Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.01.2007

11:00 Uhr

Matthias Warnig

Russische Seele

VonOliver Stock

Jetzt fließt es also wieder, das Öl, das Russland durch die Pipeline mit dem schönen Namen Druschba – „Freundschaft“ – unter anderem bis nach Deutschland pumpt. Einer, der das Hin und Her um die Energielieferungen mit Hochspannung verfolgt hat, ist Matthias Warnig.

Matthias Warnig im Jahr 2005 bei einem Treffen mit Putin. Foto: dpa

Matthias Warnig im Jahr 2005 bei einem Treffen mit Putin. Foto: dpa

ZÜRICH. Der gemütlich wirkende Deutsche mit dem weißen Haar hat einen der explosivsten Jobs, den die Energiebranche zu bieten hat: Er ist Geschäftsführer bei Nord Stream, jener Gesellschaft, die den Bau und Betrieb einer 1 200 Kilometer langen Erdgasleitung auf dem Grund der Ostsee von Wyborg nach Greifswald plant. Nord Stream haben letztlich der russische Präsident Vladimir Putin und der damalige deutsche Kanzler Gerhard Schröder aus der Taufe gehoben. Schröder ist heute Vorsitzender des Aktionärsausschusses.

Das Pipeline-Projekt ist mit seinen fünf Milliarden Euro Baukosten selbst für beteiligte Unternehmen vom Schlage einer Gazprom oder Eon Ruhrgas und Wintershall kein Pappenstiel.

Scheitert das Projekt, weil sich die Partner nicht trauen, hat nicht nur Warnig ein Problem. Der Manager, dessen Dienstsitz das politisch neutrale und überaus steuerfreundliche Zug in der Schweiz ist, beeilt sich deshalb, die Wogen zu glätten: Die Auseinandersetzung über Öllieferungen rücke natürlich die Frage nach der Zuverlässigkeit von Energielieferungen in die öffentliche Diskussion, sagt er. „Aus meiner Arbeit in und mit der Gazprom sehe ich aber auch die klaren Interessen und Bestrebungen, alle langfristigen Lieferverpflichtungen nach Europa vertragsgerecht zu erfüllen.“ Handelt es sich um eine Machtdemonstration? Warnig ist anderer Meinung. „Machtspiele“, hatte er dazu bereits früher erklärt, „sind immer zweiseitig.“ Wer am längeren Hebel sitzt, ist für ihn nicht ausgemacht: „Russland ist auch abhängig von Importeinnahmen aus Europa.“

Warnig geht als einer der wenigen Deutschen durch, die sich mit der russischen Seele besonders gut auskennen. Seine Biografie ist – vorsichtig ausgedrückt – außergewöhnlich. Der 51-Jährige kam bis 1989 als Stasi-Major unter dem Decknamen „Arthur“ in der so genannten Hauptverwaltung A-Residentur Nr. 1 in Düsseldorf zum Einsatz, zuständig für Industriespionage in Westdeutschland. Damals stand Warnig bereits seit 15 Jahren im Dienst der DDR-Staatssicherheit und hatte Medaillen für treue Dienste bei der Nationalen Volksarmee im Schrank. Als er 1987 seine Arbeit in Düsseldorf aufnahm, war die DDR gerade gegenüber der Bundesrepublik mit Warenlieferungen in Rückstand geraten. Einige Produkte hatten sich als fehlerhaft erwiesen. „Arthur“ sollte helfen, den Plan wieder zu erfüllen, und zwar indem er Material in Westdeutschland sammelte, um Wissenslücken in der DDR zu schließen. Wirtschaftsspionage ist dafür auch ein Ausdruck.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×