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29.07.2013

18:54 Uhr

Missglückte Chefwechsel

Wenn es für den Vorstandschef abwärts geht

VonMartin Dowideit, Sebastian Ertinger, Carina Kontio, Christof Kerkmann

Putsch, Intrige, Falle: Der bevorstehende Wechsel an der Siemens-Spitze hat einiges zu bieten. Doch auch andere Dax-Konzerne ereilte bei der Chefsuche das Chaos. Eine subjektive Übersicht der schmierigsten Chefwechsel.

Siemens-Finanzchef Joe Kaeser (l.) und Vorstandschef Peter Löscher: Ein Machtkampf läuft auf Hochtouren. ap

Siemens-Finanzchef Joe Kaeser (l.) und Vorstandschef Peter Löscher: Ein Machtkampf läuft auf Hochtouren.

DüsseldorfEigentlich läuft so etwas anders: Der Wechsel an der Spitze eines deutschen Großkonzerns kommt meist ohne Stellungnahme der Bundeskanzlerin aus – wenn sie es auch nur indirekt über ihren Sprecher ausrichtet. Doch zu den Führungsquerelen beim größten deutschen Industrieunternehmen Siemens hat er ein Zitat parat. Es sei der Kanzlerin wichtig, „dass dieses Weltunternehmen wieder in ruhiges Fahrwasser gerät“, teilte ein Regierungssprecher am Montag mit.

Doch seit Donnerstag vergangener Woche tobt der Führungskampf bei Siemens. Vorstandschef Peter Löscher steht vor der Demission, sein Finanzvorstand Joe Kaeser gilt als wahrscheinlicher Nachfolger. Und jede Wendung wird in der Öffentlichkeit breitgetreten. Kein Wunder, wenn – nicht ganz zu Unrecht – von Putsch, Intrigen und aufgestellten Fallen geredet wird.

Dabei haben gerade Großkonzerne und auch Mittelständler in den vergangenen Jahren viel getan, dass ein solches Schmierentheater ausbleibt. Die Unternehmen hätten viel Geld in die Hand genommen, um Nachfolger für Spitzenpositionen in den Vorständen gezielt aufzubauen. „Da ist eine Menge in die Professionalisierung investiert worden“, sagt Anke Hoffmann, Geschäftsführerin bei der Personalberatung Kienbaum Executive Search. In der Regel beginne der gezielte Aufbau von Vorstandsmitgliedern drei bis vier Jahre vor der Berufung etwa durch die Übertragung großer Projekte.

Doch jetzt zeigt sich ein anderes Bild an der obersten Spitze. „Hier hat der Aufsichtsrat versagt, zeitig einen Nachfolger aufzubauen“, sagt Hubertus Douglas, Deutschlandchef der Personalberatung Korn/Ferry International. Tatsächlich scheint der Siemens-Aufsichtsrat jetzt zwar auf einen internen Kandidaten mit langer Erfahrung im Unternehmen zu setzen. Aber das Erfolge aus der Not heraus und nicht strategisch geplant.

Kaeser hat seine ganze Karriere im Konzern verbracht, seit sieben Jahren sitzt er im Vorstand. Doch der Übergang erfolgt alles andere als reibungslos. Eine frühzeitig geordnete Übergabe – wie es etwa bei der Deutschen Telekom derzeit zwischen Vorstandschef René Obermann und Finanzchef Timotheus Höttges erfolgt – ist dem Konzern nicht geglückt.

Den einen optimalen Zeitpunkt für die offizielle Ankündigung eines Chefwechsel gebe es aber nicht, so Personalexpertin Hoffmann. Geschehe es zu früh, könnten Gegenkräfte im Unternehmen die Berufung unmöglich machen – oder ein Exodus wichtiger Kräfte einsetzen. Geschehe die Ernennung zu spät, könnte die Einarbeitungszeit zu knapp werden: „Etwa ein Jahr vorher ist okay.“ So war es bei der Telekom.

Die Realität sieht vor allem dann anders aus, wenn sperrige Charaktere aufeinander treffen oder Firmen aus unterschiedlichen Gründen in eine Führungskrise geraten – sei es durch Fehlinvestitionen oder zu starke Egos. Handelsblatt Online gibt einen subjektiven Überblick über anders als optimal verlaufene Chefwechsel.

Kommentare (1)

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30.07.2013, 09:01 Uhr

Die Presse hätte Peter Löscher gerne in einer längeren Champagne demontiert und dabei auch mögliche Nachfolger ins Spiel gebracht. Jetzt kommt der Aufsichtsrat ihnen bevor und wird kurzfristig einen Nachfolger wählen. Das finde ich gut.

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