Gratis-Übernachtungen genutzt werden können.

Leicht wird es nicht, den Posten zu bekommen. Das liegt nicht nur an der großen Zahl von Mitbewerbern. Four Points legt Wert darauf, jemanden zu finden, der Brauereiwissen mit der Leidenschaft für Bier paart. Entsprechend müssen bei der Online-Bewerbung schon Fachfragen beantwortet werden, außerdem möchte die Hotelkette wissen, ob der Bewerber schon einmal selbst gebraut hat oder Maskottchen für eine Biermarke war.

Wissen allein aber reicht auch nicht. Gefragt ist zusätzlich eine extrovertierte Persönlichkeit sowie gutes Ausdrucksvermögen – schließlich geht es auch darum, die Hotelkette bei öffentlichen Anlässen zu repräsentieren, der CBO wird selbst Brauereiführungen abhalten. Gute Schriftsprache ist ebenfalls von Vorteil. Schließlich muss der CBO-in-spe nicht nur die Biere auswählen, die in den Hotels der Gruppe gereicht werden – er soll auch die Texte für die Getränkekarten verfassen, um den Kunden seine Auswahl schmackhaft zu machen.

Die Idee eines Chief Beer Officers ist natürlich ein Marketing-Gag. Für solche medienträchtige PR-Aktionen ist Starwood bekannt, seit Steve Heyer, ein ehemaliger Coca-Cola-Manager, vor zwei Jahren den Posten des Vorstandsvorsitzenden bei Starwood übernommen hat. Um den Öffentlichkeitseffekt nicht gleich verpuffen zu lassen, macht der Hotelkonzern den Interessenten aber Hoffnung auf eine bierselige Zukunft: Bewährt sich der Auserwählte, heißt es, könne aus dem Spaß auch eine ernsthafte und voll bezahlte Position werden.

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