Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.08.2013

16:06 Uhr

Mietwohnungen

Deutschlands neuer Immobilienriese

VonTobias Döring

Die Deutsche Wohnen AG arbeitet an einer Großfusion: Sie will sich den Konkurrenten GSW Immobilien einverleiben. Ein Gigant mit 106.000 Wohnungen allein in Berlin entsteht. Der Mieterverein warnt vor den Folgen.

GSW-Gebäude in Berlin-Mitte: Die Deutsche Wohnen will das Immobilienunternehmen übernehmen. dpa

GSW-Gebäude in Berlin-Mitte: Die Deutsche Wohnen will das Immobilienunternehmen übernehmen.

Düsseldorf/Berlin„Mama Berlin - Backsteine und Benzin. Wir lieben deinen Duft, wenn wir um die Häuser zieh'n“, singt Peter Fox von Seeed im Song über das Berlin-Gefühl, „Dickes B“. Die Berliner Backsteine liebt auch die Deutsche Wohnen AG. Das Unternehmen hat am Dienstag angekündigt, die Gesellschaft GSW Immobilien zu schlucken. Die GSW besitzt 58.000 Wohnungen in Berlin. In der Hauptstadt entsteht damit ein Immobilienplatzhirsch. Gemeinsam haben die Firmen dann 106.000 Wohnungen in der Stadt – 6,5 Prozent aller Mietwohnungen Berlins.

In Berlin ist Mieten die bevorzugte Wohnart. 1,9 Millionen Wohnungen gibt es nach Angaben der Berliner Senatsverwaltung in der Stadt, 1,63 Millionen davon sind Mietwohnungen. In den vergangenen Jahren haben die Preise von Eigentumswohnungen in der Stadt um 40 Prozent zulegt. Auch die Mieten stiegen – und sollen Prognosen zufolge auch in den kommenden Jahren deutlich anziehen.

Die Konzentration von gut 6,5 Prozent aller Mietwohnungen auf ein Unternehmen sieht der Berliner Mieterverein kritisch. „Der Zusammenschluss erfüllt uns mit Sorge, denn ein so riesengroßes Unternehmen nährt die Vermutung, dass die Bewirtschaftung der Wohnungen immer schwieriger wird“, sagte Geschäftsführer Reiner Wild zu Handelsblatt Online. „Die Mieternähe könnte weiter verloren gehen.“

Das sind Deutschlands Immobilienriesen

Platz 6: GAG

Die GAG Immobilien AG bewirtschaftet rund 42.000 Wohnungen. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben der größte Vermieter in Köln. Die GAG verwalte damit 2,8 Millionen Quadratmeter Wohnfläche.

Platz 5: GSW

Die GSW Immobilien kommt auf 60.000 Wohnungen. Das Unternehmen ist börsennotiert und wurde im Jahr 1924 gegründet. Schwerpunkt der Arbeit ist Berlin, die GSW ist dort nach eigenen Angaben „ein führendes privates Wohnimmobilienunternehmen“.

Platz 4: TAG

Die TAG Immobilien AG kommt auf Platz vier der deutschen Wohnungsriesen. Das Unternehmen verwaltet 68.781 Wohnungen. Hauptstandorte sind nach eigenen Angaben die Großräume Hamburg und Berlin, die Region Salzgitter, Thüringen/Sachsen sowie Nordrhein-Westfalen. Sitz der TAG ist Hamburg.

Platz 3: Deutsche Wohnen

Die Deutsche Wohnen mit Sitz in Berlin bewirtschaftete im April 2013 insgesamt 82.500 Wohnungen. Aktuell gibt das börsennotierte Unternehmen die Zahl der Wohnimmobilien mit rund 89.500 an. Schwerpunkt ist der Großraum Berlin sowie das Rhein-Main-Gebiet, Rheinland, Hannover, Braunschweig, Magdeburg.

Platz 2: Gagfah

Die Gagfah Gruppe mit Sitz in Essen ist die Nummer zwei der Wohnimmobilien-Unternehmen in Deutschland. Im April bewirtschaftete das Unternehmen 145.000 eigene Mietwohnungen und 13.000 für Dritte verwaltete Wohnungen. Aktuell gibt das Unternehmen sogar 35.000 für Dritte verwaltete Wohnungen an.

Platz 1: Deutsche Annington

Die Deutsche Annington erregte mit dem Börsengang im Juli 2013 zuletzt großes Aufsehen. Das Bochumer Immobilienunternehmen bewirtschaftet 210.000 Wohnungen - davon 180.000 eigene. Die Deutsche Annington stieg im Jahr 2005 auf, als sie die Viterra AG mit 138.000 Wohnungen von Eon erwarb.

Finanzieren will Deutsche Wohnen die Fusion über eine Kapitalerhöhung. Für 20 Aktien der GSW Immobilien AG bietet Deutsche Wohnen 51 eigene neu auszugebende Papiere. Dies entspreche einer Prämie von 15,4 Prozent auf den gewichteten Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate. Die neuen Aktien sollen durch eine Sach- und gegebenenfalls Barkapitalerhöhung geschaffen werden.

Über die Kapitalerhöhung sollen die Aktionäre Ende September entscheiden. Bewertet wird das Eigenkapital der GSW mit 1,75 Milliarden Euro. Bei vollständiger Annahme des Umtauschangebots durch die GSW-Aktionäre würden diese etwa 43 Prozent an der vergrößerten Deutsche Wohnen AG halten, erklärte der Konzern. Der Deal könnte Experten zufolge der Startschuss für die lange erwarte Fusionswelle am deutschen Markt sein. Bislang fehlt es den hiesigen Unternehmen an Größe, um sich mit der internationalen Konkurrenz zu messen.

GSW äußerte sich zurückhaltend. Der Vorstand habe die Ankündigung „zur Kenntnis genommen“, teilte das Unternehmen vier Stunden nach dem Angebot mit. „Der Vorstand der GSW Immobilien AG wird die bislang vorliegenden Informationen zum geplanten Übernahmeangebot sorgfältig prüfen und bewerten und im Anschluss daran eine erste Einschätzung abgeben“, erklärte das Unternehmen. Eine förmliche Empfehlung an die eigenen Aktionäre muss GSW erst abgeben, wenn die Angebotsunterlagen komplett vorliegen. Mindestens 75 Prozent der Anteilseigner müssen das Angebot annehmen, damit es erfolgreich ist.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

20.08.2013, 11:01 Uhr

Wunderbar !! "Deutsche Wohnen" KAUFEN - denn damit ist der Weg frei in den DAX. Als 1. Immobilien AG ziehen die in den DAX ein (Kapitalwert dann 8.5 Milliarden EURO).

Tomate

20.08.2013, 11:54 Uhr

In Deutschland zahlt man eben gerne Miete anstatt sich etwas zu Kaufen (Substanz) welche auch weitervererbt werden kann. Da passt ein großer Mietkonzern super ins gesellelschaftlichte und politische Konzept. Soziale Probleme (Versklavung der Bevölkerung durch die Miete) werden wie immer nach vorne geschoben.

Rechner

20.08.2013, 13:12 Uhr

O-Ton Oliver Stock
-----------------------
Handelsblatt Online ist eines der wenigen großen Wirtschaftsmedien, bei denen Kommentare erwünscht sind.
-----------------------

Aber nur systemfromme Kommentare.

Systemkritische Kommentare werden mit unpassenden Bemerkungen wie "Bitte bleiben Sie sachlich!" gelöscht.

Ebenso häufig verschwinden Kommentare spurlos.

Ganze Kommentarspalten verschwinden auf einmal.

Zu Themenkreisen wie "Hetze gegen Rechts", Migrantenproblem, und zu vielen außenpolitischen Themen sind die Kommentarspalten oft von vorneherein abschaltet.

Insgesamt bietet das Handelsblatt auch nur eine stark eingeschränkte Möglichkeit das Tagesgeschehen und seine Artikel zu kommentieren.

Ganz so, wie man das in einer gelenkten Demokratur wie der BRD erwarten sollte.

...
[...]
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×