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14.01.2016

14:56 Uhr

Millennials in der Arbeitswelt

Haben wir der Generation Y zu viel zugemutet?

VonCarina Kontio

„Wir sind überfordert.“ So lautet der Tenor einer Deloitte-Studie zur Generation Y. Die Folgen sind fatal: Die jungen Fachkräfte wollen spätestens innerhalb der nächsten zwei Jahre ihren Job an den Nagel hängen.

Die Generation Y, so eine aktuelle Studie, fühlt sich überfordert – die Folgen für die Wirtschaft sind fatal. Getty Images

Millennials im Job

Die Generation Y, so eine aktuelle Studie, fühlt sich überfordert – die Folgen für die Wirtschaft sind fatal.

DüsseldorfUnzufriedenheit, Überforderung wegen zu hoher Zielvorgaben und das Gefühl, auf dem Karriereweg nach oben nicht gut und richtig gefördert zu werden: Die Generation Y fackelt nicht lange und plant einer aktuellen Umfrage von Deloitte zufolge, sich so schnell wie möglich einen neuen Job zu suchen. Konkret heißt das, dass 34 Prozent der Befragten – Berufseinsteiger aus verschiedenen Bereichen und zu 25 Prozent auch Mitarbeiter in Senior-Rollen – spätestens in zwei Jahren den Arbeitgeber wechseln wollen. Damit, so ist im Deloitte Millennial Survey 2016 zu lesen, verschärft sich der Kampf um gut ausgebildete Fachkräfte zukünftig weiter.

Die Unternehmen müssen sich also in Zukunft noch mehr anstrengen, um auf den Radarschirm der jungen Leute zu kommen – und zu bleiben. Zu der Generation Y (Englisch: „Why?“) zählen in der Regel die Jahrgänge 1980-1995, die bekannt dafür sind, Althergebrachtes in Frage und die Arbeitswelt auf den Kopf zu stellen.

12 Karriere-Mythen

Mit 50 ist man zu alt für die Karriere

Nein! In der Realität gibt es diese Altersschranke oft gar nicht, glaubt Headhunter Marcus Schmidt: „Manche Mandanten suchen sogar explizit Führungskräfte ab 50, weil sie viel Wert auf Erfahrung legen und nicht wollen, dass der Neue gleich wieder weiterzieht.“ Zudem gilt in Deutschland seit 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das eine Diskriminierung aus Altersgründen verbietet.

Seine Erfahrungen hat Schmidt in dem Buch „Die 40 größten Karrieremythen“ niedergeschrieben. Handelsblatt Online hat die spannendsten Zitate ausgewählt.

Ohne Doktortitel geht es nicht

„Die Frage, ob man promovieren soll oder nicht, hängt von der angestrebten Karriere ab“, sagt Schmidt. Denn die Promotion koste immer auch Zeit – in der Diplomanden ein vergleichsweise geringes Gehalt beziehen. „Nicht alle jungen Berater, Anwälte und Wirtschaftsprüfer wollen in einem Unternehmen zum Partner aufsteigen oder erreichen dieses Ziel.“

Eine Top-Karriere macht man nur im großen Konzern

Falsch! Entscheidend für die Karriere sei nicht, bei welchem Unternehmen man arbeite, sondern welche Aufgaben und Entfaltungsmöglichkeiten man habe, sagt Personalberater Schmidt. „Gerade in weniger etablierten Unternehmen gibt es oftmals spannendere und weniger standardisierte Aufgaben als in Großkonzernen“, so Schmidt.

Nur wer sich anpasst kommt weiter

Im Gegenteil: Eigene, gut argumentierte Überzeugungen hält Headhunter Marcus Schmidt für unabdingbar. „Wer nur mitläuft, um ja keinen Fehler zu machen, kann nichts Herausragendes leisten und wird nicht dauerhaft auf sich aufmerksam machen“, so Schmidt. So könne man sich nicht profilieren oder für die nächsten Ebenen empfehlen.

Der MBA ist ein Karriere-Turbo

Die deutsche Wirtschaft zeigt ein anderes Bild: Absolventen hätten sich selten in die Führungsetage hochgearbeitet, sagt Schmidt. Anders als der Doktortitel ist der MBA zudem kein normierter akademischer Grad, seine Vergabe wird also grundsätzlich nicht staatlich geregelt oder kontrolliert. Wer Studiengebühren von bis zu 70.000 US-Dollar auf sich nehme, solle deshalb das Renommee der Schule immer überprüfen.

Ohne Examen gibt es keinen Aufstieg

Muss man heute studieren, wenn man Karriere machen will? Nein, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Und einige prominente Konzernlenker geben ihm recht: Telekom-Chef René Obermann etwa hat sein Studium abgebrochen, und auch Klaus-Peter Müller, bis 2008 Vorstandsvorsitzender der Commerzbank und jetziger Aufsichtsratsvorsitzender, hat nie studiert.

Gehalt ist ein untrüglicher Gradmesser des Karriereerfolgs

Die Position mit Perspektive sei nicht immer die am besten bezahlte, sagt Marcus Schmidt. So könne sich für ein renommiertes Traineeprogramm ein kurzfristiger Gehaltsverzicht durchaus auszahlen - etwa, wenn das ausbildende Unternehmen in seiner Branche als Kaderschmiede gilt.

Ein Auslandsaufenthalt fördert die weitere Karriere

Nicht immer, sagt Headhunter Marcus Schmidt – stattdessen kann der Auslandseinsatz sogar zum Nachteil werden. „Oftmals sind es die Daheimgebliebenen, die dann verbleibende Inlandsposten unter sich aufteilen“. Sie säßen dann auf Stühlen, auf die Auslandsrückkehrer vergeblich spekulieren.

Der erste Job muss der richtige sein

Wer auf standardisierte Einstiegsprogramme in Unternehmen mit hohem Bekanntheitsgrad setze, müsse auch in Kauf nehmen, dass die eigene Berufslaufbahn nachgemacht wirkt, sagt Personalberater Marcus Schmidt. „Gehen Sie eigene Wege. Suchen Sie Ihren Einstieg ruhig gegen den Strich. Probieren Sie etwas aus, was sie wirklich interessiert.“

Karriere macht, wer mehr als 60 Stunden pro Woche arbeitet

Falsch, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Ebenso wichtig wie der tatsächliche Zeiteinsatz sei der gefühlte Zeiteinsatz. Und der definiere sich auch durch die Befriedigung mit der getanen Arbeit. „Wer es schafft, aus seines Arbeit weitgehend Befriedigung zu ziehen, muss auch nicht Karriereschablonen zum persönlichen Zeiteinsatz nachjagen.“

Frauen hindert die „gläserne Decke“ am Aufstieg

Tatsächlich finde sich diese „gläserne Decke“ vor allem in den Köpfen der männlichen Entscheider, glaubt Schmidt. Für weibliche Führungskräfte scheine sie hingegen kein Thema zu sein. „Viele Beratungsunternehmen und große Konzerne bitten uns öfter sogar explizit, nach weiblichen Kandidatinnen zu suchen.“

In der Wirtschaftskrise macht man keine Karriere

„In der Krise wählen Unternehmen bei der Besetzung von Stellen zwar sorgfältiger aus. Aber sie stellen trotzdem noch ein“, ist die Erfahrung von Marcus Schmidt. Gerade in Phasen des Umbruchs gebe es etwa die Chance zur Übernahme von Restrukturierungsjobs, bei denen wirklich die Fähigkeit der Verantwortlichen zählt.

Die attraktiven Fachkräfte einfach mit mehr Geld ködern zu wollen, wird nicht funktionieren. Denn das Gehalt ist schon lange nicht mehr der Aspekt, der die Generation Y am Arbeitsplatz hält. So fühlen sich 90 Prozent der Befragten in Deutschland am stärksten von der Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit motiviert. Und wenn die stimmt, bleiben sie auch gerne bei ihrem Unternehmen. Heißt: Sie wollen eine Arbeit machen, die ihnen wirklich am Herzen liegt – und nicht mehr nur den Lebensunterhalt verdienen. Das Gehalt sei dazu lediglich für 76 Prozent ausschlaggebend.

„Die Generation Y ist nicht mehr bereit, sich lange an ein Unternehmen zu binden“, kommentiert Nicolai Andersen von Deloitte. Das fordere Firmen heraus: „Investitionen in Recruiting und Ausbildung der Nachwuchskräfte rechnen sich bei einer hohen Fluktuation nicht. Unternehmen sollten daher hinterfragen, welche Instrumente und Maßnahmen für welche Mitarbeiter zielführend sind.“

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