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13.01.2005

07:02 Uhr

Mauttechnik zum Laufen gebracht

Heiler des verletzten Ingenieurstolzes

VonKatharina Slodczyk

Wahrscheinlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis ihm der Job langweilig wird: „Etwas weiterzuentwickeln, das bereits funktioniert, das ist nicht sein Ding“, erzählt Katrin Horstmann über ihren langjährigen Kollegen.

BERLIN. „Er ist der Mann zum Lösen akuter Probleme, und wenn etwas gut läuft, dann braucht er die nächste Herausforderung.“ In den vergangenen Monaten hat er gleich einige drängende Probleme gelöst: Denn Christoph Bellmer ist Chef der Mautbetreibergesellschaft Toll Collect.

Mit ihm an der Spitze hat das Unternehmen die Technik endlich zum Laufen gebracht und inzwischen zwei Wochen lang den Realitätstest bestanden. Damit beschert Toll Collect dem Bundesverkehrsministerium die schon lang verplanten Mauteinnahmen, verhindert, dass weiter Spott und Häme über die Toll-Collect-Eigner Deutsche Telekom und Daimler-Chrysler ausgegossen werden, und heilt – zumindest ein wenig – den verletzten deutschen Ingenieurstolz.

Fast zehn Monate ist es her, dass Telekom-Vorstand Konrad Reiss dem Diplom-Ingenieur den damals heißesten Stuhl anbot, der in der deutschen Wirtschaft zu vergeben war – Bellmer zögerte nicht lang und griff zu. Kein Abwägen, keine langen Debatten – lediglich ein kurzes Beratungsgespräch mit seinem ehemaligen Chef: „Er hatte nichts zu verlieren, er konnte nur gewinnen. Als er mich um Rat fragte, war meine Antwort daher eindeutig: Er solle den Job annehmen“, erzählt Hans-Dieter Koch von der Wagniskapitalgesellschaft Cipio Partners.

Bellmer lernte er vor mehr als zehn Jahren beim IT-Dienstleister Compunet kennen. Da war der Chef von Toll Collect bereits die Allzweckwaffe für schwierige Fälle: „Wir haben ihn auf große und wichtige Unternehmen angesetzt, und er hat sie als Kunden gewonnen“, sagt Koch. „Er hat bislang jede schwierige Aufgabe gemeistert.“

Bellmer hat Elektrotechnik und Datenverarbeitung studiert. Wenn es um die technische Seite von Projekten geht, macht ihm daher keiner etwas vor. Durch unterschiedliche Positionen bei Compunet lernte er auch die kaufmännische Seite kennen: Er war unter anderem im Vorstand des Unternehmens nach der Übernahme durch General Electric und später Geschäftsführer der Venture-Capital-Gesellschaft B-Business Partners.

Es ist vor allem seine große Ruhe und Besonnenheit, die Kollegen und Vorgesetzte an ihm schätzen. Fragen beantwortet er meist knapp und nüchtern – nach kurzem Nachdenken. Was denn seine erste Amtshandlung im neuen Job bei Toll Collect gewesen ist? „Prioritäten setzen und Ordnung schaffen.“ Was hatte Priorität? „Allen zu erklären, wo wir bei dem Projekt stehen, was wir versprechen und was wir nicht halten können.“

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