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23.04.2012

10:41 Uhr

Millionenvergütungen

Manager gegen Manager

VonDieter Fockenbrock

ExklusivVierhundertfünfundreißig Prozent - soviel verdient der VW-Boss mehr als sein Vorgänger. Die Gehälter der Vorstände in Dax-Konzernen rufen Kritiker auf den Plan - jetzt auch aus den eigenen Reihen.

Aktionäre sollten über Gehälter entscheiden

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DüsseldorfDeutschlands Topmanager haben die Wirtschaftskrise gut überstanden – vor allem finanziell. Das Durchschnittsgehalt eines Dax-Konzernchefs ohne Pensionsansprüche erhöhte sich im vergangenen Jahr um 400 000 Euro auf gut fünf Millionen Euro.

Nahezu alle heutigen Vorstandschefs stellen ihre Vorgänger gehaltsmäßig in den Schatten. VW-Chef Martin Winterkorn, der für das vergangene Jahr 16,6 Millionen Euro überwiesen bekam, verdiente 435 Prozent mehr als sein Vorgänger Bernd Pischetsrieder im Jahr 2006. Siemens-Chef Peter Löscher (8,7 Millionen Euro) kommt auf ein Plus von 142 Prozent gegenüber Heinrich von Pierer im Jahr 2006.

Diese Gehaltssteigerungen sind auch in Kreisen von Industrie- und Hochfinanz mittlerweile umstritten. Klaus-Peter Müller, Commerzbank-Aufsichtsratschef und Vorsitzender der „Kommission für gute Unternehmensführung“ sowie Kommissionsmitglied Manfred Gentz, ehemals Daimler-Finanzchef, haben sich daher entschlossen, als Privatleute einen vertraulichen Brief an die Aufsichtsratschefs der 30 Dax-Konzerne zu schreiben. Der Brief ging unter anderem bei Gerhard Cromme, Ferdinand Piëch, Simone Bagel-Trah und Manfred Schneider ein. Er liegt dem Handelsblatt vor.

Der VW-Vorstandschef Martin Winterkorn:16,6 Millionen Euro verdiente er 2011. dpa

Der VW-Vorstandschef Martin Winterkorn:16,6 Millionen Euro verdiente er 2011.

Müller und Gentz werben darin für eine Umkehr. „Wir sollten uns immer wieder klarmachen, dass auch und gerade marktwirtschaftliche Systeme des Verständnisses und der Akzeptanz der Gesellschaft bedürfen.“ Der Kernsatz des Schreibens lautet: „Wir regen an, zu überlegen, dass in die Vergütungssysteme der Vorstände selbst Obergrenzen integriert oder in anderer Weise sogenannte Caps in die Vorstandsverträge aufgenommen werden, wobei Höhe und Angemessenheit natürlich im Ermessen der Aufsichtsräte liegen müssen.“

Der Vorstoß bedeutet einen Tabubruch, denn eine Deckelung von Spitzengehältern galt bislang als illegitimer Eingriff in das marktwirtschaftliche Gefüge. Müller und Gentz sind sich der Brisanz bewusst. Deshalb betonen beide, sie verstünden sich „weder als Instrument der Politik“, noch handelten sie in „vorauseilendem Gehorsam“. Aber: „Es steht zu befürchten, dass ansonsten Politiker schon aus populistischem Impuls an gesetzgeberische Maßnahmen denken“, schreiben sie.

Der Brief erreichte die Handelsblatt-Redaktion kurz vor dem Wochenende. Daher war es bis zum Redaktionsschluss schwer auszumachen, ob er unter den Aufsichtsratsvorsitzenden mehrheitlich auf Zustimmung oder auf Ablehnung stößt. Zumindest Deutschlands Multi-Aufsichtsrat Schneider hat seine Entscheidung getroffen. Er unterstützt die Initiative: „Mir geht es darum, zu verhindern, dass wir schon wieder Regeln von der Politik vorgesetzt bekommen. Das sollten wir selbst lösen. Das ginge ganz einfach durch Einziehen von Grenzen“, so der Chefkontrolleur von Bayer, Linde und RWE.

Kommentare (17)

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aruba

23.04.2012, 10:58 Uhr

Guten Tag;.... eine Mir befreundete 91 jaehrige Juedin sagt immer " S'iss wie mitt die Katzz;... die sagtt;.. dass sie keine Milch nichtt willl. " dabei laechelt die alte Dame verschmitzt. Diese Frau hat alle Scheisse die Menschen anrichten durchgemacht und ueberlebt. Wenn Die redet;... bin sogar Ich still. Besten Dank.

Account gelöscht!

23.04.2012, 10:59 Uhr

Schön das sich Ihre Gehälter verdoppelt haben meine Herren, denn Otto-Normalverbraucher hat seit Jahren Reallohnverluste hinnehmen müssen, aber jetzt weiß ich wenigstens wo das Geld hingegangen ist.

Nirgendwer.

23.04.2012, 11:10 Uhr

Ja, m. E. wird es jetzt mal Zeit für ein paar Nullrunden bei den Mänätschern. So etwa 40 bis 50 Jahre lang, bis die Gehälter wieder in eine vernünftige Relation zu den Sklaveneinkommen der "normalen" arbeitenden Bevölkerung kommen. Und m. E. sollten die Proll-litiker trotzdem Rahmenbedingungen für die Mänätscher-Gehälter vorgeben, denn was diese ansonsten selbst regeln werden, wird nicht einer Rückführung auf ein "anständiges", soll heißen sozial akzeptables Niveau dienen, sondern nur der Absicherung der zu hohen Gehälter.

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