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26.08.2014

11:04 Uhr

Middelhoff-Prozess

Der talentierte Herr Esch

VonLisa Hegemann

Heute tritt Josef Esch im Prozess gegen Thomas Middelhoff auf. Der Ex-Arcandor-Manager vertraute ihm offenbar blind. Damit steht er nicht allein da. Wie konnte der einstige Maurer so viel Macht erlangen?

Josef Esch, Bauunternehmer aus Troisdorf, investierte jahrelang das Geld reicher Leute wie der Familie Deichmann oder den Middelhoffs in Immobilienfonds. dpa

Josef Esch, Bauunternehmer aus Troisdorf, investierte jahrelang das Geld reicher Leute wie der Familie Deichmann oder den Middelhoffs in Immobilienfonds.

DüsseldorfJosef Esch ist nicht anwesend, und trotzdem kommt das Thema schon am zweiten Prozesstag erstmals auf ihn. Es ist Mitte Mai, der Untreue-Prozess gegen Ex-Arcandor-Manager Thomas Middelhoff steckt noch in den Anfängen, als er im Landgericht Essen erstmals befragt wird – und das Gespräch auf Josef Esch kommt.

Es geht um Dokumente, über die Middelhoff spricht; Verträge, die ihm vor Gericht offenbar helfen könnten. Der Richter fragt, ob der Manager diese vorlegen könne. Middelhoff verneint. Die unterschriebenen Dokumente habe immer nur der Troisdorfer Bauunternehmer eingesteckt. Middelhoff selbst habe lediglich eine Kopie des Papiers – ohne Unterschriften. Der Manager lächelt verlegen, als er diesen Umstand preisgibt. Denn es ist ein Umstand, der zeigt, wie blind er Esch vertraute.

Die Rechsstreitigkeiten des Thomas M.

Charterflüge

Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft dem 61-Jährigen Untreue in 49 Fällen vor. In dem Strafverfahren vor dem Essener Landgericht geht es vor allem um Charterflüge auf Firmenkosten, die von Arcandor bezahlt worden waren, obwohl sie laut Staatsanwaltschaft privaten Zwecken dienten. Middelhoff hatte öffentlich erklärt, er habe sich korrekt verhalten.

Sal. Oppenheim

Das Kölner Institut Sal. Oppenheim hatte das Ehepaar Middelhoff Ende 2013 auf knapp 78 Millionen Euro verklagt. Kredite seien nicht zurückgezahlt worden. Zuvor hatte Middelhoff seinerseits die Bank auf 101 Millionen Euro verklagt.

Arcandor I

Im September 2013 erklärte das Landgericht Essen, es halte einen Sonderbonus, den der Manager kurz vor seinem Arcandor-Ausscheiden erhielt, für nicht gerechtfertigt. Er soll rund 3,4 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter zahlen, hat aber Berufung angekündigt.

Arcandor II

Der 61-Jährige verlangt seinerseits von den Insolvenzverwaltern wegen angeblichen Rufmords Schadenersatz in Höhe von 120 Millionen Euro. Gegen einen entsprechenden Mahnbescheid haben die Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und Hans-Gerd Jauch Widerspruch eingelegt. Sie hatten Middelhoff und andere Arcandor-Manager auf Schadenersatz von insgesamt 175 Millionen Euro verklagt, unter anderem wegen angeblicher Managementfehler. Der Prozess vor dem Oberlandesgericht Hamm könnte Jahre dauern.

Josef Esch

Mit seinem ehemaligen Vermögensverwalter Josef Esch liegt Middelhoff ebenfalls im Clinch. Im Streit um Unterhaltskosten für seine Luxusyacht einigten sich Middelhoff und Esch im Jahr 2012 außergerichtlich auf eine Zahlung von 2,5 Millionen Euro, Frist 30. September 2013. Überwiesen hat Middelhoff bis heute nicht, Esch geht gerichtlich gegen Middelhoff vor. Middelhoff selbst will von seinem Ex-Vermögensverwalter 33 Millionen Euro, weil der ihn falsch beraten und sein Privatvermögen riskiert haben soll.

Am Dienstag trafen die beiden ehemaligen Weggefährten erneut aufeinander – als Josef Esch als Zeuge im Untreue-Prozess in Essen auftrat. Doch zu einer Konfrontation kam es nicht wirklich, der Bauunternehmer verweigerte die aussage. Gegen Esch laufen derzeit diverse Verfahren, unter anderem im Zusammenhang mit der Arcandor-Pleite. Sein Anwalt sagte, bei einer Aussage gehe sein Mandant wegen des engen Beziehungsgeflechts das Risiko ein, in die Mühlen der Strafverfolgung zu geraten.

Im Prozess geht es zwar nicht direkt um die Person Josef Esch, aber um seine Charterfluggesellschaft Challenge Air. Über diese Airline soll Middelhoff Privatflüge getätigt haben, die er auf Firmenkosten abgebucht haben soll.

Es ist eine von vielen Arten, über die Middelhoff geschäftlich und privat mit dem Troisdorfer Bauunternehmer verstrickt war. In einem Interview mit der „Zeit“ von 2011 gab der Ex-Arcandor-Chef an, dass er Esch nicht nur sein Vermögen anvertraut habe, sondern auch private Entscheidungen. „Wenn beispielsweise unsere Tochter ein Auto brauchte, übernahm Josef Esch das: Auto kaufen mit Rabatt, Auto abholen, Auto anmelden und so weiter“, sagte Middelhoff damals.

Wie wurde ein Maurer zum Vertrauten der Reichen?

Der Ex-Arcandor-Chef war nicht der Einzige, der so scheinbar naiv auf die Dienste Eschs zurückgriff. Auch die Karstadt-Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, die Familien Deichmann, Kreke und DuMont vertrauten dem gelernten Maurer Teile ihres Vermögens an. Die meisten investierten ihr Geld – genau wie Middelhoff – in Karstadt-Immobilien und andere Bauprojekte über die sogenannten Oppenheim-Esch-Fonds, die der Unternehmer gemeinsam mit der Privatbank Sal. Oppenheim auflegte.

Wie konnte ein Maurer aus einfachen Verhältnissen das Vertrauen so vieler bekannter deutscher Unternehmer gewinnen? Eine einfache Antwort gibt es auf diese Frage nicht. Die entscheidende Verbindung von Josef Esch in die Kreise der Reichen und noch Reicheren dürfte über seinen Kontakt zu Matthias Graf von Krockow entstanden sein. Von Krockow arbeitete bei der Privatbank Sal. Oppenheim, die vielen Vermögenden Geld für ihre Investments leihen sollte. Er selbst hatte sogar mal als Devise ausgegeben, die oberen Zehntausend als Zielgruppe anzupeilen.

Von Krockow und Esch sollen auch die Strippenzieher hinter der Esch-Oppenheim-Holding sowie den damit zusammenhängenden Oppenheim-Esch-Fonds gewesen sein, in die die Vermögenden ihr Geld steckten.

Kommentare (3)

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Herr Moritz J. Mueller

26.08.2014, 09:52 Uhr

Ein lehrreiches Beispiel dafür wo Bequemlichkeit und Denkfaulheit verbunden mit Gier, der Besitzenden, hin führen kann.

Frau Pia Paff

26.08.2014, 10:31 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Sergio Puntila

26.08.2014, 11:34 Uhr

Das Narrativ gilt nach wie vor:
Es muss ja jemand Schuld sein an sowas.

Dass sich mit der Causa in Summa eine Peergroup vollkommen desavouiert - geschenkt in Zeiten von "Promi-BigBrother" in der es quasi zum guten Ton gehört als ausgebildeter Maurer den dicken Maxen zu machen.

Thats the game: vom Maurer zum persönlichen Vertrauten.
Da haben wohl ganz viele nicht verstanden, welche Energien dahinterstecken könnten, wenn ein Maurer nach ganz oben will.

Kekse gibt bei Aldi grad wieder im Sonderangebot übrigens - um den Marktcheck auch hier zu inkludieren.

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