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17.06.2014

15:49 Uhr

Middelhoff-Prozess in Essen

„Ich sah mich nie als Controllerin des Chefs“

Die frühere Sekretärin des ehemaligen Arcandor-Chefs sagte am Dienstag vor Gericht aus. Der Inhalt dürfte Thomas Middelhoff nicht gefallen haben: Der 61-Jährige war im Konzern offenbar der Hauptnutzer von Privatjets.

Thomas Middelhoff muss sich vor Gericht wegen Untreue verantworten. Der Ex-Arcandor-Chef bestreitet den Vorwurf, private Flüge auf Firmenkosten abgerechnet zu haben. dpa

Thomas Middelhoff muss sich vor Gericht wegen Untreue verantworten. Der Ex-Arcandor-Chef bestreitet den Vorwurf, private Flüge auf Firmenkosten abgerechnet zu haben.

EssenBeim ehemaligen Karstadt-Mutterkonzern Arcandor hat nach Angaben einer Vorstandssekretärin hauptsächlich der frühere Konzernchef Thomas Middelhoff Privatjets genutzt. Andere Manager des Konzerns hätten nur in seltenen Ausnahmefällen auf die teuren Charterflieger zurückgegriffen, sagte die ehemalige Sekretärin des Managers am Dienstag im Untreue-Prozess vor dem Landgericht Essen. Allerdings habe auch Middelhoffs Vorvorgänger Wolfgang Urban schon Privatflieger genutzt.

Die 50-Jährige betonte in ihrer vierstündigen Vernehmung, bereits vor der Buchung sei dabei abgeklärt worden, ob es ein privater oder ein dienstlicher Flug war, um die Kosten entsprechend zuordnen zu können. „Wenn es nur den Hauch eines Zweifels gab, habe ich es natürlich abgeklärt“, sagte sie. Letztlich habe die Entscheidung, ob ein Flug Arcandor in Rechnung gestellt oder vom Konzernchef selbst bezahlt wurde, Middelhoff getroffen. „Ich habe mich nie als Controllerin meines Chefs gesehen“, sagte die Sekretärin. Seine Entscheidung habe sie als „gottgegeben“ hingenommen.

Die Rechsstreitigkeiten des Thomas M.

Charterflüge

Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft dem 61-Jährigen Untreue in 49 Fällen vor. In dem Strafverfahren vor dem Essener Landgericht geht es vor allem um Charterflüge auf Firmenkosten, die von Arcandor bezahlt worden waren, obwohl sie laut Staatsanwaltschaft privaten Zwecken dienten. Middelhoff hatte öffentlich erklärt, er habe sich korrekt verhalten.

Sal. Oppenheim

Das Kölner Institut Sal. Oppenheim hatte das Ehepaar Middelhoff Ende 2013 auf knapp 78 Millionen Euro verklagt. Kredite seien nicht zurückgezahlt worden. Zuvor hatte Middelhoff seinerseits die Bank auf 101 Millionen Euro verklagt.

Arcandor I

Im September 2013 erklärte das Landgericht Essen, es halte einen Sonderbonus, den der Manager kurz vor seinem Arcandor-Ausscheiden erhielt, für nicht gerechtfertigt. Er soll rund 3,4 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter zahlen, hat aber Berufung angekündigt.

Arcandor II

Der 61-Jährige verlangt seinerseits von den Insolvenzverwaltern wegen angeblichen Rufmords Schadenersatz in Höhe von 120 Millionen Euro. Gegen einen entsprechenden Mahnbescheid haben die Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und Hans-Gerd Jauch Widerspruch eingelegt. Sie hatten Middelhoff und andere Arcandor-Manager auf Schadenersatz von insgesamt 175 Millionen Euro verklagt, unter anderem wegen angeblicher Managementfehler. Der Prozess vor dem Oberlandesgericht Hamm könnte Jahre dauern.

Josef Esch

Mit seinem ehemaligen Vermögensverwalter Josef Esch liegt Middelhoff ebenfalls im Clinch. Im Streit um Unterhaltskosten für seine Luxusyacht einigten sich Middelhoff und Esch im Jahr 2012 außergerichtlich auf eine Zahlung von 2,5 Millionen Euro, Frist 30. September 2013. Überwiesen hat Middelhoff bis heute nicht, Esch geht gerichtlich gegen Middelhoff vor. Middelhoff selbst will von seinem Ex-Vermögensverwalter 33 Millionen Euro, weil der ihn falsch beraten und sein Privatvermögen riskiert haben soll.

Middelhoff hatte in einer Erklärung vor Gericht betont, dass es bei der „Zuordnung von 610 Flügen keinen einzigen Fall gab, bei dem meine Sekretärin oder ich unterschiedlicher Meinung gewesen wären“.

Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft Middelhoff vor, den inzwischen pleitegegangenen Handelskonzern mit betriebsfremden Kosten in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro belastet zu haben. Hauptsächlich geht es dabei um Flüge mit Charterflugzeugen und Hubschraubern, die von Arcandor bezahlt wurden, nach Auffassung der Anklagebehörde aber ganz oder teilweise privat veranlasst waren. Middelhoff weist die Vorwürfe entschieden zurück.

Widersprüchliche Informationen gab es am Dienstag weiterhin zu dem offenbar gegen Middelhoff beantragten Haftbefehl. Middelhoff selbst bekräftigte, das Thema sei vom Tisch, nachdem sich seine Managerversicherung mit dem Arcandor-Insolvenzverwalter geeinigt habe. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters erklärte dagegen, nach wie vor liege keine belastbare Zusage der Versicherung vor. Deshalb gebe es auch beim Thema Haftbefehl keine Veränderung.

Nach einem Bericht des „Spiegel“ vom Freitag hatte eine Gerichtsvollzieherin Haftbefehl gegen Middelhoff beantragt, um ihn im Zusammenhang mit Zahlungsforderungen des Insolvenzverwalters zur Offenlegung seiner Vermögensverhältnisse zu zwingen.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

17.06.2014, 12:06 Uhr

Unternehmen in die Pleite bringen aber Firmeneigene Flugzeuge haben ..... na dann,armes Deutschland !

Account gelöscht!

17.06.2014, 12:37 Uhr

Das sich so einer noch unbeschadet frei bewegen kann ... wundert mich!

Account gelöscht!

17.06.2014, 12:47 Uhr

Der Mann ist wirklich eine echte "Niete in Nadelstreifen".
Irgendwie sehen Visagen alle ähnlich aus.

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