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04.10.2013

17:13 Uhr

Mitarbeiter in den Flow bringen

50-mal so produktiv arbeiten

VonBettina Dobe
Quelle:CIO

Meetings nur noch in einer Tageshälfte, schnelles Feedback und Selbstbestimmung über Software: So einfach könnten Ihre Mitarbeiter effizienter arbeiten, behauptet Forrester-Analyst Dave Johnson.

Eine Bedingung für konzentriertes Arbeiten ist die Selbstbestimmung. dpa

Eine Bedingung für konzentriertes Arbeiten ist die Selbstbestimmung.

DüsseldorfStändig bimmelt irgendein Gerät, ein Meeting jagt das nächste, und unzählige Emails wollen bearbeitet werden. Zum lästigen Grundrauschen kommt, dass gerade High Performer nicht mit den Geräten oder Anwendungen arbeiten, die sie eigentlich gern hätten, sagt Dave Johnson, Analyst des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Forrester. Das sorgt für Frust und wenig Produktivität. Ermöglicht ein Unternehmen seinen Mitarbeitern dagegen selbstbestimmtes Arbeiten, seien sie bis zu 50 Mal so produktiv wie gewöhnlich, meint der Analyst.

So delegieren Sie richtig!

Übertragen Sie Kompetenz

Lassen Sie Entscheidungsfreiraum. Nichts bremst die Motivation anderer mehr, als wenn alles haarklein vorgeschrieben ist. Natürlich sollten Sie demjenigen, an den Sie eine Aufgabe delegieren, nicht das Gefühl geben, dass Sie eine anspruchslose Aufgabe abwälzen wollen.

(Quelle: Lothar Seiwert, Zeit ist Leben, Leben ist Zeit)

Übertragen Sie klar abgegrenzte Aufgaben...

...und lassen Sie den anderen wissen, dass Sie jederzeit offen für Rückfragen sind. Ermutigen Sie den anderen zu eigenen Entscheidungen. Und nehmen Sie Fehler nicht so krumm: Eine verpatzte Aufgabe kann das nächste Mal nur besser werden, fehlende Utensilien sind schnell nachgekauft, ein kurzes Telefonat korrigiert einen falsch vergebenen Auftrag.

Übertragen Sie Verantwortung

Ihr Kollege oder Ihr Mitarbeiter sollten für die Aufgabe geradestehen. Kontrollieren ist gut. Tun Sie es aber nur, wo es dringend notwendig ist. Vertrauen ist besser. Auch andere können das Kind für Sie schaukeln. Bremsen Sie Ihren Perfektionismus. Jeder erledigt Aufgaben auf seine Art und Weise. Und sparen Sie vor allem an einem nicht: am Lob.

Überlegen Sie immer zuerst,...

... was wer besser und schneller erledigen kann und was Sie - aus welchen Gründen auch immer - nicht selbst tun wollen. Dann sagen Sie genau, was Sie wollen. Es reicht nicht aus, jemanden ohne Liste zum Einkaufen zu schicken, weil danach die Hälfte fehlt. Oder einen Mitarbeiter mit einem Telefonat zu beauftragen, wenn dieser nichts über den Kontext weiß. Eine delegierte Aufgabe führt nur zum Erfolg, wenn Sie präzise kommunizieren.

Und was lässt sich delegieren?

Drängende Geschäfte, die aber nicht unbedingt wichtig sind. Terminierte Routineaufgaben und Verwaltungsakte, Telefonate und Konferenzen. Aber auch alle anderen Aufgaben, die nicht selbst ausgeführt werden müssen, weil ein anderer sie ebenso gut, billiger oder sogar besser kann.

Wichtig

Delegieren Sie nicht nur die Termindruck-Aufgaben, sondern auch solche, die mittel- und langfristig erledigt werden müssen. So können Sie andere Menschen motivieren und fachlich fördern. Und immer, wenn Sie eine zusätzliche Aufgabe bekommen, sollten Sie eine alte delegieren.

Jobfrust und demotivierte Mitarbeiter sind auf deutschen Bürofluren keine Seltenheit. Gerade auf höheren Ebenen müssen die Mitarbeiter besonders motiviert werden, um nicht die Firma zu wechseln. Gehalt und Dienstwagen sind zwar nett, aber: „Wenn die Komplexität der Arbeit zunimmt, funktionieren die gewöhnlichen Motivatoren wie mehr Gehalt nicht mehr“, sagt Johnson. Vielmehr müssen sich die Mitarbeiter selbst motivieren.

Johnson setzt auf die intrinsische Motivation. Sie besteht aus drei Elementen: Autonomie, Können und ein tieferer Sinn. Mitarbeiter wollen mehr Eigenverantwortung, sie wollen ihre Fähigkeiten verbessern und zu etwas Größerem beitragen. „Wenn all das zusammen trifft, erfahren Mitarbeiter einen 'Flow'“, sagt Johnson. „Wenn man so hart an etwas arbeitet, dass die Zeit rasend schnell verfliegt, dann ist man im Flow.“ Je mehr ein Vorgesetzter dafür sorgt, dass seine Angestellten im Flow sind, desto mehr hat er von ihrer Kompetenz. „In hochkomplexen Arbeitsumgebungen, wie sie Wissensarbeiter oder Softwareingenieure erfahren, sind Mitarbeiter bis zu 50 Mal so produktiv, wenn sie in einem Zustand des Flow sind“, sagt Johnson.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

04.10.2013, 17:47 Uhr

"Flow" ein weiterer Euphemismus für den ohnehin schon
euphemistischen Begriff "Arbeitsverdichtung"!

Wie war das nochmal mit dem Anziehen von Schrauben: nach ganz fest kommt ganz locker.

Account gelöscht!

04.10.2013, 19:22 Uhr

Und für solche Banalitäten bekommt der Geld? Der gesunde Menschenverstand reicht völlig. Das mit dem "Flow" kennt doch jeder. Gibt viele Beispiele. Beim Basteln, Lesen oder Filmgucken. Wer hasst dabei nicht jede Unterbrechung. Es ist nur wichtig, dass es nicht auf Selbstausbeutung hinausläuft.
Er schreibt, dass zeitnahes Feetback wichtig ist. Stimmt. Aber was ist, wenn die anderen gerade im "Flow" sind? Dann würde es diese doch stören, wenn sie was anderes lesen müssten und sich auch noch dazu äussern sollen. Das ist ein Widerspruch.
Jeder soll seine "eigene" Software benutzen dürfen. Das ist eher Unsinn. Bei Spezialprogrammen gibt es keine Alternativen. Oft sind die Programme nicht kompatibel.
Sollte der Mann allerdings so recht haben und seine Tipps wichtig, frage ich mich, warum dann die Manager, die er berät mehr als 5 Euro/Std. bekommen.

Der_ewige_Spekulant

04.10.2013, 20:33 Uhr

"Autonomie, Können und ein tieferer Sinn."

Typische Unternehmensberatung. Das stimmt ja auch alles usw. und macht Sinn.

Nur hat das nichts mit der Realität zu tun.

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