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22.11.2011

16:42 Uhr

Martin Blessing

„Ich gehe da nicht nochmal hin“

Martin Blessing ist fast alles gelungen. Doch seit dem Kauf der Dresdner Bank hat ihn das Glück verlassen. Dieses Projekt, dann die Finanz- und nun die Schuldenkrise haben der Commerzbank und ihrem Chef schwer zugesetzt.

Commerzbank-Chef Martin Blessing erlebt keine leichten Zeiten. AFP

Commerzbank-Chef Martin Blessing erlebt keine leichten Zeiten.

Deutschlands zweitgrößter Bank fehlen möglicherweise rund fünf statt der bisher erwarteten 2,9 Milliarden Euro Eigenkapital, um auf die von den Regulierern geforderte Quote von neun Prozent zu kommen. Wenn dies in letzter Konsequenz bedeuten würde, dass wieder der Steuerzahler einspringen muss, dann, ja dann wäre die Ära des Martin Blessing wohl beendet. Denn der agile Bankchef, der klare Worte bevorzugt, hat seine eigene Zukunft als Vorstandschef daran geknüpft, dass die teilverstaatlichte Bank nicht nochmals Staatshilfe beanspruchen muss.

Bei aller Dankbarkeit, die die Bank für die Hilfe der Steuerzahler und der Politik empfinde, sei die „öffentliche Begleitung“ auf die Inanspruchnahme des Bankenrettungsfonds SoFFin beim letzten Mal wenig motivierend gewesen, sagte Blessing unlängst vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. Blessing wörtlich: „Ich gehe da nicht nochmal hin.“

Deshalb bleibt ihm nur, die Bilanz - durch Einschränkungen bei der Kreditvergabe oder den Verkauf von Firmenteilen oder Portfolien - so deutlich abzubauen, dass das vorhandene Kapital zur Unterlegung der Risiken (RWA) reicht. Doch das ist ein Balanceakt: Die Bank darf dabei keine Verluste hinnehmen, die das Kapital weiter aufzehren. Bleibt am Ende also doch nur der Staat und damit der Rücktritt Blessings?

Es wäre das Scheitern eine Wunderkindes. Was Martin Blessing bislang auch anfasste, es gelang ihm. Katholisches Jungengymnasium Königstein, vorgezogenes Abitur. Bundeswehr. Lehre bei der Dresdner Bank, Studium, unter anderem in der Kaderschmiede St. Gallen im Schnelldurchlauf. 1988 ist Blessing 25 Jahre alt, hat zwei Abschlüsse und einen garantierten Job bei McKinsey. Mit 31 wird er dort Partner. Er ist ein Überflieger. Keine Frage, dass er es in den Vorstand einer großen Bank schafft.

Kommentare (9)

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Firmenkunde

22.11.2011, 16:53 Uhr

Herr Blessing hat den Mund sehr voll genommen. Deshalb sollte er auch die Konsequenzen ziehen. Jeder Firmenkunde, jeder Aktionär, jeder nüchterne Anleger vertraut mehr in Herrn Blessing. Time To Say Goodbye Mr. Blessing.

Elaphe

24.11.2011, 08:53 Uhr

Großmut kommt vor dem Fall.
Als (Kunde) dieser Bank freue ich mich schon jetzt über eine zerschlagung dieser, alles was dann kommt kann nur besser werden!

Realo

12.12.2011, 20:50 Uhr

Blessing ist ein typischer Vertreter einer intellektuellen Elite, die in den vergangenen Jahrzehnten ihr gesamtes Talent und Können darauf verlegt hat, das Finanzsystem zu ihrem eigenen Nutzen umzugestalten - auf Kosten der Allgemeinheit. Die Politiker haben diesen Leuten in einer unheiligen Verschuldungsallianz freie Bahn gelassen, bis zum Crash. Die Bankster beschafften den Stoff, und die Politik verteilte die Wohltaten. Die Demokratie hat versagt, die Ökonomen sowieso.

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