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05.03.2013

11:14 Uhr

Millionen-Prämie

Mega-Abfindung für Ex-Ketchup-Boss

US-Investor Warren Buffett hat sich gemeinsam mit einem Privatinvestor auf den Lebensmittelkonzern Heinz gestürzt. Für den bisherigen Chef ein lukratives Geschäft. Er soll eine hohe Millionenabfindung bekommen.

Der scheidende Heinz-Chef William R. Johnson. Reuters

Der scheidende Heinz-Chef William R. Johnson.

New YorkDer „Goldene Handschlag“ wartet: Der Chef von Heinz-Ketchup, William Johnson, würde bei einer Auflösung seines Vertrags angesichts der Übernahme der Firma durch Warren Buffetts Berkshire und 3G Capital eine Abfindung von 56 Millionen Dollar erhalten. Die Summe würde die Verdienste von Johnson in den 15 Jahren als Vorstandschef von Heinz würdigen, sagte ein Sprecher des weltgrößten Ketchup-Hersteller in der Nacht zu Dienstag. Die Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway und die Beteiligungsfirma 3G wollen den mehr als 140 Jahre alten US-Konzern für 28 Milliarden Dollar übernehmen.

Gemeinsam mit den bereits in seinem Besitz befindlichen Aktien im Wert von 100 Millionen Dollar und der verzögert ausgezahlten Vergütungsbestandteile in Höhe von 57 Millionen Dollar summiert sich das Abschiedspaket auf über 200 Millionen Dollar.

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Johnson trat im Jahr 1998 sein Amt an und machte in der Zeit 40 Akquisitionen, was der Expansion in Wachstumsmärkten half. Auch im vergangenen Jahr steigerte er den Umsatz des Lebensmittelkonzerns um 8,8 Prozent auf 11,7 Milliarden Dollar.

Zuletzt hatte ein Abfindungspaket für den geschiedenen Verwaltungsratschef des Schweizer Pharmakonzerns Novartis für Aufsehen gesorgt. Daniel Vasella hatte bei seinem Abgang 58 Millionen Euro erhalten sollen. Dafür hätte er für sechs Jahre auf das Recht verzichten sollen, bei einem Konkurrenten anzuheuern. Unter öffentlichem Druck schlug Vasella das Paket schließlich aus. Dennoch befeuerte die Abfindung die Debatte um die Höhe von Managergehältern.

Gehälter ausgewählter Dax-Chefs 2012

Infineon - Reinhard Ploss / Peter Bauer

Zum Ende des Infineon-Geschäftsjahrs (30. September 2012) wechselte auch der Vorstandschef. Reinhard Ploss übernahm von Peter Bauer den Posten.

Bauer hatte 2011/12 insgesamt 2,9 Millionen Euro verdient und damit etwas deutlich weniger als 2011 (3,7 Millionen Euro).

Kurt Bock - BASF

Der Chef des Chemiekonzerns, Kurt Bock, verdiente mit 5,29 Millionen Euro im Jahr 2012 nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahr. Er hatte sein Amt im Mai 2011 angetreten.

Marijn Dekkers - Bayer

Marijn Dekkers, Niederländer an der Spitze des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer, hat im Jahr 2012 insgesamt 5,06 Millionen Euro verdient, nach 4,49 Millionen Euro im Vorjahr.

Stefan Heidenreich - Beiersdorf

Ende April hatte Stefan Heidenreich beim Kosmetikkonzern Beiersdorf das Amt des Vorstandschefs übernommen. Im Jahr 2012 verdiente er 2,6 Millionen Euro.

Herbert Hainer - Adidas

Das Adidas-Ergebnis fiel 2012 vor allem wegen eines schwachen Geschäfts der Marke Reebok nicht so rosig aus. Adidas-Chef Herbert Hainer verdiente 2012 insgesamt 4,18 Millionen Euro und damit 28 Prozent weniger als 2011 (5,14 Millionen Euro).

Heinrich Hiesinger - Thyssen-Krupp

Bei Thyssen-Krupp kämpft Vorstandschef Heinrich Hiesinger mit der Aufarbeitung diverser Skandale und Fehlinvestitionen. Im Geschäftsjahr 2011/2012 (bis 30. September) verdiente er 3,85 Millionen Euro.

Karl-Ludwig Kley - Merck

Der Vorstandschef des Pharmakonzern verdiente 2012 insgesamt 5,52 Millionen Euro und damit fast ein Drittel mehr als 2011 (4,2 Millionen Euro).

Peter Löscher - Siemens

Der Österreicher verdiente im Geschäftsjahr 2011/2012 insgesamt 7,87 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es 8,74 Millionen Euro.

René Obermann - Deutsche Telekom

Ende 2013 gibt René Obermann sein Amt an den jetzigen Finanzvorstand Timotheus Höttges weiter. Obermann verdiente 2012 insgesamt 3,78 Millionen Euro und damit nahezu unverändert so viel wie 2011 (3,85 Millionen Euro).

Wolfgang Reitzle - Linde

Der Linde-Chef hat gesagt, kein Interesse an einer Vertragsverlängerung zu haben. Im Jahr 2012 verdiente er bei dem Industriegase-Spezialisten 6,9 Millionen Euro, fast genau so viel wie ein Jahr zuvor.

Kasper Rorsted - Henkel

Der dänische Chef des Konsumgüter- und Klebstoffkonzerns Henkel, Kasper Rorsted, hat im Jahr 2012 insgesamt 6,18 Millionen Euro verdient, ein sattes Plus von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr (4,79 Millionen Euro).

Peter Terium – RWE

Zur Jahresmitte 2012 hatte Peter Terium den Spitzenposten beim Energiekonzern RWE angetreten. Er verdiente im Jahr 3,8 Millionen Euro, ein sinnvoller Vergleich zum Vorjahr ist nicht möglich.

Martin Winterkorn - Volkswagen

Der VW-Chef erhält rund 14,5 Millionen Euro für das abgelaufene Jahr (2012) und damit 5,5 Millionen weniger, als ihm nach den zuletzt gültigen Kriterien zugestanden hätten.

Damit will VW verhindern, erneut ins Zentrum einer Diskussion um hohe Managementbezüge zu geraten wie 2011, als Winterkorn mehr als 17 Millionen Euro verdiente.

Dieter Zetsche - Daimler

Der Daimler-Vorstandschef hat im vergangenen Jahr inklusive Aktienoptionen 8,15 Millionen Euro verdient. Das war etwas weniger als 2011 (8,65 Millionen Euro).

Quelle

Geschäftsberichte / Hostettler, Kramarsch & Partner

In einer Volksabstimmung votierten die Schweizer dann am Wochenende mit überwältigender Mehrheit dafür, dass künftig unter anderem Abfindungs- und Begrüßungsgelder verboten werden sollen.

Welche Regeln es in Deutschland für Vorstandsgehälter gibt

Vorgaben des Aktienrechts

In Deutschland macht das Aktienrecht börsennotierten Unternehmen eher vage Vorschriften beim Gehalt der Vorstandsmitglieder. Deren Gesamtbezüge müssten zum Beispiel „in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben und Leistungen des Vorstandsmitglieds“ sowie zur Lage des Unternehmens stehen, heißt es.

Der Aufsichtsrat

Festgelegt werden die Vorstandsgehälter in Deutschland vom Aufsichtsrat. Die Aktionäre können laut einer Gesetzesänderung 2009 über das Vergütungssystem auf der Hauptversammlung abstimmen, der Beschluss begründet aber „weder Rechte noch Pflichten“.

Corporate Governance Kodex

Etwas umfassender sind die Vorschläge der Regierungskommission zur guten Unternehmensführung im sogenannten „Corporate Governance Kodex“. Die Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, öffentlich zu machen, ob sie diesen Empfehlungen gefolgt sind oder nicht.

Kriterium für die Gehälter sollte demnach auch „die Üblichkeit der Vergütung unter Berücksichtigung des Vergleichsumfelds und der Vergütungsstruktur, die ansonsten in der Gesellschaft gilt“, sein. Falls ein Manager vorzeitig geht, sollen Abfindungszahlungen auf maximal zwei Jahresvergütungen beschränkt werden.



Kodex-Verschärfung

Dieser Kodex soll nun aber verschärft werden, bis hin zur Empfehlung einer Deckelung der Gehälter. Die Höchstgrenzen müsste dann der jeweilige Aufsichtsrat festlegen. Dazu gibt es Änderungsvorschläge, zu denen jeder Bürger per E-Mail an den Vorsitzenden der Regierungskommission, Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, bis zum 15. März Stellung nehmen kann.



Transparenz

Seit einigen Jahren veröffentlichen große börsennotierte Konzerne gemäß den Empfehlungen des Kodex' die Gehälter des Top-Managements im Geschäftsbericht, früher war dies nicht üblich. Seither wird über die Millionengehälter der Dax-Vorstände auch lebhaft diskutiert. Die Hauptversammlung kann mit einer Dreiviertelmehrheit die Veröffentlichung verhindern.

Kommentare (2)

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Anonym

05.03.2013, 13:17 Uhr

Und? Soll das jetzt wieder die Neid-Debatte beflügeln?

kuac

05.03.2013, 14:19 Uhr


William Johnson soll eine Abfindung von 56 Millionen Dollar erhalten. Die Summe würde die Verdienste von Johnson in den 15 Jahren als Vorstandschef von Heinz würdigen.
Wieso denn? Hat er 15 Jahre lang keinen Gehalt erhalten?
Was ist mit den Mitarbeitern? Hat der Johnson den ganzen Ketchup alleine abgefüllt?

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