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31.01.2010

09:00 Uhr

Michelin-Clans

Familienpatron unterhält geheime Stiftung

VonHolger Alich

Diskretion wird bei der französischen Industriellenfamilie Michelin groß geschrieben – offensichtlich auch gegenüber dem Fiskus. Jahrelang haben die Michelins eine 400 Millionen Euro schwere Stiftung in Liechtenstein verborgen. Jetzt ermittelt der Staatsanwalt.

François Michelin, Oberhaupt der französischen Industriellenfamilie, hat nun zugegeben, eine geheime Stiftung in Lichtenstein zu unterhalten. Deutsche Geheimdienste waren auf die Stiftung gestoßen. Quelle: AFP

François Michelin, Oberhaupt der französischen Industriellenfamilie, hat nun zugegeben, eine geheime Stiftung in Lichtenstein zu unterhalten. Deutsche Geheimdienste waren auf die Stiftung gestoßen.

PARIS. Die französische Industriellenfamilie Michelin steht seit Generationen für Werte wie freies Unternehmertum, katholische Kirche – und große Diskretion. Diese Werte hat auch stets der Familienpatron François Michelin hochgehalten, der von 1955 bis 1999 fast ein halbes Jahrhundert lang als geschäftsführender Gesellschafter den Reifenkonzern leitete. In Sachen Diskretion scheint er aber zu weit gegangen zu sein.

Denn weder François Michelin noch seine Ahnen hielten es für nötig, die französischen Steuerbehörden über eine Stiftung zu informieren, die die Familie schon im Jahr 1937 angelegt hatte. Und zwar in Liechtenstein, wo man bekannterweise Diskretion genauso schätzt wie die Michelins. In all den Jahren ist das Vermögen der Stiftung names „Cape“ auf stolze 400 Millionen Euro angewachsen.

Nun ist die Sache aufgeflogen, und der zurückhaltende Alt-Patriarch musste sein Schweigen brechen und öffentlich einräumen, dass die Stiftung der Familie gehört und nichts mit dem Unternehmen zu tun hat, das die Michelins kontrollieren. Denn in der französischen Presse machten schon Spekulationen die Runde, dass der Reifenriese eine schwarze Kasse in Liechtenstein unterhalte – was das Unternehmen stets und mit Nachdruck dementierte. Immerhin: Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt wegen „atypischer Geldströme“.

Es waren die deutschen Geheimdienste, die Michelins ominöse Stiftung ans Licht der Öffentlichkeit zerrten, bestätigt Olivier Metzner, Rechtsanwalt der Familie, dem Handelsblatt. Im Jahr 2008 hatte Heinrich Kieber, ein ehemalige Informatiker der Liechtensteiner LTG-Bank, Kundendaten seines Arbeitgebers an den deutschen Geheimdienst verkauft. Dank der hochbrisanten Daten konnte zum Beispiel der Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel der Steuerhinterziehung überführt werden. Die Daten bescheren nun einer der angesehensten Unternehmerdynastien Frankreichs Ärger. Denn die deutschen Behörden teilten ihre Datenbeute mit ihren französischen Kollegen. „Die französische Finanzverwaltung hat dann das Unternehmen Michelin einer Steuerprüfung unterzogen, aber nichts gefunden“, erklärt Anwalt Metzner.

Kommentare (2)

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aruba

31.01.2010, 12:15 Uhr

Guten Tag,.... Ja so langsam kommen wir an die betraege und Namen von denen ich immer meinte; Herr " ( Postwinkel )" waere ein kleiner Fisch gewesen. Aber es geht noch viel, viel besser.besten Dank

Patatrac

01.02.2010, 18:16 Uhr

1937, das Jahr der Stiftungsgründung ... wo stand Frankreich 1937? Wo standen die Michelins damals? Wo stand der damalige deutsche Geheimdienst? Welche Atmosphäre herrschte 1937 im deutsch/französichen Verhältnis? Welche Atmosphäre herrscht heute? ironie der Geschichte!
Patatrac

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