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30.06.2014

17:39 Uhr

Middelhoff--Prozess

Bei Karstadt ersetzte Flugschule reguläre Flüge

Ehemalige Karstadt-Manager haben im Prozess gegen Thomas Middelhoff über den Umgang mit Dienstflügen berichtet. Warenhaus-Chef Merkel sagte, er selbst habe für Dienstreisen auch eine Flugschule in Anspruch genommen.

Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wirft die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft entschieden zurück. dpa

Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wirft die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft entschieden zurück.

EssenIm Untreue-Prozess gegen den früheren Chef des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor, Thomas Middelhoff, haben weitere ehemalige Manager des Konzerns über den Umgang mit Dienstreisen berichtet. Für berufliche Charterflüge habe er selbst auch die Dienste einer Flugschule in Anspruch genommen, berichtete der ehemalige Karstadt-Warenhaus-Chef, Helmut Merkel, am Montag vor dem Essener Landgericht.

Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft Middelhoff vor, den inzwischen pleitegegangenen Handelskonzern mit betriebsfremden Kosten in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro belastet zu haben. Hauptsächlich geht es um Flüge mit Charterflugzeugen und Hubschraubern. Middelhoff weist die Vorwürfe entschieden zurück.

Merkel sagte, die Kosten für die im Rahmen von Ausbildungsflügen mit einer einmotorigen Maschine durchgeführten Transporte hätten bei etwa 800 bis 1000 Euro und damit in der Größenordnung eines Linienflugs gelegen. Er selbst habe jedoch nur in Ausnahmefällen darauf zurückgegriffen.

Die Rechsstreitigkeiten des Thomas M.

Charterflüge

Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft dem 61-Jährigen Untreue in 49 Fällen vor. In dem Strafverfahren vor dem Essener Landgericht geht es vor allem um Charterflüge auf Firmenkosten, die von Arcandor bezahlt worden waren, obwohl sie laut Staatsanwaltschaft privaten Zwecken dienten. Middelhoff hatte öffentlich erklärt, er habe sich korrekt verhalten.

Sal. Oppenheim

Das Kölner Institut Sal. Oppenheim hatte das Ehepaar Middelhoff Ende 2013 auf knapp 78 Millionen Euro verklagt. Kredite seien nicht zurückgezahlt worden. Zuvor hatte Middelhoff seinerseits die Bank auf 101 Millionen Euro verklagt.

Arcandor I

Im September 2013 erklärte das Landgericht Essen, es halte einen Sonderbonus, den der Manager kurz vor seinem Arcandor-Ausscheiden erhielt, für nicht gerechtfertigt. Er soll rund 3,4 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter zahlen, hat aber Berufung angekündigt.

Arcandor II

Der 61-Jährige verlangt seinerseits von den Insolvenzverwaltern wegen angeblichen Rufmords Schadenersatz in Höhe von 120 Millionen Euro. Gegen einen entsprechenden Mahnbescheid haben die Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und Hans-Gerd Jauch Widerspruch eingelegt. Sie hatten Middelhoff und andere Arcandor-Manager auf Schadenersatz von insgesamt 175 Millionen Euro verklagt, unter anderem wegen angeblicher Managementfehler. Der Prozess vor dem Oberlandesgericht Hamm könnte Jahre dauern.

Josef Esch

Mit seinem ehemaligen Vermögensverwalter Josef Esch liegt Middelhoff ebenfalls im Clinch. Im Streit um Unterhaltskosten für seine Luxusyacht einigten sich Middelhoff und Esch im Jahr 2012 außergerichtlich auf eine Zahlung von 2,5 Millionen Euro, Frist 30. September 2013. Überwiesen hat Middelhoff bis heute nicht, Esch geht gerichtlich gegen Middelhoff vor. Middelhoff selbst will von seinem Ex-Vermögensverwalter 33 Millionen Euro, weil der ihn falsch beraten und sein Privatvermögen riskiert haben soll.

Der ehemalige Arbeitsdirektor Mathias Bellmann berichtete über Einladungen in das Privathaus von Middelhoff in Saint Tropez. Das Verhältnis zwischen dienstlichen Belangen und Freizeit habe bei etwa „50 zu 50“ gelegen. Ex-Versandhandelschef Marc-Oliver Sommer verweigerte dagegen unter Hinweis auf noch laufende Ermittlungen die Aussage. Gegen Sommer wird unter anderem wegen Insolvenzverschleppung ermittelt.

Von

dpa

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