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19.11.2014

14:38 Uhr

Middelhoff und die Konsequenzen

Das Risiko der Aufsichtsräte

VonDana Heide

Der Fall Middelhoff wirft auch ein Schlaglicht auf die Aufsichtspflicht der Kontrolleure. Zwar werden diese in der Regel verschont, doch das ändert sich gerade. Denn die Anforderungen an die Gremien sind gestiegen.

Getty Images

Düsseldorf Es waren harte Worte, die sich der ehemalige Aufsichtsrat des Arcandor-Konzerns am Freitag anhören musste: Die Kontrolle der Charter-Flüge sei eine „Farce“ gewesen, schimpfte der vorsitzende Richter Jörg Schmitt beim Untreue-Prozess gegen den Manager. Nach dem harten Urteil (drei Jahre Haft) forderten viele, dass nun auch der Aufsichtsrat zur Rechenschaft gezogen werden muss.

So schrieb etwa Vergütungsberater Heinz Evers jüngst im Handelsblatt, man solle stärker die Rolle der Aufsichtsräte hinterfragen. Erst ihr Wegsehen ermögliche Managern Untreue. Im Fall von Middelhoff haben seine Flugeskapaden den Arcandor-Konzern 500.000 Euro gekostet.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Risiken, die Aufsichtsräte auf sich nehmen, wenn sie ein Unternehmen kontrollieren. In der Praxis gebe es zwar sehr wenige Fälle, in denen der Aufsichtsrat tatsächlich zur Rechenschaft gezogen wurde, sagt Peter Ruhwedel, Professor für Strategisches Management an der FOM Hochschule in Duisburg. Als wissenschaftlicher Leiter des Kompetenz-Centrums für Unternehmensführung und Corporate Governance (KCU) erstellt er seit Jahren umfangreiche Studien zur Arbeit deutscher Aufsichtsräte.

Das verdienen Dax-Aufsichtsräte 2014 – Teil I

Adidas

Der Adidas-Aufsichtsratsvorsitzende Igor Landau verdient 2014 insgesamt 160.000 Euro. 2013 waren es genauso viel.

Quelle für alle Zahlen: Hochrechnung Towers Watson

Allianz

Bei der Allianz verdient Helmut Perlet im laufenden Jahr 368.300 Euro.

BASF

BASF vergütet seinen Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Hambrecht 2014 mit 478.500 Euro.

Bayer

Werner Wenning bekommt beim Pharmariesen 368.000 Euro – genauso viel wie im vergangenen Jahr.

Beiersdorf

Bei Beiersdorf steigt die Vergütung von Reinhard Pöllath im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent auf 226.500 Euro.

BMW

Der Autokonzern zahlt seinem Aufsichtsratsvorsitzenden Joachim Milberg 539.300 Euro. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das ein Plus um fünf Prozent.

Commerzbank

Klaus-Peter Müller bekommt als Aufsichtsratsvorsitzender der zweitgrößten deutschen Bank 2014 eine Vergütung von 216.500 Euro – minus acht Prozent.

Continental

Continental zahlt Wolfgang Reitzle 459.800 Euro pro Jahr. Ein Anstieg von beachtlichen 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Daimler

Daimler vergütet seinen Aufsichtsratsvorsitzenden Manfred Bischoff 2014 mit 439.700 Euro – plus 18 Prozent.

Deutsche Bank

Das größte deutsche Finanzinstitut zahlt Paul Achleitner 900.000 Euro bei einer Erhöhung von 39 Prozent.

Deutsche Börse

Joachim Fabers Vergütung als Aufsichtsratschef bei der Deutschen Börse bleibt auch 2014 stabil bei 250.000 Euro.

Deutsche Lufthansa

283.500 Euro bekommt Wolfgang Mayrhuber für seine Tätigkeit bei Deutschlands größter Airline.

Deutsche Post

Aufsichtsratschef bei der Deutschen Post ist Wulf von Schimmelmann. Er verdient bei einer Erhöhung von 107 Prozent im Jahr 2014 insgesamt 326.000 Euro. Er macht damit den größten Sprung unter den Dax-Chefaufsehern.

Deutsche Telekom

Die Deutsche Telekom zahlt Ulrich Lehner im laufenden Jahr 259.500 Euro.

Eon

Werner Wenning ist auch für Eon tätig und bekommt als Aufsichtsratschef 440.000 Euro. Ein Anstieg von immerhin drei Prozent.

„Das Haftungsrisiko für Aufsichtsräte ist gestiegen“, sagt Ruhwedel im Gespräch mit Handelsblatt Online hinzu. Inzwischen verjähren Verfehlungen erst nach zehn Jahren - früher waren es mal fünf. In den vergangenen Jahren sind einige neue und strengere Regeln für die Arbeit der Gremien hinzugekommen, die es einzuhalten gilt, besonders in der Bankenbranche. Der Aufsichtsrat sei zudem besser informiert, könne sich also auch weniger rausreden, er habe von einem Vorgang nichts gewusst, sagt Ruhwedel.

Aufsichtsratsexperte im Interview: „Der Aufsichtsrat kann sich nicht mehr so leicht rausreden“

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Aufsichtsräte arbeiten heute besser und gewissenhafter als noch vor ein paar Jahren, sagt Aufsichtsratsexperte Peter Ruhwedel. Das müssen sie auch, denn sie können heute viel eher zur Rechenschaft gezogen werden.

Kommentare (2)

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Herr peter gramm

19.11.2014, 18:27 Uhr

die aufsichtsräte haben eine enorme verantwortung, der sie nur zum teil gerecht werden. das viel größere problem sind aber unsere juristen in form von richterinnen und richter die im zweifelsfall über das wirken von aufsichtsräten entscheiden sollen. deren ausbildung reicht nie und nimmer aus, derartige, richtige entscheidungen zu treffen. um ihre unfähigkeit in diesem bereich zu verschleiern verstecken sie sich hinter ihrer unabhängigkeit. für leute die auf diese spezies im konkreten falle angewiesen sind ein völlig unkalkulierbares risiko. diese herrschaften haften für nichts und sind dafür auch kaum haftbar zu machen. dies ist ein gravierender fehler im system. die Vorschriften hinsichtlich "straftaten im amt" sind so schwammig formuliert, dass daraus niemals eine gefahr für die täter erwachsen kann.

Frau Ute Umlauf

19.11.2014, 18:31 Uhr

In den AR sitzen 90% Abnicker, Selbstversorger u. Selbstdarsteller.

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