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13.03.2004

08:20 Uhr

Mittelständler benötigen Geldgeber

Für Prozessfinanzierer brechen goldene Zeiten an

VonMarcus Creutz

Das Geschäft der Prozessfinanzierer in Deutschland dürfte ab Juli einen erheblichen Schub bekommen. Der Grund: Mit Inkrafttreten des neuen Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes am 1. Juli 2004 und der parallelen Anhebung der Gerichtsgebühren verteuern sich die Prozesskosten um durchschnittlich 20 %.

Foto: dpa

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HB GARMISCH. Die Folge: Viele kleine Handwerker und mittelständische Unternehmen können es sich dann nicht mehr leisten, gegen notorische Rechnungspreller Zahlungsklagen anzustrengen. In diese Lücke stoßen die Prozessfinanzierer. Sie übernehmen das gesamte Kostenrisiko eines Rechtsstreits gegen Erfolgsbeteiligung.

"Die Prozessfinanzierung wird künftig zunehmen und eine größere Rolle im deutschen Rechtssystem spielen", prognostiziert denn auch Michael Bretz, Leiter der Wirtschafts- und Konjunkturforschung bei der Creditreform in Neuss. Bestätigt wird diese Einschätzung auch dadurch, dass die Rechtsschutzversicherungen D.A.S., Allianz und Roland seit einigen Jahren in diese neue Sparte investieren und zwischenzeitlich eigene Tochterunternehmen gegründet haben.

Wie belastend künftig schon ein einfacher Prozess werden kann, zeigt folgendes Beispiel: Will ein Unternehmer etwa eine Forderung von 50 000 Euro über zwei Instanzen durchfechten, muss er ohne Prozessfinanzierer erst einmal die eigenen Anwaltsgebühren und die Gerichtskosten vorstrecken. Verliert er, ist nicht nur dieses Geld weg. Er muss auch noch die Anwaltskosten des Gegners übernehmen. Das Kostenrisiko summiert sich so auf insgesamt 20 257,17 Euro. Kein Wunder, dass jeder, dessen Firmenkonto ohnehin schon im Soll steht, sich zweimal überlegt, ob er sich noch einen Rechtsstreit aufhalsen soll.

Aus dieser Klemme wollen die Prozessfinanzierer helfen: Der Unternehmer zahlt zunächst nichts, kann trotzdem mit dem Anwalt seines Vertrauens den Prozess führen - muss allerdings am Ende von den erstrittenen 50 000 Euro maximal 15 000 Euro an den Prozessfinanzierer als Erfolgsbeteiligung abgeben. Die Vorteile liegen dennoch auf der Hand: Der Unternehmer minimiert sein Prozessrisiko auf Null - und hält zudem ausreichend liquide Mittel in Reserve.

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