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26.01.2007

09:16 Uhr

Michael Woodford

Preis für EZB-Kritiker

VonNorbert Häring

Der US-Ökonom Michael Woodford hat den „Deutsche Bank Prize in Financial Economics“ erhalten. Woodford habe eine Theorie von der Wirkungsweise der Geldpolitik entwickelt, die konsequent aus der Entscheidungssituation der einzelnen Haushalte und Unternehmen abgeleitet sei, begründete CFS-Direktor Volker Wieland.

Woodford ist Anhänger der Strategie der direkten Inflationssteuerung.

Woodford ist Anhänger der Strategie der direkten Inflationssteuerung.

FRANKFURT. Ein prominenter Kritiker der geldpolitischen Strategie der Europäischen Zentralbank, (EZB), der US-Ökonom Michael Woodford, erhält den mit 50 000 Euro dotierten „Deutsche Bank Prize in Financial Economics“. Der Preis wird seit 2005 alle zwei Jahre vom Center for Financial Studies (CFS) in Frankfurt und dem Stiftungsfonds Deutsche Bank verliehen.

CFS-Direktor Volker Wieland stellte zur Begründung der Preisverleihung besonders heraus, dass Woodford eine Theorie von der Wirkungsweise der Geldpolitik entwickelt habe, die konsequent aus der Entscheidungssituation der einzelnen Haushalte und Unternehmen abgeleitet sei.

Eine wichtige Folgerung aus Woodfords Arbeit ist die hervorragende Bedeutung der Erwartungen für die Geldpolitik. Daraus leitet er ab, dass Notenbanken alles tun sollten, damit die Öffentlichkeit gut einschätzen kann, wie sie auf bestimmte Entwicklungen in der Wirtschaft reagieren werden. Woodford ist aus diesem Grund ein Anhänger der Strategie der direkten Inflationssteuerung. Sie beruht im wesentlichen darauf, dass die Notenbank ein Inflationsziel vorgibt und ihre Zinsen danach ausrichtet, ob dieses Ziel über- oder unterschritten wird.

„Ich empfehle der EZB, ebenso wie den Vertretern der US-Notenbank, sich ganz genau anzuschauen, wie die Notenbanken von England, Schweden und Norwegen ihre Entscheidungen fällen und kommunizieren“, sagte Woodford dem Handelsblatt. Diese Notenbanken gehörten derzeit zur Avantgarde in Sachen klare Kommunikation und Vorhersehbarkeit. Die Zentralbanken Norwegens und Schwedens prognostizieren inzwischen sogar öffentlich, welche Leitzinsentscheidungen sie nach heutigem Informationsstand in Zukunft voraussichtlich treffen werden.

Die Europäische Zentralbank verfolgt eine der Inflationssteuerung ähnliche Strategie. Allerdings legt sie Wert darauf, dass sie nicht so bezeichnet wird. Im Rahmen ihrer „Zwei-Säulen-Strategie“, beobachtet die EZB parallel zur Inflation auch noch Geldmengen- und Kreditaggregate und weist diesen Indikatoren eine herausgehobene Stellung zu.

Woodford, der neben anderen Zentralbanken auch immer wieder für die EZB berät, lässt kein gutes Haar an der hervorgehobenen Rolle der Geldmenge. Aus seiner Sicht gibt es dafür keinen vernünftigen Grund mehr. Vielmehr binde sie unnötig Ressourcen und mache es der EZB schwer, ihre Entscheidungen klar und nachvollziehbar zu begründen.

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