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28.04.2013

15:31 Uhr

Medienbericht

Tauchte Hoeneß' Name auf einer Steuer-CD auf?

Hätten die Steuerfahnder früher über das Schweizer Bankkonto von Uli Hoeneß Bescheid wissen können? Einem Medienbericht zufolge enthielt eine Steuer-CD Informationen über den Bayern-Präsidenten. Die Ermittler bestreiten.

Uli Hoeneß bereitete seine Selbstanzeige offenbar in großer Eile vor. Reuters

Uli Hoeneß bereitete seine Selbstanzeige offenbar in großer Eile vor.

MünchenDie Steuerfahnder hätten einem Medienbericht zufolge schon vor der Selbstanzeige von Uli Hoeneß von dessen Konto bei der Schweizer Privatbank Vontobel wissen können. Der Name des Präsidenten von Bayern München ist einem Bericht des „Focus“ zufolge bereits im vergangenen Sommer auf einer Steuer-CD aufgetaucht, die das Land Nordrhein-Westfalen gekauft hatte. Die Behörden weisen den Bericht jedoch zurück.

Die Staatsanwaltschaft Bochum habe die Daten an die Kollegen in München weitergeleitet, berichtete das Nachrichtenmagazin am Sonntag. Die Ermittler in Bayern hätten aber zunächst kein Verfahren eröffnet. Das bestritt die Staatsanwaltschaft München jedoch am Sonntag per Pressemitteilung. „Es trifft nicht zu, dass die Staatsanwaltschaften in München im Sommer 2012 eine Steuer-CD mit den Daten von Herrn Hoeneß erhalten haben. Die Staatsanwaltschaft München II wurde erst im Januar 2013 von der Selbstanzeige 'Hoeneß' unterrichtet.“ Das Ermittlungsverfahren gegen den 61-Jährigen habe man „aufgrund der Selbstanzeige 2013 eingeleitet“, sagte der Münchner Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich der Nachrichtenagentur dpa.

Dabei handelte Hoeneß nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ in großer Eile. Die Selbstanzeige sei Anfang Januar in nur wenigen Tagen von seinem Steuerberater erstellt worden, nachdem ein Vontobel-Mitarbeiter Hoeneß über Recherchen des „Stern“ zu einem prominenten Steuerhinterzieher aus dem Sportbereich informiert hatte. Hoeneß habe die Finanzbehörden zwar bereits vor Weihnachten informieren wollen, das jedoch wegen der Feiertage aufgeschoben.

Welche Strafen Steuertricksern drohen

10.000 Euro hinterzogen

Hier wird in der Regel eine Geldstrafe verhängt, die in etwa einem Jahresnettoeinkommen des Steuerpflichtigen entspricht.

Tagessätze

Die Strafverfolgungsbehörden ermitteln die Geldstrafe nach so genannten Tagessätzen. Der Geldbetrag für einen Tagessatz soll dem Tagesnettoeinkommen entsprechen.

Berechnung des Tagesatzes

Hat jemand ein Jahreseinkommen von 50.000 Euro brutto und Abzüge von 20.000 Euro für Steuern, Versicherungen und ähnlichem, so wäre der Tagessatz 82 Euro (gerechnet: 30.000:365).

Anzahl der Tagessätze

Bei einer Hinterziehung von 10.000 Euro werden in der Regel 365 Tagessätze verhängt. Das bedeutet im Beispielsfall 365x82 = 29.930 Euro. Die Geldstrafe läge also bei rund 30.000 Euro.

Verhältnis zur hinterzogenen Steuer

Bei hohen Einkommen kann laut Experten die Strafe durchaus höher als die hinterzogene Steuer sein. Schließlich soll sich Steuerhinterziehung ja nicht lohnen.

20.000 Euro hinterzogen

Bei 20.000 Euro kommt man zu rund 440 Tagessätzen. Die Strafe läge im Beispielsfall dann 36.080 Euro.

Regionale Unterschiede

Es ist bekannt, dass in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich streng bestraft wird. Eine interne Tabelle weist dies nach. Insofern gelten die hier genannten Strafrahmen nicht absolut, sondern sind lediglich Faustregeln.

Schwere Vergehen

Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes (Az. 1 StR 525/11) ist die Chance, auch bei schweren Steuervergehen um eine Haftstrafe herumzukommen, deutlich gesunken. Die Karlsruher Richter haben mit ihrer Entscheidung ein Urteil des Landgerichts Augsburg kassiert, das einen Unternehmer wegen 1,1 Millionen Euro hinterzogener Steuern nur zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt hatte. Dieses Strafmaß sei zu gering, entschied der BGH. Das Urteil liegt im Trend, glaubt Martin Wulf von der auf Steuerstrafrecht spezialisierten Kanzlei Streck Mack Schwedhelm: „In der Tendenz ziehen die Sanktionen an“, sagt der Jurist.

Hoeneß' Selbstanzeige ist nach Informationen des „Spiegel“ zwar plausibel, aber nicht detaillierte genug gewesen. Er legte demzufolge nach der Durchsuchung seines Hauses am Tegernsee eine nachgebesserte Version vor. Damit reichte er die Informationen möglicherweise zu spät ein, um eine Strafbefreiung zu ermöglichen.

Der Präsident des Bundesrechnungshofs, Dieter Engels, forderte, die Diskussion nicht auf den Fall des Bayern-Präsidenten zu beschränken. „Das ist unser Problem, nicht der Fall Hoeneß. Es steht nicht gut um die Steuergerechtigkeit in Deutschland“, sagte der Jurist dem „Tagesspiegel“. „In einigen Bundesländern droht nur alle 30 bis 50 Jahre eine Steuerprüfung, also praktisch gar nicht.“ Die Finanzämter benötigten deswegen mehr Personal.

Update: Die Staatsanwaltschaft München hat den Bericht des „Focus“ inzwischen bestritten.

Kommentare (13)

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28.04.2013, 14:56 Uhr

Keiner wird dem feinen Hrn. Hoeness etwas tun. Alles wird auf ene Steuerückerstattug rauslaufen und eine Entschuldigung der Steuerbehörden. Mir san mir en Bayern.

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28.04.2013, 15:00 Uhr

Natürlich wird ein feiner Hr. Hoehness von den Finanzbehörden im Vorfeld über das Auftauchen seiner schweizer Vermögensgegenstände informiert. Wir sind in Deutschland, was denkt ihr?

Account gelöscht!

28.04.2013, 15:12 Uhr

Ich fasse es nicht, da ist es über ein halbes Jahr bekannt, das Herr Hoeneß Steuern hinterzogen hat bzw. hinterzieht und das Verfahren wird nicht eröffnet. Das ärgert mich bei weitem mehr, als die Hinterziehung der Steuer. So entsteht immer mehr der Eindruck, das er noch von der Behörde/Politik bei seinem handeln gedeckt wird bzw. wurde.

Denn so wie man mitbekommen hat, hat er erst die Selbstanzeige getätigt, als er Informationen hatte, das es öffentlich wird. Es ko.... mich nur noch an, wie in hier im Land gemauschelt wird.

Menschen die nichts haben, werden bis auf Blut drangsaliert, wenn sie Leistungen vom Staat brauchen. Menschen (die sogenannte Elite) die es nicht nötig haben, wird der Arsch noch gepudert und die Möglichkeit, das sie aus so welchen Verfahren Straffrei rausgehen, ist auch noch gegeben.

Dieser Mann gehört in den Knast. Denn was er gemacht hat, war und ist kein Fehler, sondern es ist schlich und einfach ein Verbrechen.

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