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19.02.2004

08:00 Uhr

Mathewson zieht die Fäden

Die graue Eminenz der Bank of Scotland

VonFelix Schönauer (Handelsblatt)

Sir George Mathewson spitzt gerne zu. Wird der Chairman der Royal Bank of Scotland etwa zu den neuen Eigenkapitalanforderungen für Banken – das so genannte Basel 2 – befragt, antwortet er so: „Wir haben keine Probleme damit, dass der Regulierer uns vorschreibt, unsere Schnürsenkel zuzubinden. Wir wollen aber nicht gesagt bekommen, wie wir zu binden haben.“

HB LONDON. Zwar hat sich der grau melierte 63-Jährige schon wegen seiner Rolle als Aufsichtsrat vom aktiven Geschäft der zweitgrößten britischen Bank entfernt – sofern nicht wieder einmal eine der vielen Übernahmen ansteht. Er kommt nur noch an wenigen Tage in der Woche ins Büro. Doch der Sportfan – Golf, Tennis, Ski und Wassersport – übt noch immer einen wichtigen Einfluss aus. Er gilt als Berater, Mentor und Freund des Vorstandschefs Fred Goodwin. Mathewson mag zwar in seiner eigenen Zeit als Vorstandschef mit seiner direkten Art häufiger angeeckt sein: Intern legt er Wert auf reibungslose Zusammenarbeit.

Es ist wohl kein Zufall, dass die Bank unter Goodwin das Motto des Vorgängers Mathewson weiterverfolgt: Schaffe lieber leise Ergebnisse, als sie laut anzukündigen. Die kleine Bank aus dem verschlafenen Edinburgh hat es mit Akquisitionen in Großbritannien und den USA bis in die erste Reihe der weltweiten Kreditinstitute gebracht. Wenn Goodwin am heutigen Donnerstag in London ein Ergebnis vor Steuern von geschätzten sechs Milliarden Pfund (fast neun Milliarden Euro) vorlegt, erweist sich die Bank einmal mehr als britisches Vorzeige-Unternehmen. Übertroffen wird sie nur von der HSBC.

Dass sie so weit gekommen ist, geht auf Mathewson zurück. Der promovierte Ingenieur kam 1987 zur Bank und stieg 1992 zum Vorstandschef auf. Sechs Jahre später holte er Goodwin an seine Seite und führte das Institut bravourös wie rücksichtslos zur feindlichen Übernahme der größeren NatWest im Jahr 2000. Als er sich ein Jahr später – im Besitz der Ritterwürde – auf die Rolle des Chairmans zurückzog, wusste er mit Goodwin einen harten Sanierer auf seiner Position, der zügig bei den Fusionen für Synergien sorgte. Mathewson hat heute viele Ehrenämter. So ist er im Direktorium des Institute of International Finance, dem Weltverband der großen Geschäftsbanken.

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