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14.07.2011

14:44 Uhr

Medienunternehmer

Leo Kirch ist tot

Er hat ein Medienimperium aufgebaut - und fast alles wieder verloren. Bis zuletzt stritt er gegen die Deutsche Bank, die er für seine Insolvenz verantwortlich macht. Jetzt ist Leo Kirch im Alter von 84 Jahren gestorben.

Leo Kirch bei seinem letzten Auftritt in der Öffentlichkeit am 26. Mai 2011. Quelle: dapd

Leo Kirch bei seinem letzten Auftritt in der Öffentlichkeit am 26. Mai 2011.

MünchenDer Medienunternehmer Leo Kirch ist tot. Seine Angehörigen erklärten in München, der 84-Jährige sei am Donnerstag im Kreise seiner Familie friedlich verstorben. „Wir sind sehr traurig.“

Der öffentlichkeitsscheue Unternehmer hat viele Jahre den deutschen Medienmarkt maßgeblich geprägt. Sein Firmen-Imperium KirchGruppe handelte mit Filmrechten, mischte mit ProSiebenSat.1 im freiempfangbaren Fernsehen und mit Premiere - heute Sky Deutschland - im Pay-TV mit.

Finanziell geriet die Gruppe 2002 in eine Schieflage und musste schließlich angesichts immenser Schulden Insolvenz anmelden. Bis zuletzt machte Kirch die Deutsche Bank und namentlich deren damaligen Vorstandschef Rolf Breuer für seine Pleite verantwortlich. Dieser hatte sich in einem TV-Interview abfällig über Kirchs Kreditwürdigkeit geäußert, was Breuer heute als „Unfall“ bezeichnet.

Das Leben und Wirken des Leo Kirch

Die Herkunft von Leo Kirch

Der Medienunternehmer wurde am 21. Oktober 1926 in Würzburg geboren und ist jetzt im Alter von 84 Jahren gestorben. Sein Vater Robert war ein fränkischer Spengler und Nebenerwerbswinzer. Leo Kirch hat einen Bruder (Robert) und wuchs im Dorf Fahr bei Volkach auf.

Wo Dr. Kirch ausgebildet wurde

Leo Kirch studierte Betriebswirtschaft und Mathematik in seiner Geburtsstadt und in München, wo er später auch als Assistent arbeitete. Promoviert wurde er 1952 mit einer empirischen Untersuchung über den "Einfluss des Raumes auf die Reichweite des Verkehrs".

Familie

Mitte der 1950er-Jahre heiratete Leo Kirch. Seine Frau brachte 1957 Sohn Thomas zur Welt. Der einzige Sohn des Milliardärs war an der Kirch-Gruppe beteiligt, galt aber nie als potenzieller Nachfolger seines Vaters an der Spitze des Medienkonzerns.

Die Wurzeln von Kirchs Medienimperium

1955 legte Leo Kirch den Grundstein für sein späteres Medienimperium: Er gründete die Sirius-Film GmbH und kaufte Rechte an Kinofilmen mit dem Ziel, diese im Fernsehen auszustrahlen. Die vier Jahre später ins Leben gerufene Firma Beta-Film entwickelte sich zu einem Herzstück der späteren Kirch-Gruppe. Mit seiner Vertriebsfirma Taurus-Film wurde der Unternehmer innerhalb weniger Jahre zu einem unverzichtbaren Geschäftspartner der Sender ARD und ZDF.

Pionier des Privatfernsehens

Kirch spielte als Gesellschafter der Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenfernsehen (PKS) eine maßgebliche Rolle bei der ersten Ausstrahlung eines deutschen Privatfernsehprogramms am 1. Januar 1984. Aus der PKS entwickelte sich Sat 1 und später ProSieben, Kabel 1, N 24 sowie das Deutsche Sportfernsehen (DSF), K-toon/Junior und Neun Live. Bei sämtlichen Sendern hatte Kirch großen Einfluss.

Erfolgsgeheimnisse

Zum einen strebte Kirch nach einer Monopolisierung, zeitweise stammte jeder zweite im deutschen Fernsehen ausgestrahlte Film aus seinem Archiv; Ende der 1990er Jahre beherrschten zwei Senderblöcke den deutschen Privatfernsehmarkt: Kirchs Gruppe und die vom Bertelsmann-Konzern kontrollierte RTL-Group. Zum anderen wurde der Unternehmer bald auch in der Filmproduktion aktiv. So kontrollierte er die gesamte Verwertungskette von Medieninhalten - von der Herstellung über den Vertrieb, Senderechte, Synchronisation, Verleih, Video, Merchandising bis hin zur Ausstrahlung.

Einstieg bei Springer

Beim Börsengang des Axel-Springer-Verlags 1985 sicherte sich Leo Kirch einen Zehn-Prozent-Anteil. Als der Unternehmer diesen erhöhen wollte, kam es zum Streit mit Springer. Letztendlich hielt Kirchs Gruppe 40 Prozent an dem Verlag und zog Mitte 1993 in dessen Aufsichtsrat ein.

Scheu vor der Öffentlichkeit und deren Folgen

Leo Kirch stellte die Öffentlichkeit vor zahlreiche Rätsel. Unklar war etwa, ob der „Medienmogul“ in Folge einer starken Diabetes eine Sehschwäche hatte oder fast komplett blind war. Einblick in das Privatleben des Unternehmers war fast unmöglich. Die Geschäftspraxis seiner Unternehmen kam nur durch einige Gerichtsprotokolle ans Licht.

Bezahlfernsehen - auf's falsche Pferd gesetzt

Von 1989 setzte Kirch auf Bezahlfernsehen, in Kooperation mit Bertelsmann und dem französischen Canal Plus hob er den analogen Bezahlsender Premiere aus der Taufe. Probleme bei der Digitalisierung machte der von einem Kirch-Unternehmen entwickelte Decoder, die sogenannte D-Box, weil sie als störanfällig und kompliziert zu bedienen wahrgenommen wurde. Als sich Bertelsmann und Canal Plus bei Premiere zurückzogen, übernahm Kirch den Sender komplett und machte ihn zusammen mit seinem digitalen Bezahlkanal DF1 zu Premiere World. Abonnenten wollte er vor allem durch Vermarktungsrechte für Fußball und Formel 1 gewinnen. Letztlich kostete ihn das Bezahlfernsehen die Herrschaft über sein Unternehmen.

Gläubiger Katholik

Leo Kirch ist gläubiger Katholik. In einem Interview kommentierte er das drohende Aus für sein Unternehmen Anfang 2002 mit den Worten Hiobs: „Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen.“

Seitdem überzog Kirch Deutschlands größtes Geldhaus mit immer neuen Klagen und forderte Schadenersatz in Milliardenhöhe. Derzeit wird eines der Hauptverfahren vor dem Oberlandesgericht München verhandelt. Dort trat Leo Kirch zuletzt noch einmal persönlich auf. Es war sein letzter öffentlicher Auftritt, der 84-Jährige war schon schwer von seiner Krankheit gezeichnet.

Kommentare (3)

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Erstaunlichst

14.07.2011, 13:30 Uhr

tja. wer sich mit dem teufel einlässt, muss für den spott nicht sorgen. immerhin ist kirch ziemlich alt geworden, weise wurde er aber nicht. aber man kann ja parallelen aufbauen. damals war ein einzelner manager für den zusammenbruch und das ausschlachten einen großunternehmens zuständig. nun sinds halt die ratingagenturen und zugehörige hedgefonds, die damit reich und reicher werden und bürgerkriege provozieren. die welt wird immer schlimmer.

Hans

14.07.2011, 14:21 Uhr

Hat es die BreuerS** also ausgesessen...

aruba

14.07.2011, 15:42 Uhr

Guten Tag,.... Na dann braucht der fette Breuer sich nicht mehr in die Hose zu schei.... Schade, ich mochte Leo Kirch. Er war ein Kerl,..... und kein aalglatter Banker ( nicht Bankier, das ist etwas ganz anderes ) wie der Breuer. Mein Beileid. Besten Dank

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