Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.03.2006

12:00 Uhr

Millionen-Streit

Verlagserbe Falk kämpft um sein finanzielles Überleben

VonGregory Lipinski

Einst galt der Stadtplanerbe Alexander Falk als einer der reichsten Jungunternehmer Deutschlands. Doch wegen des Verdachts auf Betrug musste der 36-Jährige fast zwei Jahre in Untersuchungshaft.

Alexander Falk. Foto: dpa dpa

Alexander Falk. Foto: dpa

HAMBURG. Er ist zwar inzwischen wieder auf freiem Fuß. Doch der Prozess gegen ihn läuft noch. Sein millionenschweres Vermögen aus Immobilien, Yachten und Firmenbeteiligungen bleibt so lange eingefroren.

Jetzt will er für die Zeit danach vorsorgen und aus den Resten seiner Schweizer Firmengruppe Distefora Kapital schlagen. Dazu gehört die Hamburger Navigon, ein Anbieter von mobilen Navigationssystemen und Routenplanern für Fahrzeuge. Sie wurde in einem Management-Buy-out 2002 (MBO) an seinen Ex-Mitarbeiter Peter Scheufen verkauft. Der 38-Jährige übernahm den Vorstandsvorsitz der Navigon, steigerte den Umsatz auf 100 Millionen Euro und bereitete den Börsengang vor.

Doch Falk zweifelt an der damaligen Eigentumsübertragung: Er behauptet, dass ihm weiterhin 60 Prozent an Navigon gehören, und fordert sie zurück. Er stützt seinen Anspruch auf eine mündliche Vereinbarung, die er mit Scheufen kurz vor dem MBO getroffen haben soll, sagt sein Anwalt Ulf Renzenbrink. Demnach sollte Scheufen die Anteile lediglich als Treuhänder halten. Im Gegenzug versprach ihm Falk 40 Prozent an der Gesellschaft. „Die Existenz einer solchen Treuhandvereinbarung haben mehrere Zeugen in eidesstattlichen Versicherungen bestätigt“, sagt Renzenbrink auf Anfrage.

Dass Falk um seine finanzielle Existenz kämpft, ist verständlich. Denn noch ist unklar, ob der Verlagserbe in einem der spektakulärsten Wirtschaftsprozesse Deutschlands Recht bekommt und damit sein bislang eingefrorenes Vermögen überhaupt wiedererlangt. Der Jungmanager steht seit Ende 2004 vor Gericht. Er soll 2000 bei seiner Internetfirma Distefora zusammen mit anderen Managern die Umsätze durch Scheingeschäfte manipuliert und die Gesellschaft dadurch zu einem überhöhten Preis von 812 Millionen Euro an die britische Energis-Gruppe veräußert haben. Falk kam daraufhin in Untersuchungshaft. Im April 2005 kam er wieder frei. Seit Februar ist der Haftbefehl aber wieder in Kraft und Falk gegen eine Kaution auf freiem Fuß.

Ob Falk sich bei Navigon durchsetzen kann, ist fraglich. Denn Scheufen bezeichnet die von Falk erhobenen Ansprüche als „nach derzeitigem Kenntnisstand als vollumfänglich unbegründet“. Das lässt er durch seinen Firmensprecher ausrichten. Er hat deshalb vor vier Monaten vor dem Hamburger Landgericht eine Klage eingereicht, um dies festzustellen. Falk hatte die Klage Mitte Dezember erwidert und inzwischen erweitert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×