Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.06.2015

06:09 Uhr

Mitarbeiterförderung

Boni für Besserwisser

Durch die Vorschläge ihrer Mitarbeiter sparen Unternehmen wie Bosch und Daimler jedes Jahr Millionenbeträge – und belohnen dafür ihre Angestellten mit großzügigen Boni. Doch fördern kann man gute Ideen nicht nur mit Geld.

Firmen wie Bosch sparen jedes Jahr Millionenbeträge durch die Ideen ihrer kreativen Mitarbeiter. dpa

Produktion bei Bosch

Firmen wie Bosch sparen jedes Jahr Millionenbeträge durch die Ideen ihrer kreativen Mitarbeiter.

DüsseldorfMist, das Ding klemmt. Wenn die Deutsche Bahn ihre Loks routinemäßig kontrollieren lässt, müssen die Mitarbeiter auch die Brennkammer überprüfen. Die aber sitzt hinter einer Klappe und oftmals ziemlich fest. „Geht nicht“, könnte der Kontrolleur jetzt auf dem Protokoll vermerken, und erstmal einen Kaffee trinken gehen.

Nicht so zwei Mitarbeiter der Abteilung Fahrzeuginstandhaltung in Bremen: Sie dachten nach, diskutierten und nahmen schließlich ein Schweißgerät zur Hand. Damit erwärmten sie die Brennkammer. Und siehe da, schon ließ sie sich herausnehmen. So machen es jetzt alle Kollegen und sparen der Bahn damit nicht nur viel Zeit, sondern auch Geld. Ein Jahr lang überwies der Konzern ein Viertel davon an die beiden pfiffigen Kontrolleure – Teil eines ausgeklügelten Ideenmanagements.

Mitarbeiter, die über den eigenen Feierabend hinausdenken, wünscht sich jeder Chef. Der Konzernalltag aber sieht oft anders an. Da tut ein jeder tagein, tagaus seine Pflicht und hat doch immer das Gefühl, dass weiter oben in der Hierarchie niemanden interessiert, ob man sich dabei auch etwas denkt. Dabei lohnt sich ein Ideenaustausch für beide Seiten. Boni für Besserwisser können Mitarbeiter motivieren, ihr Gehirn auch bei Routinearbeiten nicht auszuschalten.

Daimler-Bilanzanalyse: Fast am Ziel

Daimler-Bilanzanalyse

Premium Fast am Ziel

Daimler-Chef Zetsche will die bleierne Dekade des Konzerns hinter sich lassen. 2014 hat Daimler schon viel Boden auf die Konkurrenz gutgemacht. Noch schneller als der Absatz steigt der operative Gewinn der Autobauer.

Bei Bosch zum Beispiel: 33,4 Millionen Euro hat der Konzern im Jahr 2014 gespart, weil die Mitarbeiter so viele Verbesserungsvorschläge gemacht haben. Das geht aus dem Geschäftsbericht hervor, den das Unternehmen in der letzten Woche vorlegte. Im Gegenzug zahlte Bosch seinen Leuten Prämien im Wert von insgesamt 7,7 Millionen Euro. Allein 37.000 Euro erhielt ein Mitarbeiter aus der Sparte Industrietechnik. Er schlug vor, die Vorbereitungsarbeiten für die Herstellung von Ventildeckeln bei Hydrauliksystemen an Lieferanten auszulagern. So konnte Bosch die Herstellungskosten um ganze 20 Prozent verringern. Das Unternehmen honoriert Mitarbeiterideen bereits seit 80 Jahren. Das motiviert: Gut 22.800 Mitarbeiter in Deutschland haben im letzten Jahr 47.000 Vorschläge eingebracht.

Der Autohersteller Daimler hat dank seiner kreativen Mitarbeiter sogar 70 Millionen eingespart. Mehr als 69.000 Verbesserungsvorschläge seien im letzten Jahr eingebracht worden, vermeldete der Konzern im Frühjahr. Dafür seien Prämien von 19 Millionen Euro gezahlt worden.

Bosch im Überblick (Kennzahlen 2012/13)

Gesamtumsatz 2012/13

46 Milliarden Euro

Umsatz nach Bereichen

Kraftfahrzeugtechnik: 30,6 Milliarden Euro
Industrietechnik: 6,8 Milliarden Euro
Gebrauchsgüter: 4,1 Milliarden Euro
Energie- und Gebäudetechnik: 4,6 Milliarden Euro

Umsätze nach Regionen

Europa: 25,5 Milliarden Euro (Deutschland: 10,6 Milliarden Euro)
Nordamerika: 7,8 Milliarden Euro
Südamerika: 1,7 Milliarden Euro
Asien-Pazifik (einschließlich aller übrigen Regionen): 11,1 Milliarden Euro

Forschungsausgaben

etwa 4,5 Milliarden Euro

Mitarbeiter (31.12.2013)

281.381

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Sergio Puntila

01.06.2015, 09:56 Uhr

Die Frage bei Boni bleibt doch, ob man sich für seine wirtschaftlichen Leistungen belohnt sehen darf oder nicht doch für lediglich ideologisch erbrachten Leistungen.
Ein Empfinden für Überbezahltheit kann man vmtl nichteinmal anerziehen

Herr Ingo Ulrich

01.06.2015, 15:42 Uhr

"...für Besserwisser "

Typisch deutsch, wie das Wort Streber, das nur in unserer Sprache existiert !
Warum Besserwisser, warum nicht mitdenkende, engagierte Arbeitnehmer ?

Das wird es in Zukunft immer seltener geben, die Loyalität zu einem Unternehmen, bei dieser zunehmenden, unseriösen Arbeitswelt !!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×