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21.07.2011

12:14 Uhr

Microsofts Co-Gründer

Was Paul Allan wirklich von Bill Gates hält

VonThorsten Giersch, Christoph Kapalschinski

Über Microsofts Milliardengewinn freut sich auch Co-Gründer Paul Allen. In seiner gerade erschienenden Autobiografie stehen Details über seinen Aufstieg und die ganz dunklen Seiten von Bill Gates.

Die Gründer: Bill Gates und Paul Allen (rechts) 1981 in Bellevue in den Anfangszeiten von Microsoft, als sie noch Freunde waren. Quelle: ap

Die Gründer: Bill Gates und Paul Allen (rechts) 1981 in Bellevue in den Anfangszeiten von Microsoft, als sie noch Freunde waren.

DüsseldorfPaul Allen kann es sich leisten, mal eben acht Milliarden Dollar zu verlieren. Nebenbei fördert er die Raumfahrt, Artenschutz in Afrika und Hirnforschung sowie eigene Sportteams. Zwischendurch schippert er auf einer der größten Yachten der Welt über die Meere - samt eigenem U-Boot.

Allen hätte allen Anlass zur Aufschneiderei. Dennoch kommt der Microsoft-Mitbegründer in seiner Autobiografie, die jetzt in einer deutschen Übersetzung erschienen ist, eher bescheiden daher. Das liegt offenbar auch am Anlass für den Rückblick über sein bisheriges Leben: Ende 2009 wurde bei dem Multimilliardär eine Form von Blutkrebs diagnostiziert, inzwischen hat er diese Krankheit jedoch wohl überwunden.

Der junge Paul Allen

Die Eltern

Ken Allen war hochintelligent, genauso wie Edna Fayde Gardner. Es war eine Highschool-Liebe, obwohl die beiden sehr unterschiedlich waren. Sie eher ein lesender, stillerer Geist, er Center der Footballmannschaft und ein toller Leichtathlet. Sie waren gerade volljährig, als der Zweite Weltkrieg begann - es waren schwierige Zeiten. Mit 20 verließen sie ihre Heimat Anadarko, eine Kleinstadt nahe Oklahoma City.

Pauls Interessen

Sie gingen nach Seattle, wo Edna als Lehrerin arbeitete. Paul wurde 1953 geboren. Er liebte es, wenn seine Mutter ihm abends vorlas. Sie hatte eine tolle Stimme und hatte das Talent, dramatische Pausen einzulegen. Doch rasch lernte Paul selbst lesen - deutlich vor der Einschulung. Außerdem spielte Paul gern mit seinem Vater Fußball.

Die zweite Heimat

Nachdem Pauls Schwester Jody auf der Welt war, zog die Familie nach Wedgewood, eine Siedlung nahe Washington. Hier richtete sich Paul ein Chemielabor im Keller ein. Seine Mutter war Hausfrau, der Vater wurde später Leiter der Bibliothek an der University of Washington.

Paul, der Widerspenstige

Paul war eine unglaubliche Leseratte und ließ sich auch in der Schule nicht davon abhalten. Er war ein Autodidakt, dem Regeln herzlich egal waren.

Paul, der Terrorist

Eines Tages ging Paul sogar so weit, den Hauptwasserhahn seiner Schule abzustellen. Nichts ging mehr im ganzen Gebäude. Und niemand fand die Pläne des 1920 erbauten Gemäuers. Als der Direktor die versammelten Schüler später fragte, wer es gewesen sei, hob Paul freiwillig den Arm.

Versprechen nicht gehalten

Eines abends bat Paul seine Mutter, Popcorn zu machen. Sie willigte ein unter der Bedingung, dass er sein Zimmer aufräumt. Wie schon so oft zuvor brach Paul sein Versprechen. Am nächsten Morgen bewarf ihn seine Mutter aus Wut mit Maiskörnern. Es half nicht viel.

Den richtigen Job finden

Schon früh wurde Paul von seinem Vater gefragt, was er denn mal werden wolle. Doch damit wollte er seinem Sohn eigentlich nur den Rat geben, dass zu tun, was ihm Spaß macht. Paul sollte nicht denselben Fehler machen wie er selbst.

Der Tech-Freak

Schon als Kind fand Paul seine Liebe zu Wissenschaft und Technik. Mit neun Jahren besuchte er restlos begeistert die Weltausstellung in Seattle. Danach ging er regelmäßig an den Wochenenden zum Tag der offenen Tür an den Universitäten in der Umgebung.

Die Privatschule als entscheidendes Moment

Viele „Zufälle“ hat es gebraucht, bis Paul Allen auf seinem erfolgreichen Weg angekommen war. Seine Eltern wollten ihn auf eine teure Privatschule schicken. Doch Paul mochte die Idee nicht und wollte eigentlich absichtlich durch den Eignungstest fallen. Doch die ersten Fragen reizten ihn, so dass er sie korrekt beantworten wollte und sich die Fehler fürs Ende aufsparte. Doch dann war die Zeit plötzlich um. Paul bestand und wurde aufgenommen.

Die ersten Programmier-Stunden

Die neue Privatschule bot etwas für damalige Verhältnisse Seltenes: Einen Kurs fürs Programmieren. Paul Allen meldete sich, gewann eine Handvoll Gleichgesinnter als Freunde und lernte dort einen Jungen kennen, mit dem er die Welt verändern sollte - Bill Gates.

Oder doch Rockgitarrist?

Die einzig realistische Alternative für den jungen Paul Allen zum Beruf des Programmierers war es, Rockgitarrist zu werden. Es lag vor allem daran, dass er in seinem Freundeskreis Musiker hatte, die wirklich Talent hatten. Zudem verdiente Allen frühzeitig mit Nebenjobs Geld als Programmierer und hatte dank der boomenden PC-Branche beste Berufs-Aussichten.

Dieser Hintergrund nimmt dem Buch nicht seine Leichtigkeit. Allen berichtet chronologisch über sein Leben. Den meisten Platz nimmt die Gründerzeit des Softwarekonzerns Microsoft ein. Allens Mitgründer Bill Gates, das Gesicht von Microsoft, kommt dabei nicht besonders gut weg.

"Seine Kleidung war merkwürdig, schlampig und adrett zugleich", schreibt Allen über das erste Kennenlernen mit dem damaligen Achtklässler - natürlich am Fernschreiber im Computerraum. Zusammen arbeiten sie unermüdlich am Computer, zuerst in einem "Jungenclub, in dem jede Menge Testosteron in der Luft lag". Schon damals sei Gates vom Ehrgeiz besessen gewesen und habe überall Konkurrenz gewittert.

Über das Dream-Team Paul Allen und Bill Gates

Gates und Allen lernen sich kennen

1969 - kurz bevor das Mooresche Gesetz bekannt wurde: Bill ging noch in die achte Klasse, Paul in die Zehnte, als sich die beiden in der Schule vor dem Fernschreiber trafen.

Unzertrennlich

Von ihrem ersten Treffen an waren Bill und Paul unzertrennlich. Die beiden lernten, wie man Quellcodes analysiert, gründeten eine Firma, fielen damit auf die Nase und arbeiteten munter weiter gemeinsam als Programmierer - alles noch im Teenager-Alter.

Wo sie ihren Traum entwickelten

Paul und Bill trafen sich oft im Harvard House of Pizza bei belegten Baguettes und Salamipizza und malten sich ihre eigene Firma aus. Gates war so übermütig und träumte davon, mal 35 Programmierer zu beschäftigen.

Warum die beiden so ein gutes Team waren

Paul Allen war der junge Mann mit den Ideen, der, der seiner Fantasie freien Lauf ließ. Gates stellte die Geistesblitze infrage, machte sich dann aber daran, die verwertbaren Teile rasch in die Tat umzusetzen.

Die Uni-Zeit

Nach seinem Wechsel an die Washington State University stand Allen – 500 Kilometer entfernt von seinen Eltern – zum ersten Mal auf eigenen Füßen. Der Computerfreak half anderen bei ihren Hausaufgaben, indem er diese auf Bugs durchsuchte. Außerdem spielte er stundenlang Basketball und war Center der Football-Mannschaft – ohne dafür jedoch das ganz große Talent zu besitzen.

Schläge drohten

Schlaf fand Allen nur wenig. Wenn er nachts um ein oder zwei Uhr vom Programmieren nach Hause kam, war er immer noch so aufgeregt, dass er auf seiner E-Gitarre klimperte. Einigen seiner Mitbewohner kostete das den letzten Nerv. Als ihn eines Nachts jemand an die Wand drückte und Schläge androhte, half ihm ein guter Freund, der den schwarzen Gürtel in Karate ??? besaß.

Gemeinsame verrückte Hobbys

Paul und Bill schauten sich gern gemeinsam Blaxploitation-Filme im Kino an. Dieses Genre war in den frühen 70er-Jahren populär. Es handelt sich um Thriller und Actionfilme, die in einem afroamerikanischen Milieu spielen und sich durch Spul- und Funk-Soundtracks auszeichneten.

Paul und Bill ziehen zusammen

Irgendwann zogen Paul Allen und Bill Gates in eine gemeinsame Wohnung und lernten neue Seiten an sich kennen. Bill war ein Adrenalinjunkie – vor allem auf der Autobahn. „Immer wenn ich von einer Gefahr zurückwich, schien Bill dieses Gefühl zu genießen“, schreibt Allen.

Bill Gates, der Poker-König

Besonders riskant fand Allen die Pokerrunden seines Kollegen. Mal gewann er ein paar hundert Dollar, um am nächsten Tag das Doppelte zu verlieren. Doch Gates blieb stur, schließlich hielt er sich (nicht zu unrecht) für intelligenter als seine Kontrahenten, was sich doch eigentlich auszahlen müsste.

Umzug nach Boston

1974 drängt Bill Gates seinen Mitbewohner und Freund immer stärker, mit ihm nach Boston umzuziehen und nur noch als Programmierer zu arbeiten. Da Allen mit sich an der Uni nicht mehr viel anzufangen wusste, willigte er ein.

Bill Gates wird zu Paul Allen

Es war wohl der wichtigste Anruf seines Lebens: Die beiden Computer-Tüftler wollten einem potenziellen Kunden ihre Idee verkaufen, Programme in Basic zu schreiben. Gates bat Allen, den Anruf zu tätigen, schließlich sei er der Ältere. Doch Gates konnte es besser erklären, also machte Bill Gates den Anruf und gab sich aber als Paul Allen aus.

Wie es zum Namen „Microsoft“ kam

Nach den ersten großen Erfolgen war es an der Zeit, der Partnerschaft und ihrem Unternehmen einen Namen zu geben. „Allen & Gates“ klang zu sehr nach Anwaltskanzlei. Paul Allen schlug deshalb als Firmenname „Micro-Soft“ vor - eine Kombination der IT-Begriffe "Mikroprozessor" und "Software". Später änderten die beiden die Schreibweise in "Microsoft".

Dennoch tun sich beide im Studium zusammen, entwickeln erst ein Programm für die Messung von Verkehrsströmen und haben dann den entscheidenden Instinkt: Sie programmieren die Software, die die jungen Personalcomputer antreiben wird.

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