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16.01.2007

07:06 Uhr

Michael Treschow

Wie Mackie Messer

VonHelmut Steuer

Immer wenn Michael Treschow auftaucht, geht es hart zur Sache. Ab Mai will er bei Unilever aufräumen: Der Konzern wächst langsamer als der große Konkurrent Nestlé. Mit Treschow holt sich der holländisch-britische Riese erstmals in seiner Geschichte einen Aufsichtsratsvorsitzenden von außerhalb.

Michael Treschow - der Mann aus der "Kostensenkungsbranche". Foto: dpa

Michael Treschow - der Mann aus der "Kostensenkungsbranche". Foto: dpa

STOCKHOLM. „Man kann sagen, bislang hab ich Kühlschränke verkauft, jetzt verkaufe ich das, was drin ist.“ Michael Treschow ist ein Freund klarer und einfacher Worte. Ab Mai übernimmt der 63-jährige Schwede, der lange Konzernchef des Haushaltgeräte-Konzerns Electrolux war, den Aufsichtsratsvorsitz eines der größten Lebensmittel-Konglomerate der Welt: Unilever. Er ist der erste Aufsichtsratsvorsitzende von außerhalb.

Dieser ungewöhnliche Schritt hat auch mit dem Ruf Treschows zu tun: „Mein ganzes Leben lang hab ich in der Kostensenkungsbranche gearbeitet“, sagte Treschow mal dem Handelsblatt – wie immer ganz ruhig, ohne zynischen Unterton, er meint, was er sagt.

Ja, der Mann mit den aristokratischen Zügen, dem freundlichen, aber stets durchdringenden Blick ist in seinem Heimatland als „Mike the knife“ bekannt, in Anlehnung an Mackie Messer. Zu dieser zweifelhaften Ehre kam Treschow, weil er immer da, wo er an den Schalthebeln der Macht saß, als beinharter Sanierer auftrat.

Unilever ist zwar kein Problemfall. Doch der Riese mit Marken wie Knorr, Langnese, Lätta, Du darfst, Bifi, Lipton, Rama, Pfanni und Omo wächst nicht mehr so schnell wie etwa der härteste Mitbewerber Nestlé. Deshalb hat Unilever allein in Europa über 80 Fabriken geschlossen und die Zahl der Marken auf ein Viertel reduziert.

Fit für die Globalisierung

Nun soll Treschow dabei helfen, den Konzern weiter fit zu machen für die Globalisierung. Auf seiner Agenda dürfte auch die komplizierte Struktur mit zwei Konzernsitzen in Rotterdam und London stehen, sowie die doppelte Notierung der Aktie zu vereinfachen.

Solche Aufräumarbeiten liegen ihm, auch wenn der feine Zwirn, in dem Treschow immer auftritt, manchmal über seine Erfahrungen mit Rotstift und Messern hinwegtäuschen mag.

Seine Karriere beginnt der Ingenieur 1970 beim schwedischen Werkzeughersteller Bahco. Nur fünf Jahre später wechselt er zu Atlas Copco, wo er dann 1991 Konzernchef wird. Schon in dieser Zeit zeigt Treschow den Hauptaktionären, der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg, dass Kostensenkungen zu seinem Spezialgebiet gehören. In Schweden überrascht es deshalb kaum jemanden, als er innerhalb des Wallenberg-Imperiums 1997 die operative Leitung des größten Haushaltgeräteherstellers der Welt, Electrolux, übernimmt.

In den folgenden fünf Jahren müssen 45 000 Mitarbeiter den Konzern verlassen. „Es ist immer sehr, sehr wichtig, deutlich gegenüber seinen Mitarbeitern zu sein“, sagt er damals. Es ist diese Deutlichkeit, die ihm in Schweden den Beinamen „Mike the Knife“ einbringt.

Er selbst hat sich gegen dieses Klischee immer wieder gewehrt. „Wir dürfen nie vergessen, dass es bei den Einschnitten um Individuen geht“, merkt er einmal in einem Gespräch mit dem Handelsblatt an. Er sei sich bewusst, dass der Verlust des Arbeitsplatzes für jeden Einzelnen eine Tragödie sei. Doch den Ruf des messerscharfen Kalkulierers wird er nicht mehr los.

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