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08.01.2009

15:20 Uhr

Medici am Abgrund

Sonja Kohn kämpft um die Existenz ihrer Bank

VonStefan Menzel

Sie ist eine der wenigen Frauen im weltweiten Top-Anlagegeschäft. In den achtziger Jahren gründete Sonja Kohn die kleine Wiener Bank Medici. Der Fall Madoff rückte ihr Finanzhaus an den Rand des Abgrundes. Doch die resolute Bankerin gibt nicht auf.

Sonja Kohn, Gründerin der Medici-Bank, gerät durch den Fall Madoff unter Druck. Pressebild

Sonja Kohn, Gründerin der Medici-Bank, gerät durch den Fall Madoff unter Druck.

WIEN. Sonja Kohn ist im Moment für niemanden zu sprechen. Keine Interviews, keine öffentlichen Auftritte. Dabei hätte sie eine ganze Menge zu erklären. Die 60-Jährige, eine der ganz wenigen Frauen im globalen Top-Anlagegeschäft, hat auf jeden Fall den Zorn ihrer Kunden auf sich gezogen. Die kleine Wiener Bank Medici, die Sonja Kohn Mitte der 80er-Jahre gegründet hat, hängt am seidenen Faden.

Die Bank Medici hat in großem Stil Geld eingesammelt, um es im nächsten Schritt beim New Yorker Finanzjongleur Bernard Madoff anzulegen. Pech für die Kunden, Pech auch für Sonja Kohn. Mindestens zwei Milliarden US-Dollar haben sich in Luft aufgelöst. Die Kunden der Bank Medici gehören auf jeden Fall zu den größten Geschädigtengruppen des zweifelhaften Schneeballsystems von

Sonja Kohn versucht ihr Lebenswerk zu retten, lässt sie von einer Sprecherin ausrichten. Seit vergangenen Freitag kann sie nicht mehr selbst entscheiden, wie es mit ihrer kleinen Bank weitergehen soll. Die österreichische Finanzmarktaufsicht FMA hat einen Regierungskommissar als obersten Aufpasser in die Bank entsandt. In dem feinen Bürogebäude gleich neben der Wiener Oper passiert nichts mehr ohne Gerhard Altenberger, jedes Detail muss Sonja Kohn dem staatlichen Kontrolleur zur Zustimmung vorlegen. Die FMA vermutet, dass die Bank kurz vor dem Zusammenbruch steht, der Regierungskommissar soll das Schlimmste verhindern.

Die Medici-Gründerin gibt sich allerdings noch nicht geschlagen. Aus ihrer Sicht besteht sehr wohl noch eine Perspektive für die kleine Bank. Aufgrund der guten Liquiditätsausstattung müsse niemand das Ende fürchten, verkündet ihre Sprecherin. Am Freitag tagt der Aufsichtsrat, dann soll auch eine neue Geschäftsführung berufen werden.

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