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17.12.2015

16:31 Uhr

Merck-Chef

Kley liebäugelt mit Chefaufseher-Job bei Lufthansa

Der derzeitige Oberaufseher der Lufthansa heißt Wolfgang Mayrhuber – und zwar noch bis 2018. Das hält den scheidenden Merck-Chef Karl-Ludwig Kley nicht von einer Bewerbung ab. Insider sprechen von einer „Kampfansage“.

Seit 2013 gehört Kley dem Aufsichtsrat an. Nun will er weiter hinaus – und zwar auf den Posten des Chefaufsehers. dpa

Nachfolge für Mayrhuber?

Seit 2013 gehört Kley dem Aufsichtsrat an. Nun will er weiter hinaus – und zwar auf den Posten des Chefaufsehers.

BerlinLufthansa -Aufsichtsrat Karl-Ludwig Kley bringt sich für den Posten des Oberaufsehers der Fluglinie ins Gespräch. „Würde ich gefragt, wäre es mir eine Ehre, ja zu sagen“, sagte der scheidende Chef des Pharma- und Chemiekonzerns Merck dem „manager magazin“ in einem am Donnerstag vorab veröffentlichten Interview. Im Umfeld des Konzerns hieß es zu Kleys Vorstoß: „Das ist eine Kampfansage.“ Die Airline erklärte nur, Wolfgang Mayrhuber sei noch bis 2018 Aufsichtsratschef. „Es gibt keine Absichten, daran etwas zu ändern.“ Deshalb bestehe derzeit auch „keine Notwendigkeit über eine Nachfolge zu spekulieren“. Der 64-jährige Kley ist noch bis Ende April 2016 Chef von Merck. Zwischen 1998 und 2006 war Kley bereits Finanzchef der Lufthansa.

Das Magazin berichtete, in Aufsichtsratskreisen der Fluggesellschaft sei zuletzt der Eindruck entstanden, der 68-jährige Mayrhuber wolle sich aus persönlichen Gründen möglicherweise aus dem Amt zurückziehen. Mayrhuber lehnte den Angaben zufolge einen Kommentar gegenüber dem „manager magazin“ ab.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Kley ist seit 2013 Mitglied im Aufsichtsrat und gehört seit gut eineinhalb Jahren dem Präsidium des Gremiums an. Er sagte dem Magazin, er erkläre seine Bereitschaft „in dem vollen Bewusstsein der riesigen Aufgabe, diese Ikone der deutschen Wirtschaft zu stärken“. Die Lufthansa kämpft gegen die harte Konkurrenz von Billig-Fliegern und Airlines aus der Golf-Region. Zudem kommen die Tarifkonflikte mit den Piloten und dem Kabinenpersonal kaum voran, weil die Lufthansa-Führung die Kosten insgesamt drastisch senken will.

Von

rtr

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