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30.08.2012

15:07 Uhr

Medienbericht

Deutsche Anwälte müssen für US-Pleite gerade stehen

Die Pleite der renommierten US-Anwaltskanzlei Dewey & LeBoeuf wird auch für die deutschsprachigen Partner kostspielig. Laut einem Fachmagazin müssen sie mit bis zu 140.000 Euro für den Fall gerade stehen.

Ein Angestellter trägt Kisten aus dem Gebäude der insolventen US-Großkanzlei Dewey & LeBoeuf hinaus. Reuters

Ein Angestellter trägt Kisten aus dem Gebäude der insolventen US-Großkanzlei Dewey & LeBoeuf hinaus.

DüsseldorfZu den besten Zeiten beschäftigte die Anwaltskanzlei Dewey & LeBoeuf 2500 Mitarbeiter, davon rund 1400 Anwälte in 26 Büros weltweit und setzte 900 Millionen Dollar um. Doch Ende Mai ging es mit der Firma zu Ende, eine Pleite war unabwendbar geworden. Auch in Deutschland hatte es eine Dependance gegeben mit renommierten Partnern wie dem Energierechtler Jochen Terpitz, der mittlerweile für die Kanzlei Simmons & Simmons arbeitet.

Um einen Vergleich mit den Gläubigern zu erreichen, müssen Terpitz und acht weitere Ex-Partner tief in die Tasche greifen, berichtet das Fachblatt Juve auf seiner Internetseite. Die Forderungen an die Anwälte belaufen sich demnach auf bis zu 140.000 Euro. Je nach Einkommenshöhe müssen laut dem Blatt zehn bis 30 Prozent der Vergütungen der Jahre 2011 und 2012 zurückgezahlt werden.

Die Kanzlei hatte eine große Präsenz in Europa. Dewey LeBoeuf war die größte US-Anwaltskanzlei in London. Den deutschen Markt bearbeitete sie seit zehn Jahren von ihrem Frankfurter Büro aus. Im Bereich Investmentfonds und neue Finanzprodukte galt sie als eine der führenden Kanzleien in Deutschland. Allerdings traf der Abgang von Managing Director Hanno Berger 2010 die Kanzlei schwer. Berger hatte zuvor sechs Jahre lang das Büro zu neuer Größe geführt.

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Sie gelten mit ihren überhöhten Gehältern als Grund für die Pleite und sollen auch dafür aufkommen: Die Insolvenzverwalter wollen die Partner der US-Kanzlei Dewey & LeBoeuf mit über 100 Millionen Dollar zur Kasse bitten.

Die Kanzlei hatte reihenweise Topleute in Schlüsselpositionen, die häufig ihre Kunden mitnahmen. Die Fluktuation geriet Anfang dieses Jahres außer Kontrolle, als die Firma für 2011 einen Gewinn von rund 250 Millionen Dollar verkündete. Eigentlich ein gutes Ergebnis, doch nur die Hälfte des Geldes sollte an die Masse der Partner ausgezahlt werden. Eine Handvoll führender oder bereits pensionierter Partner hatte sich statt erfolgsabhängiger Boni in ihren Verträgen hohe Fixsummen zusichern lassen. Der Aufschrei war groß. Von insgesamt 320 Partnern verließen rasch mehr als 200 das Unternehmen.

Kommentare (1)

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Alfred_Neumann

26.09.2012, 17:29 Uhr

Völlig logisch, denn die Partner hatte sich Bezüge genehmigt, die über dem lagen, was die Kanzlei verdient hatte und das Ganze dann über Bankkredite finanziert.

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