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14.01.2015

20:19 Uhr

Michael Popp

Pharmazeut mit Mission

VonMaike Telgheder

Michael Popp, Inhaber der Naturarzneifirma Bionorica, hat pflanzliche Arzneimittel zum Verkaufsschlager gemacht. Es fasziniert ihn, die Schätze der Natur zu erforschen und in modernen Medikamenten nutzbar zu machen.

Michael Popp, Enkel des Firmengründers Joseph Popp. Bionorica erwirtschaftet mittlerweile rund 233 Millionen Euro und beschäftigt mehr als 1300 Mitarbeiter, davon rund 600 im Ausland. Bernd Telle für Handelsblatt

Michael Popp, Enkel des Firmengründers Joseph Popp. Bionorica erwirtschaftet mittlerweile rund 233 Millionen Euro und beschäftigt mehr als 1300 Mitarbeiter, davon rund 600 im Ausland.

DüsseldorfMichael Popp ist kein Mann für halbe Sachen. Wenn der Inhaber der Naturarzneifirma Bionorica Dinge in die Hand nimmt, dann gründlich. Das fing schon bei seinem Einstieg in der Nürnberger Firma seiner Tante und seines Vaters Ende der 80er Jahre an: Damals stellte der 28-Jährige ihnen seine Pläne vor, mit der Firma aus der Innenstadt auf die grüne Wiese zu ziehen. Er wollte das Unternehmen mit damals rund 20 Millionen D-Mark Umsatz mit einer eigenen Produktionsstraße im industriellen Maßstab aufziehen. „Wenn Du das machen willst, musst Du aber auch die Verantwortung dafür übernehmen“, sollen Tante und Vater damals gesagt haben. Michael Popp, der studierte Pharmazeut mit einem Faible für Ingenieurswesen und Architektur, übernahm. Auch wenn er eigentlich erst noch gerne im Ausland Betriebswirtschaft studiert hätte.

Auch bei einem anderen Projekt, was eigentlich als Hobby begann, ging der heute 55-Jährige aufs Ganze: Castell Miquel, ein Weingut auf Mallorca, das er 1999 erwarb. Popp investierte nicht nur Millionen in den Aufbau: Er heuerte auch den Önologen Thomas Wambsganss aus der Pfalz an, der nur wenige Jahre später für preisgekrönte Weine aus der Serra de Tramuntana sorgte. Dabei interessiert sich Popp auch für Innovationen bis ins Detail: Verkorkt werden die Flaschen von Castell Miquel mit einem vom Besitzer miteinwickelten Glaskorken. Das schützt den Wein vor möglichem Korkgeschmack und schont die seltene Korkeiche.

Überhaupt die Umwelt: Im Einklang mit der Natur zu leben und zu arbeiten, ist für Popp ein ganz wichtiges Ziel seines Unternehmertums. Dafür ist auch die Firmenzentrale in Neumarkt in der Oberpfalz ein wichtiges Symbol: Sie wurde 2007 mit innovativen Energietechniken gebaut. Bei allem Engagement für die Natur ist Popp aber zu bodenständig, um ins Esoterische zu gleiten. Es fasziniert ihn schlicht, die Schätze der Natur zu erforschen und in modernen Medikamenten nutzbar zu machen. Wobei Heilpflanze nicht gleich Heilpflanze ist, wie Popp zu sagen pflegt. Und Saatgut auch nicht gleich Saatgut. „Für jedes Naturprodukt ist die Qualität des Rohstoffs entscheidend. Das gilt für Kaffee wie für Wein, wie für pflanzliche Arzneimittel“, sagt Popp.

In der Fachwelt kommt dieser Anspruch an: „Bionorica einer der ganz wenigen Hersteller pflanzlicher Arzneimittel, die in großen Teilen die Arzneipflanzen, die die Basis für die eigenen Präparate bilden, nach hohen Qualitätsstandards und wissenschaftlichen Kriterien selbst anbauen“, erzählt Theodor Dingermann, Seniorprofessor für Pharmazeutische Biologie an der Goethe-Universität Frankfurt. Dabei könnte das Unternehmen die Ingredienzien für einen Bruchteil des Geldes auf den internationalen Spotmärkten einkaufen. Auch dass Bionorica große Summen in klinische Forschung steckt, um die Wirksamkeit der Produkte empirisch zu belegen, zeichnet das Unternehmen nach Ansicht von Dingermann aus.

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