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01.05.2016

20:28 Uhr

Meditation für Manager

Die Gurus bei Google

VonMiriam Schröder

Meditieren ist nicht länger nur was für Spinner, sondern gilt mittlerweile auch unter deutschen Managern als äußerst smart. Wie aber funktioniert das? Und was bringt es? Ein Tag bei Google unter den Achtsamkeitsprofis.

Das Thema Achtsamkeit, so viel hat sich inzwischen rumgesprochen, ist längst nicht mehr nur den Esoterikern und Spinnern vorbehalten Imago

Meditation für Manager

Das Thema Achtsamkeit, so viel hat sich inzwischen rumgesprochen, ist längst nicht mehr nur den Esoterikern und Spinnern vorbehalten

BerlinAls das Handy klingelt, geht ein missbilligendes Raunen durch das Publikum. Auf der Bühne wird gerade über Achtsamkeit gesprochen, über Konzentration und inneres Gleichgewicht in der Ära der digitalen Total-Überforderung. Da schaltet man das Smartphone doch wenigstens auf Vibration! Das Klingeln kommt allerdings aus der Tasche von Alexander Poraj, Zen-Meister der Linie „Leere Wolke“.

Der Meister selbst nimmt es gelassen. Warum sollen Gurus nicht mal vergessen, ihr Smartphone auszumachen. Schließlich hockt Poraj ja auch nicht barfuß auf irgendeinem Berggipfel, sondern im Büro von Google in Berlin. Rund 100 Führungskräfte, Meditations-Lehrer und Wissenschaftler haben sich an diesem Freitagmorgen hier zum Mind-Kongress versammelt. Organisiert hat ihn ein Start-up namens 7Mind, das eine Meditations-App entwickelt hat, die in kurzer Zeit mehr als hunderttausend Menschen heruntergeladen haben.

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Das Thema Achtsamkeit, so viel hat sich inzwischen rumgesprochen, ist längst nicht mehr nur den Esoterikern und Spinnern vorbehalten. Seit internationale Stars der Szene wie Jon Kabat-Zinn auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos mit Managern meditieren, gilt es im Gegenteil als ziemlich smart, sich einer Praxis aus Fernost zu bedienen, um besser zwischen Innen und Außen, zwischen Sinn und Unsinn unterscheiden zu können. Wie funktioniert das? Und was bringt es? Darum geht es heute.

Draußen lärmt die Stadt, drinnen lärmen die Gedanken. Das menschliche Gehirn empfängt 60.000 Impulse am Tag, sagt Alexander Poraj. Die Maschine läuft ständig. Er gibt jetzt eine kleine Einführung in die Zen-Meditation. Einige Teilnehmer haben gedacht, sie ziehen besser ihre Schuhe aus. Dabei sollen wir gar nicht denken. Nur atmen.

Das ist ganz schön schwierig. Es gehe bei der Meditation auch nicht darum, dass es angenehmer wird, sagt Poraj, sondern darum, in der Gegenwart anzukommen, eine Einsicht zu erlangen in die Beschaffenheit der Wirklichkeit.

Neue Studien zum Thema – Dem Stress auf der Spur

Aktiv sein statt rumhängen

Ein Arbeitsalltag wie im Hamsterrad: Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung und der Krankenkasse Barmer GEK von 2015 stoßen 18 Prozent aller Arbeitnehmer häufig an ihre Leistungsgrenzen, 23 Prozent machen keine Pause, schaffen es nicht mehr, dem steten Druck zu entrinnen. Kein Wunder, dass der Wunsch, einfach einmal auf die Stopptaste zu drücken, groß wird. Doch von hundert auf null – das gelingt kaum, was am Stresshormon Kortisol liegt. Es macht unruhig, aggressiv und lässt sich nicht einfach wegmeditieren. Experten empfehlen daher, nicht auf der heimischen Coach, sondern lieber im Wald bei einer Joggingrunde oder einem Spaziergang zu entspannen. Laut einer Studie der Universität Essex in Colchester wirken sich bereits fünf Minuten in freier Natur nachweislich positiv auf die Psyche aus.

Kalorien verbrennen langsamer

Einige Gestresste mögen bei hektischem Alltag sogar das Essen vergessen – es sind aber die allerwenigsten. Die anderen dürfen hingegen schnell den Gürtel weiter schnallen: Verursacher des unerwünschten Effekts ist das Stresshormon Kortisol, das den Stoffwechsel verändert und zur vermehrten Fetteinlagerung führt – vor allem im Bauch- und Taillenbereich. Studien der Ohio State University von 2014 belegen, dass unter hoher Belastung weniger Kalorien verbrannt werden und der Insulinpegel ansteigt. Zudem wird das Verlangen nach kohlenhydrat- und fettreichen Speisen höher.

Typisch männlich, typisch weiblich

Zunehmend fühlen sich Frauen wie Männer den Belastungen in der Arbeitswelt nicht mehr gewachsen. Was die Geschlechter allerdings voneinander unterscheidet, ist die Art und Weise, auf die Belastung zu reagieren. Sorgt bei männlichen Managern ein hoher Stressfaktor eher für Herz-Kreislauf-Probleme, macht er Frauen anfällig für psychische Erkrankungen. Eine Studie der Techniker Krankenkasse belegt, dass Frauen im Beruf erheblich mehr unter Druck geraten, weil sie höhere Ansprüche an sich selbst stellen als ihre männlichen Artgenossen. Sie fühlen sich zudem unter wesentlich höherem „Performance-Druck“. In einer Untersuchung der Psychologen Marilyn Davidson und Cary Cooper räumten weibliche Führungskräfte ein, häufiger das Gefühl zu haben, besser als ihre männlichen Kollegen sein zu müssen. Hinzu kommt bei den meisten Frauen eine hohe Zusatzbelastung durch Haushalt und Kinderbetreuung. Ganz so gleichberechtigt werden diese Arbeiten nämlich nach wie vor nicht aufgeteilt. Typisch männliche Stressfolgen sind neben Herzinfarkt und Schlaganfall auch Übergewicht, hoher Blutdruck sowie erhöhte Cholesterinwerte. Die Risiken dafür steigen vor allem bei Managern, die wöchentlich mehr als 60 Stunden arbeiten.

Zu wenig Schlaf, zu viel Alkohol

Die Gesellschaft wird schnelllebiger, die permanente Erreichbarkeit ist für viele selbstverständlich, selbst die Nachtruhe bringt längst nicht mehr die ersehnte Auszeit. Eine aktuelle Studie der Max-Grundig-Klinik in Bühl belegt, dass 27 Prozent aller Manager bis kurz vor dem Schlafen online sind, mehr als die Hälfte ein bis zwei Stunden vor der Nachtruhe. Auch das ist ein Grund dafür, dass mehr als jede zweite Führungskraft über Schlafprobleme klagt, der dauerhafte Stresspegel weiter ansteigt. „Es ist offensichtlich, dass der moderne Arbeitsstil, rund um die Uhr online zu sein, vielen Führungskräften die innere Ruhe raubt“, sagt Internist Curt Diehm. Beeinträchtigt wird der Schlaf in vielen Fällen allerdings auch vom Alkohol. Vier von zehn Chefs trinken abends in der Regel mehr als ein Glas Wein oder Bier.

Frust und mangelnde Anerkennung

Häufig entsteht Stress zwar im Arbeitsumfeld, aber nicht durch die schlichte Belastung. Wissenschaftler der Universität Helsinki gelang der Nachweis, dass die eigentlichen Auslöser des Alarmzustands negative Beziehungen und Emotionen sind. So setzt zum Beispiel eine dauerhafte Frustrationsspirale in Gang, wer sich ständig mit anderen vergleicht, beschreibt Michael Cohn von der Universität Michigan. Wer außerdem viel leistet, ohne dafür angemessen belohnt zu werden, hat ein doppelt so hohes Risiko, an Depression oder Herzinfarkt zu erkranken. Verursacher für Stress sind zudem mangelnde Anerkennung, zu wenig Kontrolle über das eigene Handeln und zu geringe Aufstiegschancen. Simone Wermelskirchen

Auch an das Atmen darf man nicht denken. Nicht länger, tiefer, besser atmen wollen. Nur atmen. Nicht auf das Vibrieren der Telefone in den Taschen hören. Nicht denken. Nicht mal an das Nichtdenken denken, denn das wäre ja schon ein Gedanke.

„Dein Körper weiß, wie man atmet, er braucht Dich dazu nicht“, sagt Poraj. Und dass Konzentration von „con centro“ kommt: „Mit der Mitte. Nicht mit der Birne.“

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