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16.03.2017

14:20 Uhr

Merkel-Reise nach Washington

Was die Dax-Bosse Donald Trump sagen sollten

VonUlf Sommer

Deutsche CEOs wie Siemens-Boss Joe Kaeser und Harald Krüger von BMW begleiten Kanzlerin Merkel auf ihrem Trip in die USA. Sie täten gut daran, Präsident Trump einige Fakten zur Wirtschaftslage zu vermitteln. Eine Analyse.

Der Siemens-Chef begleitet Angela Merkel auf ihre USA-Reise. AFP; Files; Francois Guillot

Joe Kaeser

Der Siemens-Chef begleitet Angela Merkel auf ihre USA-Reise.

DüsseldorfAngela Merkel trifft am Freitag erstmals persönlich auf Donald Trump. Viel ließ sich die Kanzlerin im Vorfeld nicht entlocken, was sie dem US-Präsidenten bei ihrem verschobenen Besuch sagen will. Und das ist auch gut so. Denn das direkte Vier-Augen-Gespräch mit dem streitbaren Staatschef ist immer noch sehr viel besser, als wenn beide Regierungschefs übereinander reden.

Doch was könnten BMW-Chef Harald Krüger, Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser, Schaeffler-Boss Klaus Rosenfeld und einige andere Vorstandschefs, die Merkel auf ihrer heiklen Mission begleiten, vorbringen?

Wie wichtig die USA für die deutsche Wirtschaft sind

Handel

2015 wurden die USA der wichtigste Exportkunde der deutschen Unternehmen, nachdem über mehr als sechs Jahrzehnte Frankreich diese Position innehielt. 2016 behaupteten die Vereinigten Staaten ihre Spitzenposition: Waren im Wert von rund 107 Milliarden Euro wurden damals dorthin verkauft - vor allem Fahrzeuge, Maschinen und chemische Produkte. Das entspricht einem Anteil von etwa zehn Prozent an den gesamten Ausfuhren. Umgekehrt importierte Deutschland Waren im Wert von knapp 58 Milliarden Euro aus den USA, was sechs Prozent aller deutschen Einfuhren entspricht.

Jobs

Mehr als eine Million Jobs in Deutschland hängen direkt oder indirekt von den Exporten in die USA ab. Weitere 630.000 Arbeitsplätze gibt es in Betrieben, die von US-Firmen kontrolliert werden. Allein McDonald's Deutschland zählte 2015 etwa 58.000 Mitarbeiter, der Personaldienstleister Manpower 27.000 und die Ford-Werke gut 25.000. Umgekehrt schaffen deutsche Unternehmen in den USA ebenfalls Hunderttausende Stellen. Größter deutscher Arbeitgeber ist dort die Deutsche-Post-Tochter DHL mit aktuell mehr als 79.000 Mitarbeitern. Siemens beschäftigt in den USA rund 50.000 Frauen und Männer.

Investitionen

Die deutschen Unternehmen haben mehr als 271 Milliarden Euro an Direktinvestitionen in den USA - etwa Fabriken und Immobilien. Mehr als 3700 Unternehmen sind in den Vereinigten Staaten tätig. Allein die 50 größten deutschen Firmen dort kommen auf einen Jahresumsatz von 400 Milliarden Dollar. Auch US-Unternehmen haben erhebliche Beträge in Deutschland investiert: Der Bestand summiert sich auf rund 27 Milliarden Euro. 2015 wurden 252 neue Projekte hierzulande von US-Firmen gestartet, von Neuansiedlungen auf der grünen Wiese über Erweiterungen bis hin zu Standortwechseln. Nur chinesische Unternehmen waren aktiver. Die 50 größten US-Unternehmen kommen in Deutschland auf einen Jahresumsatz von rund 170 Milliarden Euro.

Vermutlich werden sie zunächst wohlwollend und staatstragend auf die jahrzehntelange enge Partnerschaft ihrer Unternehmen in beiden Staaten verweisen. Sie werden selbstverständlich nicht abstreiten, dass Deutschland Jahr für Jahr Waren im Wert von rund 100 Milliarden Euro in die USA ausführen. Und, ja, sie werden pflichtschuldig einräumen, dass deutsche Firmen gemessen and der Wirtschaftskraft beider Länder sehr viel mehr Waren in den USA verkaufen, als die Amerikaner dies in Deutschland je erreichten.

Aber Krüger & Co. sollten zugleich auch selbstbewusst darauf verweisen, dass 4000 deutsche Unternehmen in den USA Standorte haben und dort jährlich über 400 Milliarden Euro umsetzen. Und das nicht mit deutschen, sondern mit einer dreiviertel Million amerikanischen Angestellten. Allein BMW baute im vergangenen Jahr in den USA 400.000 Autos. Das Werk in Spartanburg in South Carolina, wo fast alle Geländewagen der x-Reihe produziert werden, ist inzwischen der weltweit größte Produktionsstandort der Münchener.

Wichtige Zitate aus Trumps Kongressrede

Über einstige Feinde und neue Freunde

„Wir wollen Frieden, wo immer Frieden möglich ist. Amerika ist heute mit einstigen Feinden befreundet. Einige unserer engsten Verbündeten haben in den Weltkriegen vor Jahrzehnten auf der anderen Seite gekämpft.“

„Amerika ist bereit, neue Freunde zu finden und neue Partnerschaften zu schmieden, wenn es im Einklang mit gemeinsamen Interessen liegt. Wir wollen Harmonie und Stabilität, nicht Krieg und Konflikte.“

Zum Kampf gegen den Islamischen Staat

„Wir werden mit unseren Partnern zusammenarbeiten, einschließlich unseren Freunden und Verbündeten in der muslimischen Welt, um diesen schändlichen Feind vom Antlitz unserer Erde auszulöschen.“

Zu Obamacare

„Ich rufe alle Demokraten und Republikaner im Kongress auf, die Amerikaner vor dem implodierenden Desaster von Obamacare zu beschützen.“

Zu jüngsten Hassverbrechen

„Die jüngsten Drohungen gegen jüdische Einrichtungen und der Vandalismus auf jüdischen Friedhöfen erinnern uns ebenso wie die tödlichen Schüsse in Kansas City daran, dass wir ein Land sein mögen, das in seinen Politikansätzen geteilt ist – das aber zusammensteht, wenn es den Hass und das Böse in seiner ganzen Hässlichkeit verdammt.“

Über innere Sicherheit

„Es ist nicht mitfühlend, sondern rücksichtslos, unkontrollierten Zugang (in das Land) von Orten zu ermöglichen, wo es keine angemessene Überprüfung geben kann.“

„Wir dürfen keinen Brückenkopf des Terrorismus in unserem Land zulassen.“

Über eine Einwanderungsreform

„Eine wirkliche und positive Einwanderungsreform ist möglich.“

Zu einer Steuerreform

„Um unsere Ziele im Land und im Ausland zu erreichen, müssen wir den Motor der amerikanischen Wirtschaft wieder anwerfen.“

Aufruf zu Optimismus und Mut

„Die Zeit für Denken in kleinen Dimensionen ist vorbei.“

„Die Zeit für banale Kämpfe ist vorüber.“

„Wir brauchen nur den Mut, die Träume zu teilen, die unsere Herzen füllen.“

„Von nun an wird Amerika von unserem Streben befähigt – nicht von unserer Furcht belastet.“

„Nun beginnt ein neues Kapitel amerikanischer Größe.“

Über 100.000 Arbeitsplätze hat die deutsche Autoindustrie in den USA geschaffen. Bei BMW, Daimler und VW arbeiten rund 35.000 Amerikaner, hinzu kommen über 70.000 Beschäftigte bei vielen Zulieferern, die sich im Umfeld von Spartanburg, Chattanooga (Volkswagen) und Tuscaloosa (Daimler) angesiedelt haben. Nicht auszudenken, was die Gouverneure dieser US-Bundesstaaten sagen würden, wenn Trump den Deutschen künftig das Leben schwer macht und diese daraufhin ihr Engagement zurückfahren.

Kommentare (15)

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16.03.2017, 14:36 Uhr

Die DAX Bosse werden sich leise verhalten, weil diese Dax Bosse ja schließlich was von Trump und Trump nicht von ihnen will....Diese vaterlandslosen Dax Konzerne wollen nämlich der US Absatzmarkt weiter mit billigen Importwaren besetzt halten....das wird Trump nicht zulassen...entweder es wird in den USA gebaut und verkauft oder es kommt eine Importsteuer auf die Produkte, die außerhalb der USA gebaut worden sind. Somit werden nicht nur die Dax Konzerne ihre Arbeitsplätze von Deutschland in die USA verlegen müssen sondern auch noch die Zulieferfirmen....wer in Zukunft sein Produkt in den USA verkaufen will, der muss es auch in den USA herstellen und damit in den USA Arbeitsplätze schaffen. Diese Poltiik betreibt übrigends China schon seit Jahren...wer in China verkaufen will, der muss auch in China produzieren und sogar einen Chinesischen Partner mit ins Boot holen. Die USA und die EU-Deutschland haben sich jahrelang wie eine Weihnachtsganz von der Globalisierungsmafia der Finanz- und Wirtschaftswelt von hörigen und machtgeilen Poltiikern (Draghi, Junker, Schulz, Obama, Clinton, Merkel...) ausnehmen lassen.
Zeit auf zu wachen um genauer hinzuschauen. Mut zur Wahrheit. Danke!

Frau Edelgard Kah

16.03.2017, 14:48 Uhr

Sehr geehrter Herr Sommer,

dass deutsche Firmen Zweigwerke in den USA errichtet haben, dort produzieren und rund 770 000 amerikanische Mitarbeiter beschäftigen, weiß Donald Trump wahrscheinlich schon seit 50 Jahren. Für Trumps Ziel, das Defizit der amerikanischen Handelsbilanz ganz wesentlich zu verringern, bringt diese Erkenntnis aber überhaupt nichts.

Um den amerikanischen Präsidenten von Einfuhrzöllen oder einer Grenzausgleichssteuer abzubringen, muß man ihm etwas anbieten. Meinetwegen Rüstungskäufe der Bundeswehr mit hohem Volumen. Oder eben etwas anderes. Auf jeden Fall verlaufen Verhandlungen nie so, dass eine Partei mit leeren Händen nach Hause kommt und den eigenen Anhängern erzählt, man hat mir unser Anliegen ausgeredet.

Natürlich kann man auch mit Gegenmaßnahmen im Rahmen der EU oder der WTO drohen. Aber dann muß man auch zu einem Handelskrieg bereit sein.

Herr Tom Schmidt

16.03.2017, 14:51 Uhr

Sie könnten z.B. noch sagen, dass nicht der deutsche Export nach USA das Problem ist, sondern das Ausbluten der USA nach China. Im Gegensatz zu China macht Deutschland keine Billiglohnkonkurrenz. Im Gegenteil: 6 Wochen Urlaub und die Kosten für eine Arbeitsstunde jenseits der 30 Dollar!

Sie könnten sagen, dass im Vergleich zu anderen der deutsche Export neben den Autos hauptsächlich aus Investitionsgüter besteht.

Sie könnten sagen, dass Deutschland es aus kulturellen Gründen nie geschafft hat eine Dienstleistungsgesellschaft zu etablieren, was sich jetzt als Glück erwiesen hat. Aber: wenn Trump die USA re-industrialisieren will... dann sind wir seine besten Freunde! Da machen wir wirklich mit! Dann stellen sich unsere Unternehmen transatlantisch auf, damit sind uns dann Wechselkursschwankungen egal (statt dem blödsinnigen Spielchen der Zentralbanken). Da schaffen wir gerne eine Menge Arbeitsplätze in den USA!!!

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