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18.01.2005

13:00 Uhr

Mit eigenwilligen Marketing- und Managementmethoden stieg Jake Burton zum Weltmarktführer für Snowboards auf

Schneefrei für die Belegschaft

VonFrank Siering (Handelsblatt)

Eben war ich noch auf dem Berg. Der erste Schnee des Jahres ist immer der beste", schwärmt Jake Burton. Der 46-jährige Snowboard-König aus Burlington im US-Bundesstaat Vermont erzählt erstmalminutenlang von den "total schrägen Abfahrten" und "erstaunlich schönen Stürzen". Sein Ziel ist: Jedes Jahr 100 Tage auf seinen Brettern zu fahren. Am liebsten inkognito, um unverfälschten Kontakt zur Zielgruppe zu bekommen

HB LOS ANGELES. Nicht viele Unternehmer stehen ihrem Produkt so nah wie Jake Burton. Selfmade-Mann Burton hat nicht es nicht nur geschafft, aus seinem Hobby einen Beruf zu machen und zum Produzenten dieser Sportgeräte zu avancieren. Er hat es sogar zum Weltmarktführer gebracht. Auch heute noch ist er sein eifrigster Produkttester, bester Verkäufer und Marketing-Spezialist. Dass Snowboarden vor zwei Jahren olympische Disziplin wurde, war für Burton "der Durchbruch".

Ein wenig erinnert der Mann mit dem Drei-Tage-Bart, der sich am liebsten mit Wintermütze und Schneebrille auf derablichten lässt, mit seiner Schwärmerei an einen Teenager. Kaum zu glauben, dass der dreifache Familienvater derzeit ein Drittel des Snowboardmarkts - dem immerhin zehn Millionen begeisterte Brettlkünstler angehören - kontrolliert. Allein 2003 wurden weltweit 1,4 Millionen dieser Boards verkauft. Tatsächlich ist Jake Burton alleiniger Inhaber von Burton Snowboards, einem Markennamen, der sichmittlerweile weltweit durchgesetzt hat. Mit Produktionsstätten in Amerika, Europa und Japan dominiert Burton mit seinen Wintersportprodukten den Arlberg wie die Rocky Mountains. Jeder Snowboarder, der etwas auf sich hält, rutscht auf Burton-Brettern und in Burton- Outfits - von Sonnenbrillen, über Spezialschuhe bis zu Wasser abweisender Bekleidung - den Berg hinunter. Um seine Mitarbeiter zu motivieren, sollen auch die so oft wie möglich mit dem Produkt umgehen: Fällt in Vermont, am Hauptsitz der Firma, mehr als 60 Zentimeter Schnee, bekommen seine Mitarbeiter schneefrei. Damit sie ihre Gartis-Saisonkarte ausnutzen und selbst snowboarden gehen. Jeder seiner 500 Mitarbeiter weltweit darf 100 Stunden während der Arbeitszeit snowboarden. Und: Wer bei Burton arbeitet, darf seinen Hund mit ins Büro bringen. Die 30 Hunde, die sich tagtäglich in der Firma einfinden, sind die meistgeschätzten Mitarbeiter, witzeln die Kollegen. So bildet denn auch ein Großteil der Unternehmensfotos auf Burtons Homepage diverse Hundeschnauzen ab.

Dass Burton selbst einen Vierbeiner hat - es ist ein Labrador -, versteht sich. "Wir verdienen mit Spaß unser Geld. Deshalb ist es mir auch wichtig, dass der Spaß wirklich im Job bleibt", findet Burton. So müssen die Mitarbeiter auch nicht morgens um neun Uhr im Büro sein. "Sie können arbeiten, wann sie wollen, Hauptsache der Job wird erledigt." Wie viel Burton umsetzt, will er nicht verraten. Aber er gibt zu, dass er "heute so viel Geld verdient, wie ich mir niemals auch nur erträumt habe". Industrieexperten schätzen, dass das Imperium heute rund 250 Millionen Dollar wert ist. Weltweit führen 4350 Fachgeschäfte Burtons Produkte, davon 700 in Japan. Dabei startete Burton vor 25 Jahren in der heimatlichen Garage. Er schmirgelte selbst die Holzbretter ab und war rund 1 00000 Dollar in den Miesen. "Das war eine schwierige Zeit", erzählt er heute. "Damals interessierte sich noch niemand für unseren Sport." und kramt in den Erinnerungen. "Wir packten ein paar Bretter in unseren alten Volvo und sind damit von Laden zu Laden gefahren, um sie zum Verkauf anzubieten." Heute steht Firmenchef Burton in den Schlagzeilen, wenn er sich gleich zehn Monate lang frei nimmt, um dem Winter auf sechs Kontinenten hinterher zu reisen. Zusammen mit Ehefrau Donna und den Kindern George, Taylor und Timmy zog er vom Himalaya nach Neuseeland über Japan, die USA und Europa nach Südamerika, um "jeden Berg dieser Welt mit dem Snowboard zu besiegen".

Als "genialen Marketing-Schachzug" beschrieb das Forbes Magazine die damaligeAuszeit von Burton, der natürlich nicht nur Ferien machen wollte, sondern gleichzeitig neue Burton-Produkte ausprobierte und nach günstigeren Produktionsstätten Ausschau hielt. Derzeit werden Burton-Produkte in Innsbruck, Polen, Colorado und Vermont hergestellt. Aber auch Burton weiß um die steigenden Lohnkosten in den alten Industrienationen. "Wir werden in Zukunft viel Fabrikarbeit nach China verlegen. Es ist einfach viel billiger", so Burton. Und einen neuen Traum hat sich Amerikas ungewöhnlichsten Geschäftsführer auch schon wieder in den Kopf gesetzt. "Nächstes Jahr fliege ich mit der Familie zum Snowboarden in die Antarktis, das wird eine wahre Gaudi", verrät er, bevor er zurück muss ins Burton Manufacturing Center. Seine Ingenieure wollen ihm ein neues Brett präsentieren. Ein Brett, das der Chef am hauseigenen Berg schon am nächsten Morgen selbst testen wird.

Jake Burton

1954 wurde Jake Burton in New York geboren. Unternehmer-Erfahrung sammelte er zu High -School- Zeiten mit seiner Firma für Gartengestaltung. In Colorado und New York studierte er Wirtschaft.

1977 gründete er Burton Snowboards, die Firma errichtete 1986 eine Dependance in Innsbruck und 1995 in Japan.

2004 übernahm Burton vier Snowboard-Marken. Die Firma hat weltweit 500 Mitarbeiter und ist Weltmarktführer.

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