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18.01.2007

06:42 Uhr

Michael Otto

Otto ohne Otto

VonGregory Lipinski

Michael Otto zieht sich in den Aufsichtsrat des weltgrößten Versenders zurück. Der 50-jährige Hans-Otto Schrader übernimmt die Macht. Ottos Entscheidung kommt nicht unerwartet – der 63-Jährige hatte angekündigt, diesen Weg vor seinem 65. Geburtstag einzuschlagen. Im Gegensatz zu seinem eigenen Plan, hat sich sein Lebenstraum bisher nicht erfüllt.

Michael Otto gibt die Leitung des Konzerns in familienfremde Hände. Foto: dpa Quelle: dpa

Michael Otto gibt die Leitung des Konzerns in familienfremde Hände. Foto: dpa

HAMBURG. Eigentlich hatte sich Michael Otto gewünscht, dass sein Sohn Benjamin an die Spitze des Hamburger Versandhausriesen rückt. Doch sein Filius verfolgt seit Jahren andere Pläne. Kaum bemerkt von der Öffentlichkeit, rüstet der 31-Jährige lieber Privathäuser und Büros mit Heimkinos, Musikanlagen und Konferenzräumen aus – und das mit Erfolg.

Nun fällt die Wahl auf einen familienfremden Chef. Hans-Otto Schrader soll zum 1. Oktober dieses Jahres den Vorstandsvorsitz des weltgrößten Versenders übernehmen. Er löst Otto ab, der vor Erreichen seines 65. Geburtstags in den Aufsichtsrat wechselt. Schrader, dem Rainer Hillebrand als Stellvertreter zur Seite gestellt wird, führt künftig ein milliardenschweres Katalogimperium mit weltweit mehr als 55 000 Beschäftigten. Zum Konzern gehören Universalversender wie Schwab, Baur und Otto – mit dem bekannten Werbeslogan: „Otto ... find’ ich gut“.

Der künftige Vorstandschef hat sein ganzes Berufsleben im Konzern verbracht. Bereits 1977 stößt der Mann mit dem dunklen, leicht wilden Haarschopf und der energischen Stimme als junger Betriebswirt zum Hamburger Versandhandelskonzern. Er durchläuft im Schnelldurchgang verschiedene Stationen im In- und Ausland. Unter anderem wird er Einkaufsleiter in Hongkong und Direktor der Importorganisation der Otto-Gruppe. Dann steigt er 1999 in den Vorstand der Otto-Gruppe auf und kümmert sich um Organisation und Personal. Und 2005 übernimmt er die Verantwortung im Vorstand für den Einkauf des Otto-Versands.

Sein Aufstieg überrascht Unternehmenskenner kaum. Seit Jahren fällt Schrader beim Firmenchef immer wieder positiv auf. So beweist er nicht nur ein geschicktes Händchen in Preisverhandlungen mit Lieferanten. Auch als jahrelanger Personalchef macht er eine gute Figur. Er gilt bei Arbeitnehmern, Betriebsräten und Gewerkschaften als beliebt und angenehm. „Schrader ist ein Mann, der auf die Gewerkschaften zugeht. Man konnte mit ihm immer gut zusammenarbeiten“, meint Verdi-Vertreter Norbert Koesling gegenüber dem Handelsblatt. Ein enger Vertrauter von Schrader ergänzt: „Der Mann löst Probleme nicht mit der Brechstange. Amerikanische Managementmethoden sind ihm eher fremd.“

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