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27.09.2012

12:54 Uhr

Mentale Stärke

So finden Sie den besten Coach

VonJulia Rotenberger

Ob für Kommunikationstraining, Burnout-Prävention oder Hilfe bei Veränderungen im Betrieb – Coaches sind in Unternehmen gefragter denn je. Doch der Branche fehlt Einigkeit. Bei der Auswahl der Trainer folgen Firmen deshalb ihre eigenen Kriterien.

Coaches sind im Sport weit verbreitet. Inzwischen ist das Motivationstraining aber kein Privileg mehr von Sportlern und hochbezahlten Managern. dpa

Coaches sind im Sport weit verbreitet. Inzwischen ist das Motivationstraining aber kein Privileg mehr von Sportlern und hochbezahlten Managern.

DüsseldorfTrainingshose, Mikro und ein rotes Stirnband – das sind die Markenzeichen von Christian Bischoff. Mit seinen Vorträgen zu Motivation, Selbstvertrauen und mentaler Stärke füllt der ehemalige Basketball-Profi und heutiger Coach Hallen, auch die von großen Unternehmen wie Siemens, Bosch oder Kraft. „Seit der Krise zeigt sich bei Firmen die Tendenz, nicht nur die Motivation steigern zu wollen, sondern auch den Sinn in dem zu erkennen, was Sie tun“, sagt der Coach.

Bischoff ist Teil einer Branche, die in den vergangenen Jahren kräftig geboomt hat und nun langsam zu ihrem Zenit findet. Ursprünglich ein Privileg hochbezahlter Manager und Sportler, sind Coaches inzwischen auf allen Unternehmensebenen unterwegs. Generationswechsel im Betrieb, zunehmende Internationalisierung, Training von Führungskräften – es scheint, als ginge das alles den Betrieben mit dem passenden Coach besser von der Hand.

Wie gehen Sie mit Stress und Ärger um?

Den Stress erkennen

Denken Sie darüber nach, welche Faktoren Stress auslösen und bringen Sie diese in eine Rangfolge. Nicht alle Gründe wiegen gleich schwer. Stressauslöser, die bisher als unumgänglich gelten, könnten zu körperlicher und seelischer Beeinträchtigung führen.

Die Gesundheit leidet

Viele vermeiden es über Jahre, sich Erschöpfung einzugestehen. Ein Burnout kann ein schleichender Prozess sein. Jahrelanger Medikamenten- oder Alkoholmissbrauch, Autoimmunerkrankungen oder psychische Auffälligkeiten weisen auf Erschöpfung hin.

Neue Energie gewinnen

Hinterfragen Sie, wo Sie wie viel Energie investieren und ob es sich lohnt. Hinterfragen Sie Ihre innere Motivation und konzipieren Sie um. Schaffen Sie es, Ihr Energielevel unter Kontrolle zu halten, bleibt mehr für die Freizeit übrig.

Sich selbst leiden können

Eine positive Selbstbewertung senkt das Stresslevel. Fangen Sie morgens an mit einer positiven Grundstimmung und versuchen Sie, dieses Gefühl den Tag über zu halten. Positive Selbstgespräche oder kurze tägliche Rituale helfen dabei. Auch malen, schreiben oder eine freundliche Büroeinrichtung wirken positiv.

Lähmenden Ärger loswerden

Ärger kann in kürzester Zeit zu Antriebslosigkeit führen. Das Take-Care-Prinzip soll helfen, sich weniger zu ärgern: Versuchen Sie zunächst, Ärger von sich fernzuhalten. Nicht jede Meinungsverschiedenheit mit Kollegen oder den Nachbarn ist einen Streit wert. Falls es doch dazu kommen sollte, distanzieren Sie sich innerlich. Einen Witz machen kann helfen. Sollte es doch heftiger kommen, ist es wichtig, sich beim Sport oder über einen Urschrei abzureagieren.

Das Leben wieder in die eigene Hand nehmen

Wer sich aufgibt, wird zum Spielball der Umgebung. Bestärken Sie sich jeden Tag darin, dass Sie über Ihr eigenes Lebens bestimmen. Conen empfiehlt: „Lernen Sie, mitten im Geschehen zu sein und doch darüber zu stehen.“ Sie kommen mit Störungen besser zurecht, wenn Sie sich als freier und selbstbestimmter Mensch fühlen.

Intuition nicht verkümmern lassen

In kritischen Situationen spontan regieren zu können, ist nicht nur auf der Straße wichtig. Auch im Büro sollte die Bedeutung des Bauchgefühls nicht unterschätzt werden. Wer in Situationen mit Kollegen und Kunden zu kopflastig reagiert, kann sie in Sekunden vergraulen. Laut Conen ist Intuition lernbar – und kann wieder erweckt werden, falls man dazu bereit ist.

Das Bauchgefühl verbessern

Lernen Sie ihre Sinne wieder einzusetzen. Riechen und fühlen Sie die Natur oder konzentrieren Sie sich auf die verschiedenen Bestandteile ihres Essens. Verlangsamen Sie eine Aktivität wenn es möglich ist und genießen Sie den Augenblick. Versuchen Sie die Umgebung abzuscannen und sich einzuprägen.

Den anderen mit dem Bauch betrachten

Achten Sie nicht nur darauf, was Personen in Ihrem Umfeld sagen, sondern auch, wie sie es sagen. Die Wechselwirkung mit dem Gegenüber und die Umstände einer Konversation beeinflussen das Ergebnis in hohem Maße.

Selbstkontrolle

Dabei sollte die Selbstbeobachtung nicht vergessen werden. Intuitive Selbstkontrolle hilft, während eines Gesprächs die Reaktionen seines Gegenübers nicht zu übersehen. Wie Sie auf andere wirken, lässt sich leicht bei einem Abschied erkennen. Ist die Situation entspannter, als bei der Begrüßung, hat sich der Gesprächspartner wohl gefühlt.

Intuitiv entscheiden

Egal ob im Beruf oder im Privatleben, eine Entscheidung sollte nicht alleine aus dem Kopf heraus getroffen werden. Beziehen Sie Ihren Bauch mit ein. Auch wenn Sie ein Gefühl rational nicht nachvollziehen können, sollten Sie versuchen, es zu ergründen. Es könnte sein, dass ihre innere Stimme weiser ist, als Sie in diesem Augenblick.

Aufbrechen oder Ausharren?

Jede Veränderung schenkt ein Stück neues Leben. Dennoch ist nicht jeder Unmut Grund genug, alles über den Haufen zu werfen. Veränderung ist kein Allheilmittel. Tiefen durchzustehen ist das eine, chronischer Frust das andere.

Das Chamäleon-Prinzip

Das Chamäleon sollte das Tier dieses Jahrhunderts werden. Es zeigt alle Fähigkeit, die heute notwendig sind. Vor allem kann es sich auf veränderte Bedingungen einstellen. Es geht nicht darum, seine Authentizität zu verlieren. Es geht darum, sich nicht mehr zu wünschen, dass alles wieder so wird, wie es mal war. Das macht unglücklich. Wagen Sie in der Jobkrise den Sprung in eine zweite Karriere.

Entdecken Sie alle Ihre Fähigkeiten

Stellen Sie sich vor, Sie wären Gast im Ratequiz „Was bin ich?“. Welche Eigenschaften, und dazu zählen eben auch die kleinen Fähigkeiten, machen Sie aus? Protokollieren Sie die Bereiche, die bisher noch nicht ausreichend zur Geltung kommen. Da gibt es bestimmt mehrere.

Entwickeln Sie sich weiter

Seminare, lebenslanges Lernen, neue Herausforderungen. Nutzen Sie wirklich alle Ihre Bildungsurlaubstage? Haben Sie wirklich schon alles gelernt, was Sie sich vorgenommen haben? Trainieren Sie, nicht zu schnell zu satt zu sein und fordern Sie von sich selbst, mehr aus sich zu machen.

Reagieren Sie schneller

Seien Sie die Schlange, nicht das Kaninchen. Reagieren Sie schneller als die anderen. Also erwarten Sie stets das Unerwartete, lernen Sie zu improvisieren, lösen Sie sich rasch von Denkmustern. Und vor allem: verändern sie Gewohnheiten.

Den richtigen Profi zu finden, ist aber alles andere als einfach – der Markt wird immer kleinteiliger. „Die Professionalisierung von Coaching-Dienstleistungen ist in vollem Gange“, sagt Peter-Paul Gross, Coaching-Forscher an der Phillips-Universität in Marburg. Das Marktwachstum ließe nach, ein Differenzierungswettbewerb setze ein. Allein im Bereich Business-Coaching haben Unternehmen inzwischen die Wahl zwischen circa 8000 Coaches.

Noch mehr Anbieter dürften sich im Bereich des Life-Coachings tummeln. Dabei geht es nicht um Firmenstrategien, sondern um Lebenshilfe. Wer sich spezialisiert, hat angesichts der großen Konkurrenz gute Chancen – Coaches, die sich nur um einen bestimmten Bereich kümmern, bekommen mehr Aufträge als Generalisten.

Daran erkennen Sie einen guten Coach

Coach setzt klaren Zeitrahmen

Das Coaching soll vom Volumen her überschaubar sein. "Never-Ending-Stories" sollen vermieden werden auch, um Abhängigkeitsverhältnissen vorzubeugen.

Coach prüft, ob die Maßnahme überhaupt sinnvoll ist

Ein guter Coach prüft, ob Coaching für seinen Adressaten überhaupt die richtige Maßnahme ist. Das Interesse des Auftraggebers (also der Oraganisation oder des Unternehmens) muss sich mit den Interessen des Coachees nicht decken. Ein guter Coach muss aber die Interessen aller Beteiligten berücksichtigen.

Der Coach sagt auch "nein".

Ein guter Coach lehnt Aufträge ab, wenn sie nicht seinen Kompetenzen entsprechen oder sich nicht mit seinen Schwerpunktthemen befassen. Damit gemeinsam definierte Ziele erreicht werden können, muss die Leistungserwartung des Klienten und das Leistungsvermögen des Coaches einander entsprechen.

Coach spricht über seine Methoden

Ein guter Coach benennt die einzelnen Prozessphasen explizit und stellt in Grundzügen sein methodisches und konzeptionelles Vorgehen dar. Der Auftraggeber soll genau überblicken können, worauf er sich einlässt.

Coach lässt Zeit zum Nachdenken

Die Entscheidung für ein Coaching soll der Klient bewusst und ohne Druck treffen - deshalb gibt ein guter Coach dem Klienten nach dem Kennenlerngespräch Bedenkzeit.

Coach erkennt seine Grenzen

Ein guter Coach erkennt Themen und Umstände, die zusätzlicher Beratung bedürfen und leitet diese ein. Dabei kann es sich zum Beispiel um eine Therapie, Eheberatung oder medizinische Behandlung handeln.

Quelle

Deutscher Bundesverband Coaching e.V. (Hrsg.): Checkliste für Auftraggeber und Klienten. Vorgelegt vom Fachausschuss Mittelstand. Osnabrück: 2010.

Dabei ist die Wahl des richtigen Coaches vor allem eine Sache des Vertrauens. „Weder Coaches noch Kunden sind in der Lage, die Qualität von Coaching-Dienstleistungen einwandfrei zu evaluieren“, sagt Gross. Die Dienstleistung „Coaching“ habe die Eigenschaften eines Vertrauensgutes. „Bei der Auswahl eines Coachs sollte immer auch der Bauch mitentscheiden.“ Spezialisierung, Arbeits- und Branchenerfahrung müssten bei der Wahl ebenfalls berücksichtigt werden.

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Dagegen sei die Mitgliedschaft im Berufsverband kein sicheres Zeichen für einen guten Coach: „Es entstehen ja immer wieder neue Verbände und Zertifikate“, sagt Gross. Manche sind sehr selektiv – wie zum Beispiel Deutscher Bundesverband Coaching – andere weitaus weniger wählerisch, was ihre Mitglieder angeht. Bei 20 Coaching-Vereinen, über 200 verschiedenen Coaching-Ausbildungen und 300 Coaching-Zertifikaten, ist es schwer, den Durchblick zu behalten. „Aktuell sehe ich noch keine langfristige Konsolidierung hin zum einem einheitlichen Standard für Coaching-Ausbildungen und Berufsvoraussetzungen“, so der Marburger Wissenschaftler.

Kommentare (4)

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grosse-Zweifel

27.09.2012, 15:04 Uhr

Allein im Bereich Business-Coaching haben Unternehmen inzwischen die Wahl zwischen circa 8000 Coaches.

Wenn man den Sektor ein bisschen kennt, dann stellt es einem die Haare auf. Es gibt nämlich keine Kriterien, wie die Ausbildung eines Coaches auszusehen hat. Somit sind die meisten, die mir über den Weg gelaufen sind auf diversen Kongressen, äusserst zweifelhafte Figuren, die stark an NLP Typen à la Tim Robbins erinnern. Hokuspokus also. Äusserst hochbezahlter Hokuspokus.

Wenn jemand also meint, er bräuchte einen Coach, so sollte man zumindest jemand wählen, der sich mit Psychologie auskennt (und dies studiert hat min. Masterniveau) und darüber hinaus über die nötigen Kenntnisse mit dem Arbeiten mit Systemen/Indiviualpersonen verfügt in Form von mehrjährigen Zusatzausbildungen.

Ehemalige Basketballspieler, die glauben, das Licht gesehen zu haben, erregen bei mir Zweifel, die sich durch Observation in Ausbildungsstituationen zur Allergie verdichtet haben. Vor allen Dingen, da sie oft einen ziemlich unverschämten und völlig ungerechtfertigten Preisanspruch haben, wodurch Leute sich sogar noch fangen lassen. "Wenn er soviel Geld verlangen kann, dann muss er es schon drauf haben".

Eine seriöse Ausbildung sollte man schon vorweisen können. Ansonsten könnte es sein, dass man feststellt, man hat einen Haufen Geld zum Fenster rausgeworfen und die Probleme sind wieder da (es gibt nämlich immer eine Erstverbesserung, nur ob diese stabil ist, ist die Frage).

Bildungsmetropole

27.09.2012, 16:59 Uhr

Schade, dass das Handelsblatt hier Trainer, Coaches und Impulsredner scheinbar synonym verwendet.

Eine Differenzierung zwischen

XXX Impulsvorträgen als Großveranstaltung (deren Wirkung jedoch erst Kraft entfaltet, wenn diese nachbearbeitet werden),

XXX Trainings, in denen oft methodische Skills vertieft werden und

XXX Coachings (die Branche wirkt uneinig, ob das nur Einzeln oder auch in Gruppen geht), die, wie beschrieben primär persönliche und soziale Kompetenzen im Fokus haben,

wird mir dabei leider nicht deutlich. Genau diese halte ich jedoch für wesentlich, wenn es darum geht, die Person auszuwählen, die mir genau das bietet, was ich suche.

Das Therapie-Bild suggeriert, dass hier "ruhig" Überschneidungen passabel sind, genau das lässt aber ein guter Coach nicht zu, zitieren Sie Peter-Paul Gross.

Dieser insgesammt wenig differenzierende Artikel bringt mir entsprechend mehr Unklarheit, als konkrete Hilfestellung.

Schade, denn genau eine solche Klarheit könnte passende von unpassenden Angeboten oder Anbietern trennen.

Pepe

02.10.2012, 12:38 Uhr

Die undifferenzierte Darstellung und Verwendung der Begriffe "Training" und "Coaching" in diesem Artikel ist unglücklich und wird von mir hiermit kritisiert.

Wir unterscheiden in unserer Forschung sehr genau:

Trainings sind gruppenbasierte Personalentwicklungsdienstleistungen, die i.d.R. das Ziel haben, auf eine Norm hin zu arbeiten. Bsp. bei SAP Training gibt es eine Norm für den Wissens- und Anwendungsstand der Mitarbeiter, welche durch das Training erreicht werden sollen.

Beim Coaching handelt es sich primär um eine individuelle personenbezogene Dienstleistung bei der die Selbstreflexionsfähigkeit des Coachee gestärkt werden soll. Coaching kann dazu dienen,
- die Problemlösungs- und Lernfähigkeit der Mitarbeiter/innen zu verbessern,
- gleichzeitig die individuelle Veränderungsfähigkeit zu erhöhen und schließlich
- das Spannungsfeld zwischen den persönlichen Bedürfnissen, den wahrzunehmenden Aufgaben (Rolle) und den übergeordneten Unternehmenszielen auszuhalten oder auszubalancieren.

In der Forschung unterscheiden wir in Life-Coaching-Angebote (Leistungen zu primär privaten Anliegen und Anlässen) und Business-Coaching-Angeboten (Leistungen zu primär berufsbezogenen Anliegen und Anlässen).

Unsere Einschätzung von ca. 8.000 Coachs in Deutschland basiert auf Daten zur Einkommenssteuer des statistischen Bundesamtes und bezieht sich auf Business-Coachs.

Bei unseren Erhebungen legen wir großen Wert darauf, dass nur Coachs teilnehmen, die ihre Dienstleistungen Unternehmen anbieten. Dass es sehr viel mehr Anbieter gibt, die ihre Dienstleistungen durch das Anhängsel "Coaching" versuchen zu adeln (bspw. Koch-Coaching, Astra-Coaching, Flirt-Coaching, etc.) oder die Trainingsdienstleistungen anbieten, ist bekannt.

Unsere Forschung bezieht sich auf Business-Coaching.

Nähere Informationen finden Sie unter:
www.marburgercoachingstudie.de

Beste Grüße
Peter-Paul Gross

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