Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.01.2004

07:57 Uhr

Mit Schröder verbindet ihn die „Wasserschlacht“

Ein Mann unter Gleichstrom

VonMartin Noé (Handelsblatt)

Wulf Bernotat hat bei Eon für eine sanfte Kulturrevolution gesorgt. Regelmäßig lädt der Chef Mitarbeiter zum Drei-Gänge-Menü ein. Und bekommt auch Probleme serviert.

Eon-Chef Wulf Bernotat mag die angelsächsische Management-Welt. Foto: dpa

Eon-Chef Wulf Bernotat mag die angelsächsische Management-Welt. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Als Aperitif ein Orangensaft. Sechs Menschen halten sich an ihren Gläsern fest. Sie wechseln ein paar Worte miteinander. Es ist nicht die Zeit für ein Gespräch. Große Fenster geben den Blick auf den Rhein frei und Platanen starr wie Steinskulpturen, die lange Winterschatten werfen. Die sechs schauen in die entgegengesetzte Richtung: auf eine dunkel getäfelte Holztür. Gleich, um zwölf Uhr, soll dort ein Mann eintreten: Wulf Bernotat, 55, ihr aller Chef. Seit acht Monaten ist er Vorstandsvorsitzender der Eon AG, des größten Energiekonzerns Deutschlands. Gleich werden sie mit ihm zu Mittag essen. Zwei Stunden hat Bernotats Terminkalender dafür vorgesehen.

Die sechs haben viele Fragen. Solche, die man stellen kann, wie: „Was kann ich mir unter Marktmanagement vorstellen?“, einer neuen Abteilung bei Eon. Oder: „Wie sehen Sie Eon?“ Und andere, deren Beantwortung man sich nur nähern kann: „Ist mein Arbeitsplatz sicher?“ Oder: „Was ist mein Chef für ein Typ?“

Wulf Bernotat kommt pünktlich, ohne Tusch und Aktenträger. Er tritt einfach in den Raum ein: ein mittelgroßer, grauhaariger Mann im Nadelstreifenanzug mit Weste und blau-weiß gestreiftem Hemd. Die Vögel auf der Krawatte wölben sich in Bauchhöhe nach vorn. Aber nur ein bisschen. Er gibt jedem die Hand. Er bittet zu Tisch.

Die Tafel ist festlich gedeckt. Weißes Porzellan, eingerahmt von Silber der Marke Robbe & Berking. Das Essen hier im 9. Stock der Düsseldorfer Eon-Zentrale ist etwas Besonderes für die Geladenen. Sie kennen sich nicht oder nur flüchtig, sie sind nervös. Für Wulf Bernotat sind diese Veranstaltungen ein Teil seiner beruflichen Routine geworden. Hunderte dieser Mitarbeiter-Essen hat er nach eigener Zählung bereits hinter sich in seinen verschiedenen Jobs. In immer wechselnder Besetzung simuliert er so herrschaftsfreien Diskurs, machtneutral und universal-menschlich. Philosophie à la Habermas für den Betrieb. Viele Unternehmensberater lieben das.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×